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Montag, 22. Januar 2018, 00:00 Uhr

Die Sache mit der saisonalen Ernährung

Vielfalt durch Verzicht

Tomaten im Winter. Weintrauben im Sommer. Ist doch ganz normal, oder? Wir zeigen euch, warum es das eben nicht ist und geben viele gute Gründe für eine saisonale Ernährung.


Es ist Januar, aber da steht sie, die Box voller reifer roter Erdbeeren. Das ist schon verlockend, aber wenn man sich die Geschichte dieser Beeren vorstellt, gezüchtet und hochgedüngt in einem Gewächshaus in Ägypten oder Marokko, verladen in Kühlakkus auf das nächstgelegene Frachtschiff und tausend Kilometer in diesen Supermarkt geschippert, dann freut man sich doch schon sehr auf die selbstgepflückten Erdbeeren im Sommer.

Ja, wer saisonal einkauft, kocht und isst, der muss verzichten können. Das muss nichts Negatives sein, schließlich ist man so gezwungen kreativer und ausgewogener in der Küche zu arbeiten. Im Winter kommt dann statt des Standard-Eisbergsalats Feldsalat auf den Tisch und es wird wieder mehr mit Kohl und Champignons gekocht. 
Auch der Geldbeutel wird bei saisonalen Einkaufstouren geschont. Tomaten kosten im Winter mehr, weil sie entweder im Treibhaus hochgedüngt oder importiert wurden. Kauft man allerdings zur Erntezeit, dann herrscht ein Überangebot an frischer Ware, die deshalb günstiger angeboten wird. 

Saisonalität heißt in den meisten Fällen außerdem auch gleichzeitig Regionalität. Wenn man sich bei der Essenswahl an der Saison orientiert, gibt es keinen Grund, importiertes Obst oder Gemüse zu kaufen. Das fördert natürlich Kleinbauern, die so ihre Waren besser absetzen können.

Saisonal pflanzende Bauern können, in den meisten Fällen, auf Treibhäuser verzichten und einen reinen Freilandanbau betreiben, das spart nicht nur Wasser und Energie, sondern kostet den Bauern auch noch weniger, da er nicht so viel düngen muss.

Davon profitiert auch der Konsument. Obst und Gemüse aus Freilandanbau ist reicher an Vitaminen und Aromen, schmeckt also auch besser.

Einen guten Überblick wann ihr was essen solltet, bietet dieser Saisonkalender für Gemüse, Obst und Salat. 

Mit gefrorenem Obst durch den Winter

Ein großes Problem, das sich bei dieser Art zu essen stellt, ist der Vitaminmangel im Winter. Um trotzdem gut durch zu kommen, ohne Obst kaufen zu müssen, das schon tausende Kilometer aufm Buckel hat, sollte man im Sommer im Voraus planen.

Viele Obstsorten lassen sich wunderbar einfrieren. Hier die Vorgehensweise im Schnelldurchlauf:

  1. Am besten erntefrisches Obst verwenden
  2. Obst schnell einfrieren (vorkühlen und Gefrierschrank auf Schockfrosttemperatur stellen)
  3. Langsam auftauen lassen
  4. Profit

Besonders gut geeignet dafür sind Beeren, Trauben und Kirschen. Größere Früchte wie Äpfel oder Birnen lassen sich auch als Mus oder Püree einfrieren. Allerdings gibt es auch einige Obstsorten, die nicht eingefroren werden sollten, zum Beispiel Bananen und Wassermelonen.

TomTato wm Jonas Ingold

Eine klassischere Methode Obst haltbar zu machen ist das Weiterverarbeiten zu Marmelade oder Saft. Hier gehen zwar mehr Vitamine verloren, aber gut schmecken tut es trotzdem.

Um sich den saisonalen Konsum einfacher zu machen, kann man sich eine Ökokiste bestellen, die gibt’s in fast jeder Stadt. In diesen Kisten bekommt ihr individuell zusammenstellbar regionales und saisonales Obst und Gemüse direkt vor die Haustür geliefert.

Eine weitere coole Möglichkeit an saisonales Gemüse zu kommen, bieten viele Bauern. Die vermieten oftmals die Ränder ihrer Äcker, die sie nicht mit ihren riesigen Erntefahrzeugen bestellen können.
Für etwa 50€ im Jahr könnte ihr euch ein solches Stück Acker mieten und euer Gemüse selber anbauen. Der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen, weil ihr euer Feld nicht einmal selbst bewässern müsst. Wer hat denn bitte noch nicht davon geträumt, seine eigenen Tomoffeln anzubauen?


Bildquellen: "Patch of Farmland" von Dylan de Jonge | Unsplash
"TomTato" von Jonas Ingold (LID) - öga 2014 | wikimedia | CC BY-SA 2.0