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Student's cheating book in Russian_Guillaume Speurt
Dienstag, 10. Februar 2015, 18:00 Uhr

Schummeln an den Unis

So spickt ihr analog

An immer mehr Unis werden Armbanduhren in Prüfungen verboten. Zu schwer lässt sich erkennen, ob es sich um eine normale Uhr oder um eine Smartwatch handelt, mit der man schummeln könnte. Aber wie haben wir eigentlich früher gespickt? Genau, analog. Und das geht so.

Damit eines klar ist: Wir wollen euch nicht zum Spicken motivieren! Schließlich soll ja was aus euch werden, und keiner möchte, dass ein Arzt an ihm rumdoktert, der sich durch die Prüfungen geschummelt hat. Aber jeder kennt doch folgendes Szenario:

Die Prüfungshochphase an den Unis (oder auch in der Schule), die Nerven liegen blank. Die Stunden bis zu den Prüfungen rasen viel zu schnell vorbei, es kommt Panik auf. In solchen Fällen klickt ihr erst mal auf unser Klausuren-Bingo und guckt, ob ihr euch wieder erkennt. Wenn euch die Tatsache, dass es Gleichgesinnte gibt, nicht beruhigt, dann greift ihr um Spickzettel.

Den gibt es nämlich immer noch. Digital oder analog. Und da digital immer schwieriger wird, zeigen wir (allen nach 2000 Geborenen) und erinnern wir (alle vor 2000 Geborenen) in folgenden zehn Punkten, wie das mit dem Spicken bei uns früher war.


#01 Die Schuhsohle
Super für sich selbst, aber auch für den Sitznachbarn. Bei hellen relativ ebenen Schuhsohlen kann direkt mit Kugelschreiber auf die Sohle geschrieben werden. Ansonsten muss ein Zettel befestigt werden. Sobald man schön bequem sitzt und unbeobachtet ist, kann man den Knöchel auf dem Knie ablegen und die Informationen ablesen. Oder ihr sprecht euch eben mit eurem Nachbarn ab, an dessen Schuhsohle ihr noch bequemer ablesen könnt.

#02 Die erlaubten Hilfsmittel
Formelsammlung, einsprachiges Englisch-Lexikon, BGB... es gibt diverse zur Prüfung zugelassene Hilfsmittel, die unauffällig mit Bleistift beschrieben werden können. Wer wird Seite 364 kontrollieren? Vielleicht einer unter Tausenden...Dann Pech gehabt, aber bei uns hat's immer funktioniert.

#03 Die Toilette
Falls es euch gelingt, auf die Toilette zu fliehen, könnt ihr dort euren in der Hosentasche deponierten Spickzettel in aller Ruhe durchgehen. Falls das Format Spickzettel nicht reicht, könntet ihr auch vorher größere Mengen an Unterlagen auf der Toilette deponieren. Achtet allerdings darauf, dass ihr euren Namen nirgends hinterlasst. Manchmal werden nämlich auch die Toiletten kontrolliert, und erklärt mal den Prüfern, warum eure Sachen da liegen.

#04 Das Lineal
Wir haben festgestellt, das Lineal war bei uns im Team damals besonders beliebt. Eine Kollegin hatte in der Schule ein Metall-Lineal, das superunauffällig in jedes Mäppchen gepasst hat. Dadurch, dass es Metall war, konnte man die Rückseite mit Bleistift beschreiben und - falls ein Lehrer unterwegs war - ganz schnell mit Spucke wieder abwischen. Es war auch super, um mit dem Nebenmann zu kommunizieren. "Darf ich mal dein Lineal haben" - hey, unauffälliger geht's kaum! Eine andere Kollegin beklebte die Rückseite des Lineals auf die gesamte Fläche mit Texten in Schriftgröße 5 gedruckt. Höheres Risiko erwischt zu werden, aber dafür passten mehr Satzzeichen drauf als mit Bleistift.

#05 Die Wasserflasche
Auch diese Art von Spickzettel stammt aus unseren eigenen Reihen und wurde bereits erfolgreich (wenn auch vor Jahren) umgesetzt. Man nehme einen silbernen Stift  und beschreibe damit eine Wasserflasche von außen. Solange das Wasser in der Flasche ist, sieht die Schrift so unauffällig ist, dass man sie nicht mal mit Anstrengung lesen könnte....Kippt man die Flasche aber so, dass das Wasser an der beschriebenen Stelle zurückgeht, kann man die silberne Schrift prima lesen. Auf der gleichen Idee basiert auch eine weitere Variante, die allerdings ein bisschen mehr Aufwand bedeutet. Dazu kopiert ihr zu Hause das Flaschen-Etikett und bedruckt die Rückseite mit euren Infos. Am besten ihr befüllt die Flasche aber mit einem etwas blickdichteren Getränk, damit der Druck nicht auffällt. Aber auch dann gilt wieder, Flasche kippen und Etikett-Rückseite ablesen.

#06 Federmäppchen
Ein wahrer Klassiker: Hinter Stiften und Radiergummis konnte man einen Spickzettel relativ unauffällig platzieren. Kalkuliert aber auch ein, dass das Verrutschen von Stiften Geräusche fabriziert und die Aufmerksamkeit der Prüfer auf dich lenken kann.

#07 Arme und Beine
Viele von uns kamen früher immer mal wieder mit vollgekritzelten Armen und Handinnenseiten von der Schule nach Hause. Einfach etwas langärmeliges zum Kaschieren anziehen und während der Prüfung ab und an vorsichtig hochziehen. Was die Beine betrift, zugegeben, Mädels haben es da etwas einfacher, vor allem im Sommer. Einfach einen Rock anziehen und beide Oberschenkel vollschreiben. Vom Lehrerpult aus wird man kaum unterscheiden können, ob du den Kopf gesenkt hälst, weil du auf deinen Prüfungsbogen schaust, oder knapp daran vorbei auf deine Oberschenkel schielst.

#08 T-Shirt und Laserpointer
Ok, das stammt nicht von uns. Aber es ist eine dieser Geschichten, die man über Freunde von Freunden gehört hat. Es funktioniert aber nur bei Multiple-Choice-Fragen. Stellt euch folgende Szenerie vor: Einer trägt ein T-Shirt, auf dessen Rückseite Zahlen und Buchstaben gedruckt sind. Zwei weitere Eingeweihte sitzen etwas versetzt eine Reihe dahinter und deuten sich mit einem Laserpointer gegenseitig die Ergebnisse hin und her: 1c, 2a, 3e, 4a,... Gut...Ok...eigentlich könnte man statt der Zeit, die man für die Vorbereitung braucht, auch einfach lernen.

#09 Kugelschreiber
Wir hätten damals gerne ein Start-up mit genau dieser Idee gegründet. Und wären jetzt reich. Vielleicht. Aber zu spät, den Spick-Kugelschreiber gibt es nämlich schon seit Ewigkeiten, und der hat eine in seinem Innenleben eine Papierrolle die an der Längsseite des Stifts unauffällig herausgezogen und beschrieben werden kann. Anschließend rollt man das Papier wieder auf und entrollt es erst in der Prüfung. Ob solche Dinger heute tatsächlich noch gekauft werden?

#10 Schulzranzen
Sie dienten in Schulzeiten oftmals dazu eine Blickbarriere zwischen zwei Tischnachbarn herzustellen. Konnte aber auch den gegenteiligen Effekt haben, da man je nachdem wo sich der Lehrer befand, auch ein idealer Sichtschutz war, um dahinter ganze DinA4-Seiten an Unterlagen auszutauschen.


Naja, und wenn ihr diesen ganzen Aufwand betrieben habt...Dann braucht ihr den Spickzettel vermutlich gar nicht mehr. Denn sobald man mal für sich selbst das Wichtigste zusammengefasst hat, hat man automatisch schon halb gelernt. Und wie habt ihr so gespickt? (Natürlich nur in Notfällen) Oder seid ihr mal erwischt worden? Schickt uns eure Erfahrungen gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Bildquelle: Student's cheating book in Russian | Guillaume Speurt | Flickr cc by 2.0