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Montag, 18. Mai 2015, 00:00 Uhr

Was ist dir Musik wert?

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Streaming-Dienste sind immer begehrter und Anbieter versuchen sich deswegen immer weiter zu unterbieten. Der Preis für Musik ist mittlerweile schon Spott. Und wir nehmen das dankend hin - während wir stolz mal eben 600-Euro für ein Smartphone raushauen. Irgendwas läuft da doch falsch.

Wir wollen haben, haben, haben und am besten nichts dafür zahlen. Gerade, was Filme, Serien und Musik betrifft, sehen es die wenigsten ein, sich das Zeug a) legal und b) für den vollen Preis zu besorgen. Es ist auch fast kaum mehr möglich, bei dem hohen Konsum, den wir haben. Die Folge von a) ist kostenloses Streamen oder illegales Downloaden. Für b) gibt's zahlreiche Streaming-Plattformen als Lösung, wie etwa Spotify für Musik und Netflix für Filme und Serien. Dort zahlt man nicht pro Film oder Song, sondern eine monatliche Pauschale. Gerade bei Musik rechnet sich dies enorm, immerhin hat man Zugriff auf Millionen von Songs - für gerade mal einen Zehner im Monat, das ist Wahnsinn. Selbst wenn man sich lediglich zwei neue Alben speichert hat man die Flat schon bestens genutzt.

Aber irgendwie hat es auch einen bitteren Beigeschmack: man hat den Künstler nicht wirklich unterstützt. Aber was soll man machen, man ist ja nicht Krösus und all die Platten und Songs, die man sich im Monat eigentlich kaufen müsste, würden mindestens um die 60 Euro kosten. Das ist einfach zu viel. Doch nun das Paradoxon: sich jeden Morgen vor der Arbeit einen Cappuccino kaufen für zwei Euro - das geht klar. Genauso merkwürdig ist es, dass wir uns über den Club-Eintritt von sieben Euro beschweren - dann aber das fünffache an einem Abend für Gin Tonic und Bier ausgeben. Dabei ist doch Musik genauso ein Gut wie ein Cappuccino. Oder ein verdammtes Paar Schuhe, von denen man eh schon drei ähnliche Exemplare im Schrank stehen hat.

Damals war das auch irgendwie noch anders. Da hat man sich mit ein paar Freunden zusammengetan, untereinander besprochen, CD Magazine durchblättert und ist dann gemeinsam in den Plattenladen gezogen, wo sich jeder ein Album gekauft hat. Zuhause wurden dann alle auf den PC gespielt, auf CDs gebrannt und an jeden Beteiligten verteilt. Bei dem Output, den es heute an neuer Musik gibt, bräuchte man schon arg viele Freunde - oder eben eine Streaming-Plattform, die quasi die Entwicklung des damaligen Prinzips ist. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Musik einem nicht gehört und man die Songs beispielsweise nicht einfach für einen Roadtrip auf CD brennen kann.

Ein guter Kompromiss zwischendrin wäre, dass man damit anfängt, sich zusätzlich zur Flat auch die besten Tracks und Alben zu kaufen. So könnte man die Streaming-Plattform für eine Art Probezeit für Musik benutzen - oft ist es ja auch so, dass man bestimme Songs nach ein paar Mal nie wieder hören kann. Wenn es das Lied über diese Zeit hinaus schafft und immer noch nicht auf den Nerv geht, kann man sich das schon mal leisten.

Gut. Die Frage "Wie viel ist euch Musik wert" lässt sich nicht so einfach beantworten und bietet auch viel Interpretationsfreiheit. Habt ihr eine Antwort parat? Dann schickt sie uns doch an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder postet sie an unsere Facebook-Pinnwand.