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Freitag, 19. Januar 2018, 00:00 Uhr

Eurosonic Noorderslag 2018

Diese Künstler solltet ihr auf dem Schirm haben

Vom 17. bis 20. Januar findet in Groningen (in den Niederlanden) das wichtigste Festival für Musikentdecker in Europa statt - es spielen knapp 300 spannende Bands in vier Tagen! Wir haben mal ein bisschen Ordnung in das Line Up gebracht.

Wenn man sich im Falle vom Eurosonic Noorderslag vornimmt, die interessantesten Acts aufzulisten, hat man ganz schön schnell ein Problem: Es artet aus.
Denn erst nimmt man sich vor, nicht mehr als fünf vorzustellen. Dann - wenn man insgeheim eigentlich schon bei 20 ist - nimmt man schon die Herausforderung an, wenigstens bis zu zehn auszusieben, bis man dann irgendwann, wenn man wirklich das komplette Line Up durch hat, auf 117 kommt. Ja, kein Witz und wir waren wirklich streng bei der Auswahl. Deswegen lassen wir das ganze "Die fünf besten..." oder "Diese Top 10 müsst ihr kennen" Quatsch und haben die Acts, die wir besonders spannend finden, etwas anders aufgeteilt. Und weil hören dann aber doch ein bisschen spaßiger und sinniger ist, haben wir obendrauf noch eine Playlist gebastelt.

Künstler, über die 2018 jeder sprechen wird

Superorganism

Diese gelangweilten Teenager sind zu Großartigem fähig, besonders weil sie ziemlich viel Dusel haben. Über Nacht und aus dem Nichts erblickte der Song "Something for your M.I.N.D" Anfang 2017 das Licht der Welt und fand sogar schnell seinen Weg in die richtigen Hände: Frank Ocean und Ezra Koenig von Vampire Weekend gaben sich schon sehr früh als Fans zu erkennen. Mysteriöser Weise wusste die Musikwelt unter dem Strich eigentlich kaum etwas über die Band und auch der Track verschwand flott wieder von den Streamingplattformen. Erst nach und nach sickerten Informationen über Superorganism durch: Acht über die ganze Welt verteilte Mitglieder, die sich über ein Musikforum kennenlernten und sich die Songteile per Mail hin und her schickten und dazu eine 17-Jährige Sängerin aus Maine/USA. Eine scheinbar sehr fruchtbare Mischung.

IAMJJ
Der knapp 24-jährige Däne aus Kopenhagen lässt sich als Songwriter von Tom Waits und Nick Cave inspirieren und lässt dabei seine markante Stimme so tief und eindringlich erklingen, dass es einem in Mark und Knochen vibriert.
„Die Leute sollen sie entweder haben wollen oder sie verbrennen wollen“, sagt er selbst über seine Musik. Sie erinnert einen wie beschissen das Leben sein kann und führt einen in dessen düstere und hoffnungslose Gefilde. Am 23. März erscheint IAMJJs Album Bloody Future, das ihr nicht nur beim Eurosonic, sondern auch am 1. Mai 2018 im Ampere in München live erleben könnt.

Yungblud
Der 19-jährige, rebellische Poet aus Yorkshire könnte bei so manch einem tatsächlich klangliche Assoziationen mit einem Kläffer wecken, zumindest bellt er in seinen Songs, die er zudem mit Elementen aus Pop und Alternative Rock schmückt, ganz schön und vorallem auch gerne mal provokativ und politisch rum. Seit dem 19. Januar gibt's auch endlich was Gebündeltes zum Anhören von Yungblud: die selbstbetitelte, fünf-trackige Debüt-EP.

Chelou
Der Elektrofrickler Chelou kommt eigentlich aus der Punkszene Camdens, das hat er quasi von seinen Eltern, die darin bereits sehr aktiv waren, in die Gene gelegt bekommen. 2016 hat er einen ziemlichen Treffer mit "Halfway to Nowhere" gelandet: Über fünf Millionen Klicks hat das Video auf YouTube. Und das ist gar keine Besonderheit für seine Songs, die ranken sich alle so um das Millionenfache. Ein kleines Mysterium ist es daher schon, dass Chelou noch nicht in aller Munde ist. Wird sich hoffentlich ändern, wenn dieses Jahr endlich mal ein kompaktes Debütalbum erscheint.

Bergfilm
Es war irgendwann im Laufe von 2016, als merkbar wurde: Köln mutiert gerade zur neuen Musikhauptstadt Deutschlands. Wahnsinnig viele neue Künstler schossen aus dem Boden, allen voran Roosevelt, Vimes, AnnenMayKantereit, Woman - die Auflistung könnte wirklich noch halb ewig weitergehen, bis eben auch der Name Bergfilm fallen würde. Das Trio veröffentlichte letztes Jahr das synth-geschwängerte Debüt Constants, mit dem sie uns Anfang letzten Jahres schon live in München verzückten.

Unter Freunden

Dass ihr die folgenden Künstler allesamt auf dem Radar haben solltet, müssen wir euch nicht nochmal sagen, das machen wir gefühlt eh jeden Tag. Denn bei denen hier handelt es sich um Künstler und Bands, die quasi schon zum egoTeam gehören, wenn man nicht sogar schon Familie dazu sagen könnte. Allen voran natürlich die Kytes aus München, die schon bei uns regelmäßig abhingen, bevor sie überhaupt die Kytes waren. Auch unsere dänische Freundin Lydmor ist dieses Jahr beim ESNS am Start und präsentiert neben neuer Frisur auch ein paar neue Songs des kommenden Albums, von dem bisher erst "Helium High" veröffentlicht wurde. Die Sonne nach Groningen bringt die Singer/Songwriter-Musik vom guten Gizmo Varillas, der seit dem egoFEST 2017 quasi unser bester Freund ist. Dabei schwören wir: schon bei seinem Auftritt beim Reeperbahn Festival 2017 hat er es geschafft, beim letzten Song die Wolkendecke zu durchbrechen und die Sonne strahlen zu lassen. Kein. Witz.

Die Unikate des ESNS 2018

Nach dem Reeperbahn Festival 2017 haben wir euch schon von der fantastischen Österreicherin Ankathie Koi vorgeschwärmt. Die Künstlerin schafft es, mit Lederkostüm, Omnichord und Vokuhila einen wirklich einprägenden Eindruck zu hinterlassen und liefern eine Show ab, bei der man selbst als Zuschauer mindestens drei Liter Schweiß beim Tanzen verliert - geht nicht anders. Wirklich nicht. Ähnlich sportlich könnte es beim Konzert von Mueveloreina werden, einem Trap/Techno/HipHop-Duo aus Valencia. Ein bisschen Italodisco-Feeling wird euch von Bruno Belissimo serviert, der allerdings nicht wirklich italienisch, sondern eher kanadisch ist und lediglich vom Soundtrack italienischer Horror- und Sci-Fi-Filmen wird.

Künstler, die es zum Glück noch gibt

Besonders gut ist das Eurosonic auch für "Ach toll, die gibt's noch?"-Momente. Bands, die schon vor ein paar Jahren mal im Kosmos der Musikentdecker rumschwirrten, dann aber leider aus irgendwelchen Gründen auch immer plötzlich verschwanden - nur um dann wieder im Line Up des ESNS aufzutauchen. Besonders gefreut haben wir uns so zum Beispiel über das belgische Trip Pale Grey, das uns Anfang 2013 mit dem Song "Seaside" den Sommer in den Winter holte und über den französischen Produzenten Rone, der 2012 mit Song und Video zu "Bye bye Macadam" beeindruckte - dass der damals nicht schon in den Olymp der Nischenmusik aufgestiegen ist, hat uns schon ziemlich gewundert, vielleicht klappt es ja jetzt.

Künstler für Fans von "Für Fans von..."-Künstlerbeschreibungen

Für jeden, der sich in der großen weiten Welt der Musik am allerliebsten über bereits Bekanntes orientiert, gibt es beim Eurosonic auch einiges zu entdecken, das man deutlich und ohne schlechten Gewissens mit bereits bekannteren Künstlern vergleichen könnte.
So solltet ihr Goss, einen Produzenten aus Kopenhagen, auf dem Schirm haben, wenn ihr schon auf die Musik von Ben Khan steht. Melissa Kassab, die Singer/Songwriterin, die zwischen Genf und Tripoli aufgewachsen ist, legen wir euch ans Herz, wenn euch Jack Johnson einfach zu männlich und Yael Naim zu sehr vom Radar verschollen ist. Die Berliner und Schützlinge von Olaf Opal (The Notwist, Naked Lunch) aka HOPE wiederum sollte jeder auf dem Schirm haben, der viel von Savages hält. Ein bisschen Babyshambles-Gefühl gibt es dafür von Iceage aus Kopenhagen und die Equal Idiots haben nicht nur besonders gute Chancen auf den ersten Platz des besten Bandnamens beim ESNS, sondern schwimmen hervorragend weit vorne mit, wenn es um den Transport von Beach Boys-Nostalgie geht. Wild könnte es dann mit To the Door werden, die mit ihrem Klang Assoziationen mit der Rocky Horror Picture Show wecken.

Playlist: Diese Acts vom ESNS 2018 finden wir besonders spannend

Bildquelle: Unsplash | Andre Benz | cc by 2.0