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march21_paparutzi_fl
Montag, 23. Juni 2014, 00:00 Uhr

Meine Ex-Lieblingsband

und wie sie alles kaputt gemacht hat

Es ist ein bisschen wie in einer Beziehung: Man gibt gerne, man investiert, man liebt. Nur wenn sich der andere zu sehr daneben benimmt, ist irgendwann Schluss. Auch wir mussten uns schon von Lieblingsbands trennen.

Das "Liebeslied" der Absoluten Beginner müssen wir euch nicht mehr vorspielen, oder? Genauso ging's uns mit unseren Lieblingsbands. "Du hast deinen Schatz gefunden, ohne lang zu buddeln". Irgendwann hat es angefangen, mit einem Lied, das wir tagelang nicht mehr aus dem Ohr bekommen haben. "Voll erwischt, du Fisch zappelst am Haken". Wir haben die Platte(n) gekauft. Wir sind auf das erste Konzert gegangen. "Deine Ohren fühlen sich wie neugeboren". Wir haben wir die Stadien von Nette-Musik bis hin zu Ogott-sie-kommen-wieder-in-die-Stadt-ich-MUSS-dahin! durchlaufen und würden uns jetzt, ja, als Fan bezeichnen. "Unser Beat hat Boom gemacht, und es hat Zoom gemacht".

Nur wie gesagt, ein bisschen ist eine Bandliebe wie eine Beziehung. Sie beschert uns die glücklichsten Stunden, zaubert uns Schmetterlinge in den Bauch und bringt uns richtig ins Schwärmen. Aber es kann eben auch anders laufen. Manchmal entpuppt sich der Schwarm als absolute Niete, die es schafft, uns innerhalb kürzester Zeit richtig zu enttäuschen. Und damit ist das Ende besigelt: Wir trennen uns von unserer Lieblingsband.


Dominik (Moderator)
ollischukz►►► Olli Schulz.
Ein begnadeter Musiker, ein toller Entertainer, ein wunderbarer Moderator. Doch im April dieses Jahres kam alles anders. Eine großer dunkler Schatten legte sich auf mein Vorbild ohne Grenzen. Voller Vorfreude besuchte ich eines seiner Konzerte. Es schien alles wie immer. Aber der Schein trügte. Aus einem symphatischen Singer/Songwriter wurde ein cholerischer Wüterich: Weil zwei leicht angedüdelte Konzertbesucher vorn in der ersten Reihe ein störendes Remmidemmi veranstalteten, legte Olli Schulz nach Ende des Songs die Gitarre beiseite, stieg vor an den Bühnenrand und beschimpfte mit energischen Blick die beiden Besucher mit den Worten: "Ihr seid jetzt sofort still, oder ich hau euch in die ******!". Zweimal wiederholte er sich, bis er verärgert wieder auf die Bühne zurückkehrte. Nicht nur die Stimmung war für den Rest des Abends dahin, sondern auch meine Bewunderung für den Mann mit der Gitarre, der sich wohl öfter nicht unter Kontrolle hat. Trotzdem mag ich seine Musik immer noch gerne. [Bildquelle: Olli Schulz | Facebook]

Julia (Redaktion)
babyshambles►►► Peter Doherty.
Ich weiß selbst nicht warum, aber irgendwie fasziniert mich dieser Mann. Mit den Babyshambles habe ich ihn schon ein paar Mal live gesehen und weiß ja eigentlich, dass ich mich auf keine große Bühnenshow freuen muss. Bei seinem letzten Konzert in München wollte er seinen Fans sogar verbieten, mitzusingen: "Shhht, just enjoy the show!". Mit zwei zusammengekniffenen Augen lasse ich das eben noch als Rockstar- Attitüde durchgehen. Aber dann kam der Rock Im Park Auftritt 2014: Bei brüllend heißen 37 Grad warteten die Fans stundenlang vor der Bühne, bis endlich die Babyshambles kamen. Die betraten die Bühne und: Sagten nichts. Kein "Hello", kein "How Are You", kein "Nice To Be Here". Dann wurde ein Konzert runtergerotzt, bei dem die wirklich tollen Stücke ("Fall from Grace") gar nicht erst gespielt wurden. Nach fünf Campari-O, zwanzig Zigaretten und einer Dreiviertelstunde miserabler Konzertstimmung war Schluss. Ein "Goodbye", "See You Next Time", "Thank you so much" - Fehlanzeige. Ganz ehrlich: Live kann man sich diese Herrschaften getrost sparen. [Bildquelle: Babyshambles | Facebook]

Sebastian (Musikredaktion)
benhoward►►► Ben Howard.
„Every Kingdom“ hab ich damals rauf und runter gehört, finde die Platte auch heute immer noch geilomeilo. Aber seit seinem Auftritt auf dem Hurricane 2013 hat sich das alles etwas gedreht … bin immer noch leicht sauer. Nicht nur, dass er viel zu spät auf die Bühne kam, als letzter Act am Samstagabend. Er war auch ziemlich angetrunken (ich glaube wegen einer Pre-Party mit den Maccabees, bin mir aber nicht mehr 100% sicher, was er genau versucht hat zu sagen), hat dementsprechend gesungen und gespielt und hatte zusätzlich auch noch technische Probleme.
Zugegeben, für den Regen und auch für die viel zu lauten Jungs von Deichkind nebenan UND für das nervenden Pärchen mit Designergummistiefeln hinter mir konnte Ben selbst nix, aber das saukurze und schlechte Konzert hat halt trotzdem einen echt miesen Beigeschmack hinterlassen. Ich hör den ab jetzt jedenfalls nur noch auf Platte. [Bildquelle: Ben Howard | Facebook]

Corbinian (Praktikant)
paulkalkbrenner►►► Paul Kalkbrenner.
Mit süßen 16 Jahren erreichte auch mich der "trendige" Paul Kalkbrenner Film Berlin Calling und elektronische Musik bewegte sich auf einmal immer weiter Richtung Mainstream. Vorher gab es für mich nur Musik mit Gitarren oder alternativ vielleicht noch Rap und dann auf einmal so etwas! Das steht ein Typ am DJ-Pult dreht an ein paar Knöpfen, hackt irgendwas in seinen Laptop und auf einmal kommen da die abgefahrendsten Sounds raus. Angefixt von diesen eingängigen und melodiösen Tech-House-Tönen war ich natürlich sofort Fan. Als ich den Kalbrenner dann letztes Jahr zum ersten Mal live "bewundern" konnte, war ich schon schwer enttäuscht, als ich da nur einen Mann sah, der seine erfolgreichsten Songs von einem USB-Stick abspielt und dabei Kette raucht. Dankbar bin ich ihm totzdem, denn ohne ihn hätte ich vielleicht nie die großartige Welt elektronischer Tanzmusik für mich entdeckt. [Bildquelle: Paul Kalkbrenner | Press]


Magdalena (Praktikantin)
gentleman►►► Gentleman.
Meine Liebe zur Musik ist schon seit frühester Jungend extrem ausgeprägt. Weil sich die Türen von Clubs allerdings erst viel später für mich öffneten, habe ich in jungen Jahren angefangen, auf jedes Konzert zu gehen für das mein Taschengeld reichte. Das Faszinierende: Jedes davon war besser als das Gentlemen Konzert, auf das ich monatelang gespart hatte. Er kam zu spät und traf keinen Ton - das einzig Positive war, dass er schon nach einer Stunde aufhörte. An diesem Abend starb meine Liebe zu Gentleman - noch heute ein traumatisches Erlebnis. [Bildquelle: Gentleman | Press]




Bildquelle: March 21 | paparutzi | Flickr unter cc-Lizenz