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Feine Sahne Monchi & Max
Freitag, 19. Januar 2018, 07:00 Uhr

Monchi im Interview

Feine Sahne Fischfilet - die "linke Hass Band"?

Der Frontmann von Feine Sahne Fischfilet erzählt vom neuen Album, von Nazis in Mecklenburg-Vorpommern und davon, wie schön das Leben auf dem Land sein kann.

Max: Ihr wurdet als die gefährlichste Band Vorpommerns bezeichnet. Monchi, wie gefährlich bist du wirklich?

Monchi: Keine Ahnung, wir waren jetzt die letzte ganze Woche unterwegs und ich glaube wir haben niemanden verletzt. Na gut, bis auf die Trommelfelle unserer Konzertgäste und meine eigenen Stimmbänder, weil wir halt so laut gespielt haben. Aber was tut man nicht alles für die Liebe zum neuen Album.

Max: Ihr habt gestern für 30 Leuten in einem Kaff im Saarland gespielt, wie kam es dazu?

Monchi: Wir sind im Moment auf Promo-Reisetour für die neue Platte von Sender zu Sender und die Leute fragen immer: „Wollt ihr da nicht abends noch hier oder da spielen?" und wir hatten eben kein Bock, wieder die großen Städte zu bespielen. Deshalb haben wir ein Überraschungskonzert im Wohnzimmer für einen unserer treuesten, beklopptesten Fans gegeben. Dieser Typ hat im Jahr 2017 von circa 60 FSF Konzerten nur drei oder so verpasst, total irre. Der fährt uns echt überall hinterher. Das war großartig, 30 Leute, seine Freunde und Familie, Freudetränen inklusive. So feucht fröhlich war das.

Max: Ihr fühlt euch auf dem Land aber auch nicht gerade fehl am Platz, oder?

Monchi: Das ist richtig, auch unsere Release Party haben wir bei uns zu Hause in Loitz gefeiert. Wir wollten was machen, dass auch wir als 14-, 15-Jährige abgefeiert hätten. Wir sind alle vom Dorf, in meinem gab es nicht mal einen Jugendclub. Hätte man mir damals erzählt, dass da eine Band kommt, die auch auf Rock am Ring spielt, dann wäre das natürlich der Knaller gewesen. Wir finden es geil, große Städte zu spielen, machen aber auch immer gerne solche Sachen.

Max: Ihr habt jetzt euren ersten, richtigen Proberaum?

Monchi: Wir hatten davor auch schon einen, aber den haben wir uns mit vielen anderen geteilt. Wenn man dann dort drei Stunden lang Zeit hat, gehen 30 Minuten fürs Aufbauen, 30 Minuten fürs Quatschen und noch mal 30 fürs Abbauen drauf. Deshalb haben wir uns jetzt nach zehn Jahren mit dem Support unserer Väter einen Eigenen Raum gebaut.

Max: Ihr euch eurer Heimat als noch recht verbunden?

Monchi: Wir veranstalten auch schon seit zwei Jahren unser Dorffest „Wasted in Jarmen". Da bietet dann der Opa unseres Bassisten Kutschfahrten an, wir machen ein großes Fußballspiel mit den ganzen Sportvereinen, die sich dann auch um den Ausschank kümmern. Da darf dann auch jeder mitmachen - bis auf die Nazis, die brauchen wir nicht. Wenn dann auch deine Eltern da noch neben der Bühne stehen, da bekommt man Gänsehaut. Da kamen das letzte Mal 3.500 Leute und Jarmen hat gerade mal 3.000 Einwohner.

Max: Leute probierten eure Release Party zu sabotieren, was war da los?

Monchi: Ja, die Nazis wollten unser „linkes Hasskonzert" verhindern. Es wurde versucht, den Vermieter einzuschüchtern, die haben sogar seinen Briefkasten hochgejagt. Außerdem gab es überall uns feindlich gesinnte Graffitis und die Stromkästen wurden schwarz weiß rot angemalt. Zum Glück hat der Vermieter sich aber nicht einschüchtern lassen. Wenn ein Hasskonzert dann so aussieht wie bei uns, mit Menschen, die sich in den Armen liegen, dann frag ich mich, ob die Welt nicht mehr Hass braucht. Es blieb dann ja auch alles recht friedlich. Uns war schon bewusst, dass da was passieren könnte. Wir sind ja ein Band, die polarisiert und auch mal ihr Maul aufreißt. So ist das halt nun mal in einem Bundesland, in dem 21% die AfD wählen, aber auch hier gibt es halt sehr geile Leute und für die machen wir sowas. Für die Kids, für die Eltern und für die alten Leute, die da gerne mit uns feiern.

Max: Was ist schlimmer, Punks die in der Tagesschau auftreten, oder Wutbürger, die sich drüber aufregen?

Monchi: Ach, das ist doch alles irrelevant, die ganzen Schubladen sind mir egal. In erster Linie sind wir auch keine Punks, sondern spielen Punkrock. Ich wurde damals auf dem Schulhof gefragt, ob ich Bock auf sowas habe. Ich konnte keine Noten lesen und auch kein Instrument spielen, hätte man mich gefragt ob ich Techno machen will, hätte ich auch aufgelegt. Von daher ist es uns echt egal, wenn sich da manchen aufregen müssen. Da fällt uns kein Ei aus der Hose.

Max: Werdet ihr nicht müde, immer euren Standpunkt vertreten zu müssen?

Monchi: Manchmal schon, auch wir sind mal müde. Auch wir machen mal Sachen, die nicht so geil sind - wir sind nämlich auch keine Helden. Da ist zum Beispiel auch viel Scheiße in meinem Kopf: Rassismus, Sexismus, etc., doch das man das auch mal reflektiert, darum geht es.

Max: Die drei schönsten Beleidigungen, die du dir anhören musstest?

Monchi: Feine Sahne Gammelfilet, Fein Sahne Walfilet, Stinkende Sahne Walfilet. Ach ja und „du fettes Schwein".

Max: Habt ihr euch wieder mit dem Verfassungsschutz versöhnt?

Monchi: Ja, wir haben uns für die Promo mit einem Obstkorb bedankt. Aber man muss sich das mal überlegen: Die haben in ihrem Bericht mehr geschrieben, als über alle Nazibands in Vorpommern zusammen. Mehr als über den NSU und die haben gemordet und Überfälle durchgezogen. Jetzt haben sie uns seit ein paar Jahren rausgenommen, genau so unbegründet, wie wir damals aufgenommen wurden. Aber das kümmert uns jetzt nicht mehr.

Max: Bist du ein Rauschmensch?

Monchi: Ich bin ein Mensch der Extreme: Wenn ich Ruhe brauche, dann total - netflixen, ostseeliegen, das ganze Programm. Aber wenn ich saufe, dann hammerhart. Ich würde mir jetzt nie einfach nur ein Bier bestellen. Deshalb auch das Lied: „Ich mag kein Bier, sondern nur das Besoffensein". Das ist genau wie mit der Band, denn wenn wir auf was Bock haben, dann ziehen wir das auch zu 100 Prozent durch.

Max: 2015 bist du knapp einem Attentat entgangen.

Monchi: Ja, gemeinsam mit der Organisation „MV für Kobane" haben wir Hilfsgüter direkt an die türkisch-syrische Grenze gebracht, um vor Ort Flüchtlingen helfen zu können. An dem Ort in der Stadt Suruc, an dem wir uns treffen wollten, gab es mittags um 12 ein schlimmes Attentat mit 31 Toten. Fünf Minuten später trafen wir ein und standen plötzlich zwischen Leichen. Darüber handelt auch der Song Suruc vom neuen Album. Ich mein, wir fahren nach vier Tagen dort wieder auf Gold gebettet zurück nach Deutschland, während die Leute dort im Kampf zurück bleiben.
Besonders schlimm, war es dann auch wieder zurück nach Deutschland zu kommen. Zu dem Zeitpunkt war gerade Pegida ganz groß und zehntausende gingen auf die Straße um gegen Muslime zu wettern. Dabei waren es ja absurderweise Muslime, die da unten als erstes abgeschlachtet wurden.

Das Interview mit Monchi von FSF zum Nachhören