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Donnerstag, 15. Mai 2014, 14:00 Uhr

15 Dinge von heute, die wir morgen vermissen werden

Heute war alles besser

Dinge, die wir aus den 90ern vermissen, Kultobjekte aus der Kindheit oder Sätze, die wir heute über damals sagen - die Vergangenheit war einfach besser. Zum Seufzen. Wir zeigen euch heute mal, was wir morgen vermissen werden.

Das Hier und Jetzt ist in unserer Gesellschaft per se uncool. Viel lieber erinnern wir uns romantisch-verklärt an alte Zeiten zurück. Zeiten, in denen wir Dinge viel bewusster getan haben. Wie eben Musikhören. So kommt der Klang einer lieblosen MP3 bis heute nicht an den einer warmen Vinyl heran. Doch was ist eigentlich in zehn Jahren? Welchen Dingen werden wir dann nachtrauern? Wir versuchen uns an einer völlig subjektiven Liste. 


#01 Magazine und Zeitungen. Kennt ihr dieses Gefühl an den Fingern, nachdem ihr eine Zeitung komplett durchblättert habt? Irgendwie schmierig, irgendwie eklig, aber doch auf irgendeine Art und Weise fantastisch. Und dann dieser Geruch... Oder stundenlang verträumt durch ein Magazin blättern. Herrlich. Vergesst es aber am besten jetzt schon. Denn das Papiersterben ist schon lange im Gange, alles findet mittlerweile online statt. Ihr könnt euch also vorstellen, wie es um Zeitungen und Magazine in der Zukunft steht. Und wenn es erstmal so weit ist, ist das Geheule groß.


#02 Cola. Es dauert nicht mehr lange, da wird dem Gesundheitsministerium etwas auffallen: "Hey, Cola schadet möglicherweise der Gesundheit. Wir sollten sie eventuell komplett verbieten. Hat ja bei der Zigarette auch funktioniert." Die Produktion wird eingestellt und übriggebliebene Dosen werden auf eBay oder dessen noch viel sozialerem Nachfolger Millionen wert sein. Und Kippenstummel erst. Vielleicht solltet ihr schonmal mit Bunkern anfangen.

[Genauso übrigens wie Club Mate. Die wird zwar nicht vom Markt verschwinden, allerdings ist sie viel zu kommerziell für uns geworden sein. Irgendetwas musste die Cola ja ersetzen.]


#03 Netzfreiheit. Gerade bekommen wir den Anfang von etwas mit, das Internetaffinen gar nicht gefällt: Das Netz wandelt sich nach und nach von einem virtuellen und kreativen Abenteuerspielplatz zu einer kontrollierten Ganztagsschule. Jeder Ausflug wird arkribisch dokumentiert. Mit wem hast du Kontakt? Was machst du mit deinem Taschengeld? Und wie hast du dir die komplette Staffel von Breaking Bad anschauen können, bevor sie überhaupt in Deutschland ausgestrahlt wird? Genießt die letzten Züge der Narrenfreiheit. Es wird sie nicht mehr lange geben.


#04 Smartphones. In einigen Jahren werden wir alle möglichen Chips in unserem Körper tragen, mit denen wir nicht nur bezahlen, sondern auch kommunizieren können. Spätestens dann werden wir die riesigen, unhandlichen Teile vermissen. Womit soll man nun sein Bier öffnen? Tiefgründige Fragen, die es noch zu beantworten gilt. Dem Post-Post-Hipster wird es damit am schlechtesten ergehen: Wie soll er mit seinem Gadget angeben, das man nicht mehr sieht? Ah!


#05 Kopfhörer. Wir würden gerne nochmal auf das Thema "Chip unter der Haut eingehen". Die sind ja schließlich für vieles auf einmal gut. Und warum sollten wir uns später noch über verknotete Kopfhörerkabel aufregen, wenn wir den Klang unserer Musik auch ganz einfach direkt im Hirn haben könnten? Klingt doch gut. Allerdings werden wir dann auch nie wieder diesen Glücksmoment erfahren, wenn unser MP3-Player aus der Hand rutscht und droht, auf dem Pflaster in alle Einzelteile zu zerschellen - aber von den Kopfhörern wie ein Bungee Seil drei Zentimeter vorm Boden gerettet wird.


#06 Unerreichbarkeit - oder auch: Den Frieden nach der großen Unruhe nachdem der Akku leer ging. Smartphones werden nämlich dreißigtausend Stunden Saft haben oder sich durch die Erfindung des Perpetuum Mobiles selbstaufladen ODER eben von Chips unter der Haut abgelöst, die sich durch die Körperwärme oder Blutströme selbstaufladen. Wasauchimmer.


#07 Das unbeschreibliche Hochgefühl, wenn eine CD, die man sich im Plattenladen nur wegen des schicken Covers gekauft hat, auch noch grandios klingt. CDs stehen nach Vinyls mittlerweile nämlich auch auf der Roten Liste.


#08 Die gute alte Tanke. Eine rettende Insel, ein Kleinod der Nacht, wenn alles andere geschlossen hat, wir aber trotzdem noch ein Bierchen brauchen. Oder denk mal an den Valentins-, oder Muttertag – auf Blumen von der Tanke ist einfach Verlass. Auch in letzter Sekunde. Warum es die Tanke später nicht geben wird? Das liegt ja wohl auf der Hand. #perpetuummobile


#09 Ein Musikentdecker zu sein. Denn: warum sollten wir so wahnsinnig viel Zeit darin investieren, die Blogs und Soundcloud-Profile dieser Welt auf der Suche nach neuen Songs zu durchforsten, wenn wir gute Tracks einfach in diverse Apps ziehen können und die uns dann ähnliches ausspucken? Somit geht auch der Stolz flöten, gerade - sei es nach langem Suchen oder purem Zufall - den Lieblingstrack für die nächsten Wochen entdeckt zu haben.


#10 Schorf. Wenn wir erstmal mit unseren supersicheren Magnet-Elektro-künstlich-intelligenten-Fahrrädern/ -hoverboards durch die Hood dümpeln, werden wir die Zeiten vermissen, in denen wir leichtsinnig und freihändig in Schlangenlinien über löchrige Straßen schwebten, auf die Fresse flogen und uns deswegen regelmäßig Schürfwunden pflanzten. Trotz des Schmerzes gibt es doch kaum ein befriedigenderes Gefühl, als so einen ganzen Schorfstreifen langsam von der Haut zu ziehen.

Alles wird eben so furchtbar sicher sein. Wie Irre werden wir uns nur noch in gepolsterten Gefilden bewegen. Alles wird mitdenken. Läuft uns etwas vor die Reifen - unser Gefährt bremst. Entfernt sich unser Blick weg von der Straße - unser Gefährt schlägt Alarm. Schmeißen wir unsere Hände weg vom Lenker - unser Gefährt lenkt. Automatisch. Stattdessen bekommen wir alle zwei Minuten wegen Geschwindigkeitsüberschreitung einen elektrischen Schlag von unserem intelligenten Gefährt verpasst.


#11 Die Freude über eine selbsterstellte, perfekte Playlist. Weil unsere Speicherkarten so unfassbar groß sind und immer weiter wachsen, müssen wir uns nicht mehr stundenlang vorm PC den Kopf zermartern, welche Songs auf das Medium dürfen und welche nicht. Die einzelnen Songs verlieren so an Wert und werden gemischt mit ziemlich viel Scheiße, die wir nicht geladen haben, weil wir sie geil finden, sondern schlichtweg weil wir können.


#12 Das Glück, einen Stream auf einem ominösen Streamingportal zu finden, der sofort funktioniert und nicht lange laden muss. Der Kampf gegen die Streams wird nämlich von der Filmindustrie gewonnen - was auch nicht so schlimm ist, da uns dank des Wettkampfes der legalen Streamingportale für ganz, ganz, ganz wenig Geld schon eine riesige Mediathek zur Verfügung stehen wird.


#13 Gemütliche Konzerte mit unseren heißgeliebten, aber unbekannteren Künstlern. Gründe: Die kleinen gemütlichen Clubs verschwinden nach und nach, sterben aus. Gegen die Massenhaltungskonkurrenz kommen sie nicht an. Deswegen wird es nur noch Konzerte von Megabands geben, die sich das leisten können.


#14 Genauso wie handgemachter DJ-Sound rar wird - später bekommen wir per Knopfdruck vorproduzierten Kack aufgetischt.


#15 Echten Honig, Äpfel, Orangen, Nüsse. Die sind nämlich - neben vielen weiteren Obst- und Gemüsesorten - auf Bienen und deren fleißige Bestäubungsarbeit angewiesen. Und habt ihr schon vom Bienensterben gehört? Höchstwahrscheinlich. Aber macht ihr euch deswegen schon richtige Sorgen? Höchstwahrscheinlich nicht. Denn das Bienensterben ist so circa die zweitgrößte Umweltkatastrophe, die zwar in vollem Prozess ist, von der Regierung aber komplett ignoriert wird.

Würden wir uns jetzt ganz weit aus dem Fenster lehnen wollen, würden wir fast sagen, dass es sogar eine Verschwörung, beziehungsweise gewolltes Killen dieser lieblichen, hilfreichen Insekten ist. Moment: Welches Pestizid wurde gerade noch mal erlaubt, obwohl man ganz genau weiß, dass dadurch ganze Bienenvölker sterben? Ihr seht.


Ach Zukunft, heute war alles besser.


Bildquelle: Flickr, The Artificer "pitstop", under cc-license, some rights reserved