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officenightmare
Mittwoch, 24. Januar 2018, 00:00 Uhr

Karriereausstieg

Hinschmeißen. Umdenken.

Es kann so schnell gehen und ehe man sich versieht, findet man sich in einer trostlosen Arbeitswelt wieder. Was tut man dann? Aussteigen? Wie das aussehen könnte und wer dabei hilft, haben wir mal zusammengeschrieben.

Zuerst ist man noch ein Teenager und malt sich lebhaft aus, was das Berufsleben wohl alles für einen bereithalten wird: lohnende Aufgaben in aufregenden Städten mit Kollegen, die man gern hat. Doch ein, zwei Mal nicht aufgepasst oder unglücklich entschieden, die falsche Ausbildung, das falsche Studium, der falsche Arbeitgeber und Zack Bumm, schon hat man den Salat.

Großraumbüro, die trägen Augen schmerzen vom stundenlangen Excel-Tabellen beobachten, das unbequeme Hemd klamm vom Schweiß und auch der vierte kräftige Kaffee können einen nicht aus diesem Albtraum aus Sichtbeton und großen Glasflächen befreien. Ach ja, und der Boss erst. Der Boss ist sowieso ein selbstsüchtiger Tyrann, dem mal die Meinung gegeigt gehört. Also wenn heute irgendwann mal noch kurz Zeit bleibt, immerhin müssen die Kampagnenziele erreicht werden und die Kennzahlen müssen sowieso stimmen.

Aber irgendwie muss die Kohle für die Miete, der zu kleinen, zu teuren Wohnung ja reinkommen, in der man sowieso kaum Zeit verbringen kann, weil man ständig auf Arbeit ist, um sich die Miete leisten zu können.
Warum lassen wir uns denn eigentlich noch systematisch krank arbeiten und nehmen in schlimmen Fällen sogar einen Burnout in Kauf? Mittlerweile häufen sich die Studien über die Gefahren von Stress am Arbeitsplatz und fördern Nebenwirkungen (psychischer als auch körperlicher Zerfall) zu Tage, wo hingegen die ein oder andere Drogensucht fast wie ein entspanntes Urlaubsprogramm wirken mag.

Es ist ja nicht so als würden wir noch in der Nachkriegszeit stecken, Trümmer hin und her karren und uns darum sorgen genug Kartoffeln auf den Teller zu bekommen. Mindestens für einen Großteil der Bevölkerung ist heute eine Grundversorgung mit allem Nötigen nämlich gegeben. Doch hier die Krux: Für welche Extra-Dinge, die ich eigentlich nicht brauche, schiebe ich Überstunden in einem Job, den ich verachte? – Eine solche Selbstreflexion scheint so langsam die Runde zu machen.

Diese Sehnsucht, dem müßigen Arbeitsalltag zu entflüchten wird von TV-Sendungen wie Goodbye Deutschland gerne gefüttert. Da gibt es den unbeholfenen Alman, der recht naiv versucht ein Bananenkaffee auf Bali aufzumachen und scheitert, oder eine Brotback-Ranch in den USA oder whatever.
Es gibt aber auch realitätsnahe Exit Möglichkeiten. So bietet die Agentur escape the city tatsächlich überarbeiteten Menschen Hilfe beim Aussteigen aus der Karriere an.



Das sehr zu empfehlende Printmagazin und Online Medium transform nimmt sich dem Thema der alternativen Erwerbsgestaltung ebenfalls an und bietet schlau formulierte, kritische Kommentare von ehemaligen Redakteuren, die an der einen oder anderen Stelle der Berufswelt Handlungsbedarf sehen.

Glückliche Erfahrungsberichte von Menschen, die ihren Mut zusammen nahmen und einen Schlussstrich zogen, gibt es zu Haufe. Erst vor kurzem sprachen wir noch mit Toby aus Regensburg, der sich schon während seiner Zeit als stark eingespannter Mediengrafiker klammheimlich um Plan B kümmerte. Er sammelte über einen langen Zeitraum alte Möbel in einer Garage mit dem Ziel, sie irgendwann mal in seiner eigenen Kneipe unterzubringen. Jetzt ist er stolzer Besitzer des Café Couch - und vorallem glücklich.

Selbst der vermeintliche Traumjob des Fußballprofis und Nationalspielers, erfüllt nicht jeden. Die Aufregung war groß als Marcell Janßen im besten Fußballer-Alter von 29 Jahren erklärte keinen Bock mehr zu haben, und sich jetzt seiner Vorliebe für Start-Ups kümmern zu wollen. Rudi Völler sagte: „Der hat den Fußball nie geliebt", ja danke Rudi, das ist dann halt deine (kurzsichtige) Meinung.

Um die Sache hier schön mit Pathos auslaufen zu lassen: Manchmal besteht der Sieg darin zu wissen, dass man aufgeben muss.


Bildquelle: Farraline Park | Dave Conner | flickr | CC-BY 2.0