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Donnerstag, 19. Dezember 2013, 07:00 Uhr

egoBlog: All you need is Gipfelbeat!

12.-15. Dezember 2013, Saalbach-Hinterglemm

Zum zwanzigsten Mal fand dieses Jahr das Rave on Snow statt. Unsere treue Hörerin Kathrin Lucia aus München war dort und hat ein paar Eindrücke von der Partypiste mitgebracht.

Wenn der Schnee auf der Alm einfach weggetanzt wird und als Schweinchen verkleidete Raver per Plastiktüten-Untersatz den Schattberg-Hang im österreichischen Saalbach-Hinterglemm runterrodeln, dann ist klar, es ist wieder soweit: Rave on Snow, das größte europäische Winter-Techno-Festival, steht an. Und das in diesem Jahr in der zwanzigsten Ausgabe, was der Festival-Wettergott glatt mit Sonne pur und feinem Schnee belohnt.

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Chris Liebing auf der Dorfplatz-Bühne in Saalbach


Zum Jubiläum ließen sich die Veranstalter beim Line-Up nicht lumpen: Sven Väth, Extrawelt, Chris Liebing, Oliver Koletzki, Aka Aka feat. Thalström,Matthias Tanzmann, Andhim, Felix Kröcher,Tiefschwarz, Format B, Wankelmut und K-Paul standen neben über 60 weiteren Tops-DJs in zwölf verschiedenen Locations an den Konsolen – vom Dorfplatz in Saalbach bis zur Almhütte auf dem Schattberg.

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Einer der letzten seiner Art: „Babba“ Sven Väth, der noch immer mit der guten alten Vinyl auflegt [© Nicolas Hirschmann]


Zum Festivalauftakt Donnerstagnacht holte man sich mit „Babba“ Sven Väth auch gleich mal einen der szenenältesten Hasen auf die Bühne der mit Schneeflöckchen-Deko behangenen Tennishalle in Hinterglemm. Zu Recht regte sich da etwas Unmut auf der Festival-Facebook-Seite, einen der Headliner schon am Donnerstag auflegen zu lassen. Und überhaupt! Immer sind die besten Gigs gleichzeitig! Wo soll man denn bitteschön hingehen wenn AKA AKA feat. Thalström und Tiefschwarz parallel in verschiedenen Locations zu Gange sind? Aber nun ja, da verhält es sich wie auf allen anderen Festivals und so ganz allgemein im Leben: Man muss Prioritäten setzen. Und die setzen wir diesmal bei AKA AKA, dem saarländisch-emdener Duo aus Berlin, die zusammen mit ihrem trompetenden Partner Thalström einen gewohnt – aber eben so gar nicht gewöhnlichen – energiegeladenen Auftritt im „Centercourt“ bieten. Die Jungs wissen, wie man das Publikum sowohl musikalisch als auch performancemäßig mit vollem Körpereinsatz zum Ausflippen bringt. Wenn auch bei dem zweistündigen Set recht viel Kräuterschnaps dran glauben und der DJ-Kollege den ein oder anderen sanften Schlag ins Gesicht verkraften muss.

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Gänsehaut pur mit Aka Aka & Thalström


Nun kommt bei so einem Festival im Schnee auch die Bequemlichkeit dazu, dass man – einmal in einer warmen, gemütlichen Location gelandet – so schnell keine Lust hat, wieder rauszugehn in die klare aber doch recht kalte Bergluft. Immerhin fahren zwischen den Festivallocations in Saalbach und Hinterglemm regelmäßig Shuttlebusse. Diverse Busfahrten unter Technobeschallung erweisen sich dabei als so unterhaltsam, dass man auch mal freiwillig ne Extrarunde im überfüllten Bus verweilt, nur weil der Beat gerade so geil ist. Oder weil man dort endlich mal sitzen kann. Denn Sitzmöglichkeiten will man den Ravern auf dem gesamten Festival nicht so wirklich gönnen. Und das, wo sich viele nach einem Tag auf der Piste und darauffolgendem mehrstündigem Abdancen kurzzeitig nichts mehr wünschen, als mal eben zehn Minuten zu chillen. Der ein oder andere kommt da vielleicht auch in Versuchung, sich mit anderen Dingen als Energy Drinks zu pushen. Zumindest hagelte es während der verstärkten Polizeikontrollen während des Festivals, bei der mehr als 370 Fahrzeuge und über 1.000 Personen kontrolliert wurden, jede Menge Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz.

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andhim auf der Schattbergalm




Uns reicht ein Energy-Drink und die fast schon unwirkliche Bergkulisse auf der Schattbergalm, um am Samstagmorgen ab elf Uhr mit Domenic Dagnelli & Animal Trainer, Matthias Tanzmann und Andhim („Boy boy boy“) auf Elektro-Wölkchen zu schweben. Um uns herum sonnenbebrillte Gesichter, die nach wenigen Stunden Schlaf oder einer komplett durchfeierten Freitagnacht müde aber glücklich die Alm bespringen. Musste die Party in den letzten Jahren einige Male wetterbedingt auf den Dorfplatz verlegt werden, so ist die Freude in diesem Jahr umso größer. Allerdings ist für das Gipfelset früh aufstehen angesagt. Auf der gar nicht schattigen Schattbergalm gilt zum Festival „First come, first serve“ bzw. Skifahrer und Boarder vor Fußgängern, wer zu spät kommt und ohne Skiausrüstung ist, hat leider verloren. Aus Sicherheitsgründen haben die Veranstalter das Kontingent für die Gipfelparty limitiert, immerhin aber seit diesem Jahr eine Ersatzparty im Bergstadl organisiert.

Während also Samstagnachmittag von den Bergravern viele noch gar nicht im Bett waren, strömen die Langschläfer langsam schon wieder Richtung Dorfplatz, wo ab 14 Uhr unter anderen Gloria Game Boyz, Hanne & Lore, Oliver Schories und zum krönenden Abschluss Felix Kröcher das Dorf beschallen.

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Felix Kröcher am Dorfplatz

Zum Aufwärmen und Hinsetzen zwischendurch geht’s auf eine „Geile Nuss“ in die Schwips-Bar, wo die DJs mit einer Leiter auf die Mini-Bühne direkt über der Bar klettern und der Name Programm ist.

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Blick über den Dorfplatz mit der DJ-Kuppel der Schwips-Bar (rechts)

„Große Dinge fangen meistens ganz klein an. Und auch die Geschichte von RaveOnSnow beginnt mit einer guten Idee und ein paar Freunden. Sie alle liebten das Boarden und auch das Feiern danach – doch Après-Ski mit Musikkonserven im Ballermann-Style war so gar nicht ihr Ding“, schreiben die Veranstalter anlässlich des Jubiläums. So wurde 1993 das erste kleine Schnee-Rave-Festival – damals noch in Sölden – auf die Beine gestellt. Mit anfangs 50 Gästen. 20 Jahre später sind es rund 10.000 Rave- und Schneeliebhaber aus ganz Europa, die zum Jubiläum nach Saalbach-Hinterglemm pilgern. Die meisten davon, wie auch wir, auf der Suche nach dieser ziemlich einmaligen Kombination aus Party, Pisten und feinster elektronischer Musik.


Bilder und Text mit freundlicher Unterstützung von Kathrin Lucia Meyer.