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Mittwoch, 17. Januar 2018, 14:00 Uhr

LegalFling

Eine App, die wir nicht brauchen für Probleme, die wir nicht haben sollten

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als One Night Stands etwas Einfaches, Schönes waren?

Er mag sie, sie mag ihn, aus einer Umarmung wird ein Kuss, aus einem Kuss wird eine Einladung und schon vereinigen zwei Individuen sich völlig losgelöst zu einem achtbeinigen nackten Monster. Liebe kann so wunderbar sein. Daran solltet ihr euch noch erinnern, denn sowas war es noch bis vor Kurzem und so sollte es doch auch bitteschön bleiben.

Neues Öl in das ausufernde Feuerinferno, das die #metoo Debatte zündete, wird von einer Story um den populären Schauspieler Aziz Ansari gegossen. Folgendes passierte: Ansari, der bisher ein Image als charmanter Romantik Profi genoss, lernte eine 23-Jährige kennen. Beide verstanden sich gut, kamen sich näher und landeten schließlich in Ansaris Behausung. So weit so gut und alles ganz einverständlich. Was dann geschah, wird aktuell aufgeregt und kontrovers diskutiert. Sofern die Erzählung stimmt, startete Ansari dann recht bald eindeutige Avancen, die schließlich zu Sex führen sollten, von ihr nicht vollständig erwidert, aber auch nicht deutlich - so, dass er es verstanden hat - abgelehnt wurden. Sie behauptet, sehr wohl Desinteresse signalisiert zu haben, allerdings nicht mit der Faust auf dem Tisch, sondern nun ja, eher subtiler, durch verbale und nonverbale Hinweise.

Ob diese Hinweise absichtlich überhört und –sehen wurden oder ob es sich um ein Missverständnis handelte, bleibt ungewiss. Am nächsten Tag textete sie dem bis dahin schuldunbewussten Ansari, von der für sie dramatischen Erfahrung und ging später damit zur Presse, die sich im Moment nur allzu gerne auf so eine Geschichte wirft.

Gut denkbar, dass die genannte Geschichte nicht die einzige dieser Art ist. Um in Zukunft solche Probleme auszumerzen, hat das niederländische Startup LegalThings eine wahrlich spezielle Idee: Ihre App LegalFling soll, bevor es zu einer körperlichen Begegnung kommt, einen digitalen Vertrag beidseitig unterzeichnen lassen.

Dieser Vertrag beinhaltet eine Liste von Dos und Donts, wie zum Beispiel: Kondombenutzung, Foto/Videoaufnahmen oder BDSM, die dann in einer Blockchain abgespeichert wird. Diese Technologie ist ebenfalls bekannt als das Rückgrat der Kryptowährung Bitcoin, sie kann nicht gehackt werden und ist damit auch nicht nachträglich veränderbar. Was sich anhört wie das Skript zu einer neuen Episode der Serie Black Mirror, sollte nach Wünschen der Erfinder bald traurige Realität werden.

Doch muss es wirklich so weit gehen? Jetzt mal abgesehen davon, dass es gelinde gesagt ziemlich dämlich ist, solche privaten Daten in einem öffentlich Netzwerk, das von jedem eingesehen werden kann zu speichern, stellt sich doch die Frage: „Geht’s noch?“ Ist das die Zukunft, in die wir gehen möchten?

Möchten wir uns die Romantik und Überraschungen, die schönen, als auch die schlechten, die so eine Liebschaft mit sich bringen kann von einer uns überwachenden App vorschreiben lassen?

Viel wichtiger wäre es, die Menschen zu für den Gegenstand zu sensibilisieren und für eine gesunde Kultur der Kommunikation zwischen potenziellen Partnern zu sorgen.


Bildquelle: Unsplash | Gaelle Marcel | cc by 2.0