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Freitag, 23. Oktober 2015, 10:00 Uhr

egoBlog: Hochzeitsdruck

Marco sinniert über das Erwachsenwerden

Es war mal wieder so weit: über Facebook habe ich von der Hochzeit eines ewig nicht mehr gesehenen Freundes erfahren. Seinen Lebensstil hab ich sowieso noch nie verstanden. Dennoch lässt mich sowas doch irgendwie über meinen eigenen nachdenken.

Eigentlich ist das Leben echt schön: Man ist knapp 25 Jahre alt, hat nach dem ein oder anderen Extra-Semester nun endlich fast fertig studiert und das Berufsleben wirft seine unheiligen Schatten voraus. Jetzt heißt es erstmal möglichst flexibel zu sein, damit der Einstieg erleichtert wird und man sich voll und ganz auf die Karriere konzentrieren kann.

Man möchte ja nicht - zumindest in meinem Fall - so wie die Eltern enden: Schule fertig, Ausbildung machen, knapp 30 Jahre in der gleichen Firma arbeiten und das eigene Heim in Gehweite zum Elternhaus bauen (jetzt nicht falsch verstehen, ich liebe meine Eltern trotzdem). Aber irgendwann war mir die bayerische Dorfidylle doch ein bisschen zu viel. Oder viel mehr: zu wenig.

Wenn ich dann aber wieder Hochzeitsfotos von gleichaltrigen Facebook-Freunden sehe, ertappe ich mich schon immer wieder dabei, über mein eigenes Leben nachzudenken und mir zu überlegen, ob der eigene Weg so richtig war und ob man, wenn man es anders machen würde, nicht doch irgendwie glücklicher wäre.

Das liegt eventuell auch an meiner Kindheit, in der es erstmals immer nur glücklich verheiratete Eltern gab. Falls doch mal eine Scheidung anstand, war man eher darauf bedacht, schnellstmöglich wieder in ein ähnliches Modell zu gelangen, statt einfach mal an sich selbst zu denken. Das hat im ersten Moment noch nichts verfängliches, aber der Gedanke, dass es nur den einen Weg gibt der dich ans Ziel führt, leuchtet mir immer noch nicht ein. Da muss es doch noch etwas anderes geben.

Es könnte auch sein, dass ich immer wenn ich mal wieder in der schönen Heimat bin, von meiner Oma oder Mutter gefragt werde, wann es denn bei mir endlich soweit ist. "Wann heiratest  du endlich, baust ein Haus und führst mal ein normales Leben?" Oder: "In deinem Alter war ich schon verheiratet und du warst schon auf dem Weg". Ich empfinde so etwas auch als eine Art passiv aggressiven Druck. Sie weisen mich immer wieder darauf hin, dass sie sich ein anderes Modell von mir erwarten. Wodurch sie keinen direkten, aber doch Druck auf mich ausüben.

Naja, eigentlich habe ich ein schönes Leben. Es fehlt mir an nichts - bis auf ein bisschen mehr Geld auf dem Konto, aber das hätte ja wohl jeder gerne. Ich kann tun und lassen was ich möchte, könnte auch von heute auf morgen sagen: "So, ich bin dann mal weg". Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, bin eben frei und kann auch nicht sagen, wo ich in zehn Jahren stehen werde. Dagegen steht ein Leben voller Sicherheiten, vielleicht auch ein klein wenig Spießer sein, aber das hat eventuell auch seine Vorzüge.

Resigniert muss ich zugeben: Ich habe schon alles richtig gemacht, viel ausprobiert, bin ein bisschen herumgekommen und habe meistens auch Spaß dabei gehabt. Das ist, meiner Meinung nach, doch das Wichtigste.


Bildquelle: Flickr | "Tears Of A Clown" von Feans | cc by 2.0