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oyafestival
Sonntag, 16. August 2015, 23:55 Uhr

So ist es auf dem Øya Festival

Das Festival im Ticker

Seit Dienstag sind wir auf dem Øya Festival in Norwegen unterwegs. Wie es so ist, erfahrt ihr hier...

Hi, Anna hier aus der egoRedaktion. Nicht On Air, nicht bekannt, stets im Hintergrund agierend. Und diese Woche auch überhaupt nicht im Sender. Ich wurde nämlich aufs Øya Festival in Oslo eingeladen (merkt ja eh keiner, wenn ich nicht da bin, ha) und darf hier norwegische Bands, die größten Legenden, sowie die interessantesten internationalen Acts begutachten. Wie es hier so ist, was ich hier so erlebe, erfahrt ihr alles dort:

+++ 11. August +++


10.40 Uhr Der Aufenthalt in Oslo beginnt schon mal mit einem riesen Spaß. Kurz nach der Landung verkündete die Stewardess nämlich aufgeregt (kein Scherz, ihre Stimme war tatsächlich freudig zittrig), dass wir nicht nur den vorderen Ausgang über den Arm in den Flughafen benutzen dürfen, sondern auch den hintereren, sie wiederhole, den HIN.TE.REN, direkt am Flugzeug vorbei. Klingt jetzt wahrscheinlich nicht so spannend, aber ich dachte mir na gut, probier ich eben den HIN.TE.REN Ausgang aus und tatsächlich: unspannend war es jetzt nicht. Direkt an der Turbine vorbeizugehen weckte zwar die Anfangsszene von LOST in meiner Erinnerung, aber wenigstens kann ich jetzt schon von einem Abenteuer berichten. Naja egal, auf zum Hotel.

11.00 Uhr Das Zugticket in die Stadt kostet 90 norwegische Kronen - mit Studentenrabatt. Ist das jetzt super billig oder echt teuer, wie rechnet man denn nochmal Kronen in Euro rum? Ich glaube ich habe 'nen guten Euro bezahlt. Passt.

11.35 Uhr Zehn. ZEHN! Ich habe ZEHN Euro für das Ticket bezahlt! Entweder hier ist wirklich alles viel teurer oder als Student zahlt man hier auch noch drauf.

12.00 Uhr Ankunft am Hauptbahnhof. Erstmal zum Hotel.

12.16 Uhr Bin im falschen Hotel. Auf zum richtigen Hotel (dahin zurück, wo ich her gekommen bin. LOL what can you do).

12.45 Uhr Im richtigen Hotel. Herrlich. Der Gedanke kommt mir, dass der Ticker bis jetzt herzlich wenig mit Musik zu tun hat. Naja. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hauptbahnhof zum Hotel zum richtigen Hotel habe ich ausschließlich FFS gehört. Die spielen zwar nicht auf dem Festival, ich mag aber ihre Musik. Gerade "Police Encounter". Es bereitet mir sehr, sehr viel Freude. Naja, egal. Im Zimmer angekommen habe ich erst mal den Computer angemacht, nur um mal eben zu checken, wie so die Pläne und das Programm aussehen. Netflix war noch geöffnet. Dachte mir, es könnte ja nicht schaden, mal eben kurz reinzuschauen - zugleich die Erkenntnis: SCHOCK SCHWERE NOT, aus diesem Hotelzimmer werde ich nicht mehr rauskommen. So viele gute Serien. Ganz andere als Daheim! Mein Hirn springt an, entwickelt sich zu einer bestialischen Rechenmaschine: Schaffe ich es zeitlich, mir all diese Serien während meines Aufenthalts in Oslo anzuschauen? Möglich, wenn ich jetzt sofort anfange und nicht mehr schlafe.. Aber Halt.. das Festival. Das Festival hat oberste Prio. Okay. Ich schaue nur mal eben kurz in eine Folge Party Down rein...

16.00 Uhr Puh. "Nur mal eben kurz eine Folge", my ass. Naja was soll's. Muss mich jetzt mit den anderen Delegierten (wie sie das hier so wunderbar nennen, als ob man wichtig wäre) treffen und danach schau ich mir ein paar norwegische Acts in der Stadt an.

19.55 Uhr Bin in einem Club gelandet, der zumindest ein bisschen wie die Schwabinger 7 wirkt - nur, dass das Publikum hier doch eher jung und hip ist. Habe leider den Namen vergessen, ich dachte, es wäre das Revolver, sieht auf den Fotos aber gar nicht danach aus. Eine Band spielt ziemlich aggressiven Highschool-Rock.

20.15 Uhr Wir gehen weiter ins Blå, das wiederum ans Muffatwerk erinnert, nur dass es eben viel, viel kleiner ist. Allerdings liegt es auch direkt am Fluß und hat einen schicken kleinen Biergarten. Wir essen Süßkartoffeln mit irgendeiner abgefahrenen Rosmarinsauce - verdammt lecker, aber halt doch eben 40 NOK wert. Daran, mir ein Bier zu kaufen, will ich momentan noch gar nicht denken. Im Blå spielt auf jeden Fall eine interessante Elektroband, Hilma Nikolaisen heißen die glaube ich. Echt gut.

21.00 Uhr Einar Stray Orchestra spielen vor dem Internasjonalen. Kann man sich mal anschauen, für meinen Geschmack wirken sie allerdings ein bisschen zu sehr nach Schülerorchester, ihre Musik tut aber keinem weh.

21:50 Uhr Auf zum Mono. Finde ich übrigens echt gut, diese Art von Prä-Festival-Programm. Man entdeckt fantastische lokale Acts, wird dabei durch die Clubs der Stadt gescheucht und so zum Sightseeing gewzungen quasi. Jetzt spielen auf jeden Fall Masselys im Mono und ich bin recht gespannt, weil meine Begleitung ziemlich begeistert von der Band ist. Hier gönne ich mir das erste Bier. 860 NOK - so in etwa 9 Euro. Autsch. Aber gut. Habe ja nicht vor, mich hier zu besaufen. Masselys fangen an und ich muss jetzt was sagen, auch wenn ich eigentlich vermeiden wollte, das zu sagen, weil es doch recht gemein ist, allerdings ist es notwendig, das zu sagen, weil ihr sonst eventuell meine Faszination für die Band nicht versteht. Also: die Sängerin sieht aus wie eine Streberin. So. Und das finde ich eben ziemlich abgefahren, weil es so überhaupt nicht mit ihren lasziven Bewegungen und ihrer Rocker-Görl-Attitüde einhergeht. Ihre Musik ist wild, abgefuckt und innovativ und - das Beste - bringt Gläser zum Zerbersten! Naja so quasi zumindest. Jemand hat nämlich sein Bierglas vor den Lautsprechern abgestellt und der doch sehr starke Bass hat es dann irgendwann über die Kante befördert und auf den Boden geschmissen. Eindrucksvoll.

 

#masselys im #mono in #oslo. fantastischsssst.

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23.45 Uhr Ich gehe zurück ins Hotel. Ich weiß nicht, ob ich mich selbst belüge, wenn ich sage, dass ich müde und fertig bin und nur noch eine weitere Folge Party Down anschauen will oder ob das wirklich der Wahrheit entspricht. Naja. Vier Folgen später bin ich auf jeden Fall eingeschlafen.

+++ 12. August +++


10.00 Uhr Ich ziehe in die Stadt, schaue mir jedes Eckchen an. Bin alleine, aber das stört mich absolut nicht. Ich kann also mein eigenes Gehtempo (schnell) und Sitzpäuschen (öfter) wählen. Kann mich verlaufen und muss mir keine Gedanken um das Wohlbefinden eines anderen Menschen machen. Hach.

15.00 Uhr Auf dem Festivalgelände. Das liegt übrigens in einem Park. Jede der Bühnen steht am Fuße eines Hügels, dass man auch von weiter hinten perfekten Blick drauf hat. Den Leuten ist das beim Øya Festival aber eher Wurscht, hier hocken sich die meisten eh ins Gras, gucken in den Himmel und lauschen nebenbei der Musik. Ich mache mich auf jeden Fall erstmal zum Hi-Fi Klubben Zelt, wo Shamir von Sondre Lerche interviewt wird. Echt ein niedliches Kerlchen - seine Stimme ist auch beim normalen Reden so hoch wie beim Singen. Ein bisschen schüchtern kommt er mir vor, obgleich seines sonst so starken, selbstbewussten Auftretens in den Medien. Vielleicht war er auch einfach nur etwas gelangweilt, richtig interessante Sachen wird er von Sondre Lerche nämlich nicht gefragt (Wann hast du angefangen Musik zu machen. Was ist deine erste musikalische Erinnerung. Wie schreibst du deine Songs. Pipapo, nichts, was man nicht auch schon in etlichen anderen Artikel über Shamir gelesen hätte).

15.44 Uhr Ich mache mich auf den Weg zu Låpsley, die für mich den sehr entspannten Konzertauftakt macht. Genau wie die anderen Besucher pflanze ich mich ins Gras. Tolles Konzert, ich mag Låpsley (aus Liverpool übrigens) wahnsinnig gerne - auf Platte allerdings noch ein kleines bisschen mehr, weil sie Live nicht so arg mit dem dunklen Filter auf der Stimme arbeitet und die Songs demnach nicht so melancholisch und trist wirken wie auf CD.

hagen 1

17.25 Uhr
Weiter zu Belle and Sebastian. Auch hier mache ich mir absolut keinen Erste-Reihe-Stress und hocke mich oben auf den Hügel, wo man perfekt sehen und hören kann. Auch hier bekomme ich wieder wahnsinnig große Gesellschaft mit den anderen Festivalgängern, kaum einer steht vor der Bühne. Im Vergleich zu der riesigen Tanzparty, die das Konzert beim Primavera in Barcelona war, ist das hier echt super entspannt - was auch Frontmann Stuart Murdoch das ein oder andere Mal anmerkt (viermal. Er hat es viermal während des Konzerts angemerkt, wie entspannt hier alle sind). Nichtsdestotrotz hatten sie denke ich schon viel Spaß, Murdoch hat so einiges getan, die Party in Gang zu bringen und hat sogar auf das allgemeine Crowd-Surfing-Verbot am Festival einen Scheiß gegeben. Kleiner Rebell.

hagen 2

18.42 Uhr
Mal eben zu Courtney Barnett schauen. Obwohl das Konzert schon voll im Gange ist, ist in der ersten Reihe immer noch total viel Platz - natürlich sitzen die meisten wieder im Gras. Das ist so abgefahren, wie entspannt hier alle sind. Ich bin so gespannt auf morgen, wenn Run the Jewels auftreten. Courtney Barnett gibt auf jeden Fall ziemlich viel auf der Bühne. Hach, ich mag die Fuck-This-Shit-Einstellung der Australierin. Courtney Barnett - Rockstar.

 

#courtneybarnett beim #øyafestivalen!

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19.15 Uhr Gemütlich geh ich zu Shamir. Vor der Bühne ist noch absolut nichts los, also hocke ich mich einfach mal ein paar Meter davor hin.

19:20 Uhr Shamir sollte jetzt eigentlich auftreten, aber irgendwie ist immer noch nichts los. Bin ich bei der falschen Bühne? Ne. Ich stelle mich ans Gitter in der ersten Reihe - und er kommt, jahaaa! Aber warum sind hier so wenig Menschen, sind die denn alle deppert? Shamir hat heuer ungefähr eines der besten Alben rausgehauen - ein mega Debüt! Ich stehe auf jeden Fall in der ersten Reihe und sehe es in meiner Verantwortung liegen, aktiv mitzusingen und zu tanzen, damit dieser süße, verschüchterte Bua ein gutes Gefühl hat. Irgendwie auch blöd, wenn ich mir das so überlege, aber das Konzert hat so zumindest richtig viel Spaß gemacht. Shamir kam dann auch irgendwann an den Wellenbrecher und hat mit den Leuten Händchen gehalten, ihnen den Kopf gestreichelt (meinen übrigens auch, hach. Ich werde nie mehr Haare waschen) und war einfach beim Performen absolut gar nicht mehr schüchtern. Fantastisches Konzert!



20.10 Uhr Caribou. Die erste Reihe ist schon wieder frei, obwohl das Konzert diesmal in einem Zelt stattfindet. Egal, ich mach mich vorne breit. Hier werde ich zum ersten Mal richtig mit meiner Urangst konfrontiert, alleine in einen Club zu gehen und zu tanzen. In dem Fall ist es kein Club, aber tanzen sollte bei Caribou schon drinnen sein, eben bei Shamir hat es ja auch funktioniert. Und eh - kein Ding. Dass ich solo unterwegs bin fällt in der Menge eh nicht auf. Meine Güte, Caribou ist aber auch echt so gut. Wenn es keine Grenze mehr zwischen Elektro und Metal gibt - so lassen sich seine Live-Performances am besten beschreiben. Caribou wird nämlich immer von einer ganzen Band unterstützt, die alles schön organisch live macht. Zudem gibt es gleich zwei Schlagzeuge! Zwei! Wisst ihr, wie ultragut das ist? Zwei Schlagzeuge. Jede Band sollte zwei Schlagzeuger haben. Vor allem, weil sie bei Caribou einander gegenüber stehen und sich die beiden gegenseitig hochspielen. Ja, fantastisch! Auch, wie sich Caribou freut, wenn er an seinen Reglern rumspielt. Wie ein Kind freut er sich, wie ein Kind. Ich hab so viel Spaß. Aber Mist - mir fällt ein, dass Sondre Lerche mittlerweile auch spielt und ich den unbedingt sehen wollte. Aber Caribou.. Caribou ist so gut.. Und ich habe einen perfekten Platz... Ach, ein bisschen kann ich schon noch bleiben.

21.00 Uhr Okay. Wenn ich Sondre Lerche wenigstens noch etwas sehen will, sollte ich langsam mal los gehen. Aber "Sun" fehlt noch, wird wahrscheinlich mal wieder der letzte Tracks und in Überlänge sein. Dafür aber auch ziemlich gut. Ich kann den Song einfach nicht verpassen. Vielleicht beeilt er sich ja auch diesmal.

21.20 Uhr Nope. Caribou hat "Sun" so an die 18 Minuten lang gespielt. Haha. Aber jetzt erst mal los zu Sondre Lerche.

21.23 Uhr Oh, oh, was ist denn mit Sondre los? Das sieht gar nicht gut aus. Sondre Lerche liegt nämlich am Bühnenboden. Die Band ist schon gar nicht mehr präsent, die Leute singen immer noch "Two Way Monologue". War wohl der letzte Song, Mist. Aber jetzt mal im Ernst: Warum liegt Sondre Lerche am Boden und warum zur Hölle stört das niemanden? Was ist passiert? WAS IST PASSIER?!?!?!? Ach, wurscht.

21.27 Uhr Kurzer Schlenker zu Foxygen. Drei Minuten angeschaut - taugt. Muss aber jetzt eher zu Chic feat. Nile Rodgers gehen. Das MUSS ich einfach. Vielleicht hocke ich mich auch hier entspannt ins Gras...

21.30 Uhr Ach, guckt an. In der zweiten Reihe ist doch tatsächlich noch was frei! Hervorragend!

23.00 Uhr Al.ter.Schwe.de - war das GUT! Ich fühle mich ein bisschen betrunken, wofür allein die Musik was kann, immerhin hatte ich keinen einzigen Schluck Alkohol. So viel getanzt haben wir. So viel gesungen. So viel gelacht mit Nile Rodgers. Er hat alles gespielt, jeden Klassiker und jeden Song, den er jemals produziert hat, auch "Like a Virgin", "Let's Dance" von Bowie und - natürlich - "Get Lucky". Letzterer war aber ziemlich emotional. Nile Rodgers senkte plötzlich die Stimme und erzählte davon, wie vor vier Jahren ein sehr aggressiver Krebs bei ihm entdeckt wurde. Er hat sich geschworen, noch so viele Konzerte wie möglich zu spielen und eine gute Zeit zu haben. So in etwa zu der Zeit haben ihn auch Daft Punk angeschrieben. Die Leute hielten Handys und Feuerzeuge in die Luft, das Publikum war ein einziges Lichtermeer - so. schön. Nile Rodgers war gerührt, erzählte dann aber, dass er mittlerweile den Krebs besiegt hätte - Jubel. Er wolle dennoch eine etwas andere Version von "Get Lucky" spielen, eine etwas ruhigere, soulige. So hat sie zumindest auch angefangen, aber natürlich artete der Song in eine einzige Tanzorgie der Glückseligkeit aus. Schöner Moment! Perfektes Konzert. Leider Habe ich In Flames verpasst. Leider.

 

aaaaah FREAK OUT! le #freak, c'est #chic! LEGENDARY #nilerodgers und jerry barns - liebeliebeliebe. #øyafestivalen2015

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+++ 13. August +++


10.00 Uhr Mit den anderen Delegierten machen wir einen Ausflug auf eine kleine Insel. Endlich sehe ich auch mal diese typischen roten Häuschen. Hach, eines Tages.. eines Tages verziehe ich mich auch nach Norwegen. Nach dem fantastischen gestrigen Tag, an dem ich mein eigener Herr war, habe ich gemerkt, wie sehr mir das taugt allein unterwegs zu sein. Woher kommt das, dieser Gedanke, nur mit anderen könnte es witzig sein? Dabei ist es doch im Prinzip nichts mehr als die Romantisierung der Unfähigkeit, mit sich selbst im Reinen zu sein. Das klingt zu schanti. Aber wisst ihr denn nicht, was ich meine? Wenn man sich mit sich selbst langweilt, kann es doch auch keine Lösung sein, sich an andere zu klammern. Aber nur ein Gedanke. Beim Ausflug lege ich meinen Solo-Blues auch wieder nieder und quatsche mit den anderen. Echt coole Leute dabei, aus der ganzen Welt. Wir spielen Spielchen, trinken Bier, liegen in der Sonne am Wasser und essen Gegrilltes.



15.15 Uhr Zurück vom Trip war ich nur noch kurz im Zimmer. Ich treffe mich mit einem belgischen Delegierten in der Lobby, gemeinsam gehen wir zu Lianne La Havas. Ihr seht - mein Manifest an die Einsamkeit habe ich bereits nach ein paar Stunden selbst gebrochen.

15.50 Uhr Wir schauen uns Lianne La Havas hockend im Gras an. Die Luft riecht nach Cannabis. Mmhm, schöne Stimmung, tolle Atmo. Ihr letztes Album ist gerade erst rausgekommen und meiner Meinung nach ziemlich gut.

16.30 Uhr Kurz im Pressebereich. Meine Begleitung und ich haben festgestellt, dass Gin Tonic lediglich 2 NOK mehr kostet als Bier. Na dann!

17.00 Uhr Wir schauen zu Run The Jewels. Ich war ja gestern schon so gespannt, wie sich die entspannten Norweger bei denen geben werden. Ich hab die heuer schon auf dem Primavera in Barcelona gesehen, wo das Konzert so unsagbar wild (und gut!!!!) war - was ich mir hier eben einfach nicht vorstellen konnte. Aber: Tatsächlich stehen die Leute und sitzen nicht. Immerhin. Einen großen Moshpit gibt es allerdings nicht. Und der Cannabis-Geruch hat sich aus der Luft verzogen. Groteske Ironie.

18.15 Uhr Mal eben kurz zu Bad Religion schauen. Ich muss aber leider (mit sehr schlechtem Gewissen) dazu sagen, dass ich in ihre Musik nicht mehr so reinkomme. Als Bad Religion groß waren, habe ich gerade erst gelernt, nicht mehr willkürlich in meine Windeln zu machen. Sie heute live auf der Bühne stehen zu sehen wirkt für mich wie.. eine Seniorenheim-Band. Sorry.

19.20 Uhr TYLER, THE CREATOR! Wie immer killer. Sogar das Publikum ist wild! Abgefahren.

20:13 Uhr Kurz zu Ride schauen, etwas Musikgeschichte erleben. Der Auftritt ist aber eher ernüchternd. Leider

20.15 Uhr Weiter zu Daphni. Heute ist das aber auch ein Rumgehetze. Auch hier bin ich nicht so begeistert. Daphni tritt in einem kleineren Zelt auf, es ist stickig und der Boden merkwürdig bemoppt. Tanzen ist eher schwer. Und sowieso: Irgendwie ist die Atmosphäre merkwürdig, jeder starrt vor zu Dan Snaith, Stimmung gibt es nicht wirklich - obwohl die Musik, die aufgelegt wird, echt fantastisch ist. Von Elektro bis zu brasilianischen Klängen ist alles dabei. Na, wir entscheiden uns für einen weiteren Gin Tonic im Pressebereich.

20.50 Uhr Ach Halt. Da spielt ja Father John Misty. Bleiben kurz stehen. Das Konzert ist recht gut, aber nichts besonderes. Sehr folkig und der Vater zeigt sich recht arrogant. Also weiter.

21.40 Uhr Puh. Hingen jetzt die ganze Zeit im Pressebereich ab (hier gibt es übrigens zwei Pools, geiler Scheiß). Entscheiden uns dann doch noch dazu, bei Florence + The Machine vorbeizuschauen, obwohl die drei Franzosen (ja, die Gruppe hat sich irgendwie erweitert, wir sind mittlerweile zu fünft) nichts von ihr halten. Dabei liefert sie eine ziemlich gute Live-Show ab! Und seht ihr, das meine ich: Wäre ich alleine gewesen, hätte ich mehr davon gesehen, anstatt am Pool zu versacken. Das war ziemlich spaßig, keine Frage, aber.. ihr wisst, was ich meine? Wie dem auch sei.

22.10 Uhr Flying Lotus! Jaaaaaaa! Den habe ich das letzte Mal 2013 beim Melt! gesehen, wo er etwas schlecht gelaunt war, weil er noch im Hellen auflegen musste. Diesmal war es dunkel und sowieso in einem Zelt, die Visuals waren genialst und die Musik sowieso. Auch die Franzosen sind glücklich. Hurra, alles perfekt.

+++ 14. August +++


00.22 Uhr Mittlerweile sind wir wieder in der Stadt, im Internasjonalen, wo Rangleklods auftreten. Ich habe Geburtstag. Den besten Geburtstag ever, möglicherweise. Denn noch nie hatte ich eine derartig fantastische Live-Geburtstagsband wie Rangleklods. Die sind so fett. Es erinnert etwas an das verschollene Genre Witch-House, ist eben sehr düster, gleichzeitig sehr fetzig und hart.

01.30 Uhr Ich habe immer noch Geburtstag

03.00 Uhr Kein Kommentar.

12.00 Uhr Erst mal 'n Kaffee! Aber Wo nur, wo zahle ich dafür nicht mein halbes Erspartes? Ich gehe einfach mal den Fluss entlang, da wird dann schon irgendwann irgendwas kommen.

14.50 Uhr Hab mich voll verlaufen, haha. Zwei Stunden lang bin ich diesen Fluss entlang gegangen (echt schön, übrigens), bevor ich dann wieder einen Schlenker nach rechts ins Stadtgebiet gemacht habe. Und dann links gegangen bin. Dann eine sehr lange Kurve entlang, dann irgendwie wieder Treppen runter und plötzlich war ich - weg. Zumindest vorerst, bin dann auf gut Glück einfach mal eine Zeit lang in die gleiche Richtung gegangen - und war dann irgendwann auf der Thorvald Meyers Gate in Grünerløkka. Da gibt es ziemlich viele Restaurants und Cafés, die gar nicht mal so teuer sind! Solltet ihr auch mal in Oslo unterwegs sein, müsst ihr da unbedingt vorbeischauen. Es gibt recht viele norwegische Lokale, ich entscheide mich aber für einen Mexikaner.

15.00 Uhr So gut! Lecker und viel. Und vom Preis ging's auch. Wenn ihr das mal abchecken wollt: Mucho Mas heißt der Laden. Da hängt ein echt hässliches Schild vor der Tür, das aber zum Glück gar nichts mit der Qualität gemein hat. Innen drin ist es sowieso schick mexikanisch eingerichtet.

19.40 Uhr Eben den ersten Act für den Tag gesehen - die Future Islands. So fantastisch, wie immer! Samuel T. Herring ist einfach der abgefahrenste Tänzer und Gröhler, den ich live jemals gesehen habe. Gespielt wurde Neues sowie Altes, zum Beispiel der Quasi-Klassiker "Tin Man". Das sonst so entspannte Øya-Publikum geriet in regelrechte Wallung, noch viel mehr als bei Run the Jewels und Chic, das müsst ihr euch mal vorstellen! Hach, tolles Konzert. Jetzt mal kurz zu ILOVEMAKONNEN schauen.

19.55 Uhr Okay nope. Nicht meine Musik. Der hampelnde Heini auf der Bühne kommt mir als nichts weiter vor als eines dieser amerikanischen Kids reicher Eltern. Was singt er da über Drogen? Der ist doch hundert Pro nicht älter als 12! Naja. Ich schau mal, wie die Bierlage im Pressebereich ist.

20.00 Uhr Jaaa, Wiedervereinigung mit den Franzosen und dem Belgier!

20.40 Uhr Oh Mist. Ich habe alt-j verpasst. Das war so nicht geplant - ist aber auch nicht weiter schlimm, immerhin habe ich sie heuer schon dreimal gesehen und war kein einziges Mal wirklich begeistert. Auf Platte finde ich sie leider besser, das war nicht immer so, aber ja. Was soll's. Schauen wir eben noch kurz zu Sophie, diesem Schotten.

21.30 Uhr Okay, habe nicht besonders viel von Sophie mitbekommen, weil ich mich mit dem Belgier über das letzte Metronomy-Album unterhielt, naja, viel mehr stritt. Er fand es nicht so gut. Pfft. Musste ihm natürlich genau erklären, warum ich das Album so gut fand. Während des Konzerts. Das tut mir sehr Leid, immerhin kann ich Menschen überhaupt nicht ab, die während Konzerten die ganze Zeit reden. Aber wenigstens standen wir hinten und haben im direkten Umfeld niemanden gestört. Naja, Themawechsel: Beck! Bin so gespannt. Ist Beck nicht sogar irgendwie skandinavischer Herkunft? Der Belgier meint, ich spinne. Die nächste Diskussion bricht aus. Er käme aus Amerika, ich solle es googeln. Er hatte natürlich Recht.

22.10 Uhr Lebensweisheit: Wenn ihr mit Franzosen unterwegs seid, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass sie irgendwo in ihrem Rucksack Rotwein versteckt haben.

23 Uhr irgendwas HA! Beck hat gerade selber gesagt, dass sein Opa Norweger war. Und überhaupt: Das Konzert war riesig! Enorm! Fantastisch! Das Kerlchen ist echt witzig und kommt wahnsinnig authentisch rüber. Das beste war fast die Verabschiedung und das Vorstellen der Band. Zurück am egoFM'schen Schreibtisch werde ich gleich mal checken, ob es schon irgendwo ein Video davon gibt. Jetzt machen wir uns erstmal wieder zurück in den Pressebereich, wo wir auf die anderen Deligierten treffen und auf einen Shuttle warten, das uns irgendwo in die Pampa zu einem Secret Concert bringt.

00.00 Uhr Das Secret Concert ist von einem kahlköpfigen, bärtigen Mann in altertümlicher Kluft, der mit uralten Instrumenten spielt. Ich habe seinen Namen leider nicht richtig verstanden, aber er hat auch den Soundtrack für die Serie Vikings gemacht. Mystisch! Da haben sich die Organisatoren echt was interessantes einfallen lassen.

02.00 Uhr Ich habe mir vorgenommen, nach 2 Uhr nachts nicht mehr zu tickern.

04.00 Uhr



Spaß.

+++ 15. August +++


10.00 Uhr Ich begebe mich mal wieder auf Nahrungssuche. Erster Act ist heute Ibeyi, 16.50 Uhr spielt Benjamin Booker, 19.30 Uhr Emilie Nicolas, 21.30 Uhr Susanne Sundfør und kurz darauf, leider, tritt Thåström auf. An sich ist der Plan ziemlich locker gestrickt, lediglich das mit den letzten beiden Acts ist doof, ich würde gerne beide sehen. Ich überlege mir was.

15.30 Uhr Okay, ein bisschen knapp dran gewesen, habe es irgendwie geschafft, mich mal wieder in Oslo zu verlaufen. Egal, lediglich eine Viertelstunde von Ibeyi verpasst.

16.40 Uhr Ibeyi war der Wahnsinn. Jetzt erst mal am Pool abhängen. Habe die Franzosen dort getroffen, die vom Vorabend noch etwas.. fertig sind. Ich frage sie, ob sie nachher mit mir Emilie Nicolas anschauen. "Music, ach, no music today. Too hungover." - die Antwort. Werden wir noch sehen. Erstmal geselle ich mich dazu.

19.30 Uhr Konnte die Franzosen doch für Emilie Nicolas begeistern. Lagen jetzt aber halt auch fast fünf Stunden am und im Pool. Konnte sie dabei sogar von der Magie des Konterbieres überzeugen.

20.40 Uhr Emilie Nicolas klingt echt wie Banks. Ziemlich gut. Jetzt aber erst mal was zum Essen holen.

22.00 Uhr Eben noch Fat White Family gesehen - SO GUT! Endlich mal ordentlicher Abfuck-Rock. Der Sänger hat zwar ein bisschen rumgeeiert und den betrunkenen Rockstar mit Bier auf der Bühne inszeniert, das Konzert war aber sonst ziemlich stark!

 

Fat. White. Family!

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Jetzt wird es aber noch arg. Schauen kurz zu Thåström, dann gleich noch den Schluss von Susanne Sundførs Konzert.

23.00 Uhr War echt ganz gut, die Dame. Die Franzosen hat sie allerdings nicht so begeistert. Sind nun zurück im Pressebereich, streite mich mit einem Norweger über de Relevanz von Streaming-Portalen. Die anderen starten gleich zu Dan Deacon, wofür man sich hätte anmelden müssen - was ich natürlich verplant habe. Verabschiede mich schon mal mental von all meinen neuen Freunden.

 

#øya2015, it was a pleasure.

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23.30 Uhr Die Franzosen meinen, ich solle unbedingt mitkommen zum Club und versuchen, reinzukommen, das wird schon klappen. "Wenn du's nicht probierst, wirst du's nicht wissen" - hach, die haben die Weisheit wohl aus Weinfässern getrunken.

23.50 Uhr Haben es echt in den Club geschafft. Der Türsteher so: "Stehst du drauf?" Woraufhin der Franzose gleich: "Ach, sie steht mit mir drauf, sie ist meine Plus Eins.", "Du hast kein Plus Eins.", "Die meinten, dass würde klar gehen." Ich denke mir: "Das klappt nie." Der Türsteher: "Okay, geht rein." TRIUMPH. Im Club drinnen treffen wir andere Deligierte die motzen, wie schwer es war, trotz Gästeliste hier reinzukommen. Ich lache mir ein bisschen ins Fäustchen. Jetzt aber Schluss mit Fetz, Dan Deacon fängt an. Wir kämpfen uns nach vorne.

dandeacon

Toller Typ, krasser Nerd. Mit dem würde ich gerne mal ein Bierchen kippen. Dabei würde ich bestimmt einiges über Computertechnik lernen. Während des Konzerts schreit der Franzose "Nice Shirt!" Dan Deacon bedankt sich und meint, wir sollen einen Kreis bilden. "Der, der grad geschrieen hat, stellt sich in die Mitte. Und dieses eine Mädchen da im bunten Pyjama" (ich war nicht gemeint zum Glück). Die beiden sollten sich eine Tanzbattle geben und im Laufe des Songs immer eine neue Person in den Kreis holen. WIT.ZIG.

dandeacon2

+++ 16. August +++

01.00 Uhr Boah, war das Konzert gut. Aber was nun? Treffen zwei italienische Deligierte und gehen in eine Bar nebenan. Trinken Bier und wollen tanzen - aber irgendwie ist der Rest des Clubs ziemlich langweilig. Die Leute hocken einfach an ihrem Tisch, keine Seele auf der Tanzfläche. Wir wollen das ändern und animieren.

imclub

02.35 Uhr Die Franzosen benehmen sich daneben. Wir werden rausgeschmissen.

03.00 Uhr Die Clubs und Bars in Oslo machen zu, die ganze Stadt befindet sich nun auf der Straße. Wir treffen Bandmitglieder von Fat White Family. Muss ihnen natürlich umgehend sagen, wie perfekt das Konzert war. Wir gehen als Gruppe zurück ins Hotel, trinken noch ein paar Bierchen im Hotelzimmer der Band.

05.44 Uhr Shiat, in zwei Stunden muss ich aufstehen. Mein Flieger zurück nach Deutschland geht.

08.00 Uhr Der Wecker klingelt. Kill me.

14.00 Uhr Bin gut in Deutschland angekommen - und ziemlich fertig. Erstmal hinlegen. Gute Nacht. Und danke, Øya, es war so fantastisch. Bis nächstes Jahr! Bussi, Bussi, deine Anna.