egoBlog
exitoya
Dienstag, 18. August 2015, 00:00 Uhr

Post-Festival Depression

Sinnlos. Ist doch alles sinnlos.

Die egoRedakteure sind momentan ziemlich traurig. Alle zusammen haben sie so circa 200.000 Freunde auf einmal verloren.

Zugegeben, die engsten Freunde waren es nicht. Genau genommen kannten wir sie nur für ein paar Tage, trotzdem hat jeder von uns sich an die ganzen Leute gewöhnt. Aber fangen wir etwas weiter vorne an: Die einen von uns waren beim Sziget, andere beim Highfield, Anna beim Øya und der ganze Rest der Redaktion beim Utopia Island Festival.

Jetzt fühlen sich alle ziemlich ernüchtert und trostlos. Bei der Konferenz ist uns aufgefallen, dass es uns jedes Mal so geht, wenn wir von einem Festival zurück in die eigenen vier Wände kommen. Dann ist alles ... na ja, halt viel zu leise, viel zu gesund, viel zu eng, viel zu sauber, viel zu ausgeschlafen und viel zu alltäglich. Um den einzig akkuraten Vergleich an dieser Stelle zu bringen: man fühlt sich, als hätte einem ein Dementor das ganzes Glück ausgesaugt.

Klar, irgendwo ist das ein ziemliches Luxusproblem. Auf einem Festival hat man halt irgendwie nur mit coolen, glücklichen Leuten zu tun. Für die meisten ist es auch gleichzeitig ein Urlaub, dementsprechend locker sind sie drauf. Alle sind hilfsbereit, geben dir Getränke aus, hören gute Live-Musik, sind interessiert am Gespräch und - selbst wenn es mal regnet oder doof ist - man macht das Beste aus der Situation.

Ein paar Tage danach ist man wieder von genervten Menschen umgeben, mit Kopfhörern im Ohr und allein in der viel zu engen U-Bahn.

Vielleicht hätten wir uns alle noch einen Tag oder eine ganze Woche frei nehmen sollen, um den Übergang von Festival zu Nicht-Festival besser hinzubekommen? Darüber denken wir jedenfalls gerade nach, weil Kollegin Lola das alljährlich nach dem Fusion Festival wohl so handhabt.

Dann könnten wir auch richtig ausnüchtern und zwar von allem. Wir könnten uns langsam vom Fast Food Overkill wieder an Nahrung mit Nährstoffen heranarbeiten. Dosen-Ravioli ... mit frischem Rucola und Parmesankäse? Vielleicht mal eine Cola "ohne". Wir könnten auch unsere gekauften Band-Shirts waschen und tragen und uns dabei die Fotos und Videos von den Konzerten anschauen.

Was uns auf jeden Fall akut gegen diese Post-Festival Depression hilft: Wir planen das nächste Festival. Außerdem gehen wir Konzert-Ticket-Shoppen. Ganz viel erzählen hilft auch, also gute Freunde anrufen und damit nerven, welche Band fantastisch war und wieso alle unbedingt mit auf das nächste Konzert müssen, die CD kaufen und so weiter. Und wir hören auch ganz oft diese Bands, die auf dem Festival richtig gut waren, weil uns das eben daran erinnert, wie toll alles war. Und wir lesen uns den Ticker vom Festival durch, immer und immer wieder.

Den Rest unseres Wehleides bekämpfen wir die Woche dann einfach heldenhaft mit ein paar Bier an der Isar.

 

#øya2015, it was a pleasure.

Ein von Anna Lou Lindener (@elefantterrible) gepostetes Foto am