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Mittwoch, 17. September 2014, 00:05 Uhr

Nachbarn: Friend-Next-Door oder Treppenhausterror?

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Sie nehmen die Post entgegen, leihen uns eine Knoblauchzehe und gießen unsere Blumen. Bestenfalls. Wie sieht's bei euch im Stockwerk aus?


Lola - moderiert die "Morgenröte"
Ich muss gleich mal dazu sagen: mein Haus ist was Besonderes. Ich kenne eigentlich jeden meiner Nachbarn. Das hat aber auch einen Grund. Wenn man einzieht, wird es gerne gesehen, wenn man ans schwarze Brett erstmal einen kleinen „Steckbrief“ hängt. Mit nem schicken Bild und einer kleinen Vorstellung. „Klingt spießig“ denken da sicherlich erstmal viele. Hab ich zuerst auch gedacht. Aber eigentlich ist das ziemlich großartig. Jeder kannte mich gleich mit Namen, und irgendwie hab ich mich gleich willkommener gefühlt. Außerdem gibt’s bei uns einmal im Jahr ein Sommerfest, die Hausverwaltung sponsert das Fleisch und das Bier, und die Hausbewohner machen Salate und Nachspeisen. Und der große Vorteil: Jeder hilft sich, wenn es mal ein Problem gibt. Als ich Dengue Fieber hatte, und mein Koffer einfach zu schwer für mich war, um ihn in den 5ten Sock zu bringen, hab ich nur bei einem der Nachbarn klingeln brauchen. Genauso wenn beim Kochen ein Ei fehlt, oder der Korkenzieher mal wieder spurlos verschwunden ist. Umgekehrt is es aber genauso. wenn meine Nachbarin sich den Fuß verknackst hat, dann gehe ich auch gerne mal mit einkaufen, oder bring Blümchen mit, wenn ich weiß, dass jemand Geburtstag hat.


Elise - moderiert das "Netz"
Ich kenne ALLE Menschen in unserem Haus. Da gibt es zwei uralte Damen, die schon seit 50 Jahren hier wohnen und die immer für einen netten urbayerischen Plausch aufgelegt sind und bei denen ich regelmässig klingele um sicher zu gehen, dass sie noch leben. Dann sind da zwei WGs, die immer meine Pakete und auch die halben Vodka- und Tequila-Flaschen der letzten Party für ihre eigenen Feste annehmen - da ist immer was los. Einen Jazzsänger haben wir auch im Haus, der uns jeden Grillabend im Hof was vorträllert. Es gibt ein Ehepaar mittleren Alters, die mir immer mit aller Hilfe (Zucker – Gießkanne – Wasserschlauch für den aufblasbaren Pool) beiseite stehen. Und mein bester Freund lebt mit  seiner Familie neben mir Tür an Tür. Einfach die perfekte Nachbarschaft!


Julia - tippt auf egoFM.de
Ich wohne erst seit kurzem in meiner Wohnung und hab noch nicht viele kennengelernt - leider. Bis auf das Ehepaar direkt unter mir - die sind zwar beide über 80 aber wahnsinnig schnuckelig. Vor unserer Einweihungsparty habe ich jedem Hausbewohner einen Piccolo vor die Tür gestellt mit der Info, dass es abends lauter werden kann - wer mag soll vorbeischauen. Um Punkt 19 Uhr standen die beiden auf der Matte mit einem Laib Brot und Salz - zur Einweihung. Nach drei Gläsern Spritz und ausgetauschten Lebensgeschichten (die waren bei ihnen länger als bei mir) sind wir nun beste Treppenhausfreunde. Hoffentlich kommen da demnächst noch mehr Hausbekanntschaften dazu - ich hab mir gerade erst Sticker für den Briefkasten bestellt, falls sich jemand mal was ausleihen mag. Abwarten!


Julian - kümmert sich um die Musik
Ich kenne meine Nachbarn nur vom Sehen (und dem Stöhnen einen Stock über mir). Alle sehr gießingerisch reserviert. Aber man grüßt sich freundlich auf dem Flur und leiht sich schon mal eine Bohrmaschine oder Zwiebeln untereinander aus und bewahrt Päckchen auf. In fremden Wohnungen war ich bisher aber nur einmal und auch das eher unfreiwillig. Blöde Geschichte, nun ja. Jedenfalls lagen die Pizzabrötchen und der restliche Mageninhalt (hauptsächlich Schnaps) eines Gastest irgendwann eine Etage tiefer auf dem Fensterbrett. Nicht die angenehmste Art bei jemandem um halb Eins nachts zu klingeln, mit Eimer und Lumpen in der Hand. Aber sie waren cool: „Ist doch jedem von uns schon mal passiert.“ Soso. Hab sie seither nie mehr gesehen, aber ich weiß, dass sie da sind, immer wenn der süße, süße Geruch von ihrwisstschonwas vom Fenster unten hoch in mein Zimmer zieht.


Lena - macht ein Praktikum
Ja ich gebs zu: Auch ich habe mich beim Einzug in meine Studentenwohnung nicht direkt bei den Nachbarn vorgestellt. Das wurde direkt bestraft, denn: Weil das noch in Stuttgart war und es dort die berühmte Kehrwoche gibt, lernten sie mich dann kennen, als ich in Jogginghosen, auf Knien und völlig entnervt das Treppenhaus wischte. Erst da stellte sich heraus, dass außer unserer WG das ganze Haus beim Dönerladen im Erdgeschoss beschäftigt war. Ob es an meinem aufopfernden Putzqualitäten lag, oder ob ich es doch noch geschafft habe einen sympathischen Eindruck zu machen, weiß ich nicht – fest steht jedoch: Seit dem Tag kostete jedes Gericht nur noch die Hälfte.



Bildquelle: Won't You Be My Neighbor | Johnny Ainsworth | Flickr unter cc-Lizenz