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Montag, 05. August 2013, 21:15 Uhr

egoBlog: Grüne fordern Veggie-Tag

"Heute hamwa nur Veggie"

Einmal pro Woche sollte man auf Fleisch verzichten können - sagen die Grünen. Das treibt nicht nur die Fleischfans auf die Barrikaden. Höchste Zeit für eine Pro- und Contraliste.
Kurz noch einmal die Key-Facts: Laut statistischem Bundesamt verbraucht ein Deutscher im Jahr knapp 90 kg Fleisch - das ist das Dreifache dessen, was 1950 verzehrt wurde. Neben der teilweise sehr tierquälerischen Massentierhaltung ist ein übermäßiger Fleischkonsum bewiesenermaßen auch schlecht für's Klima. Darüber hinaus wird auch von der medizinischen Seite immer wieder vor zu viel Fleischverzehr gewarnt. Vor allem rotes Fleisch greift den Darm an und fördert das Risiko für Herzerkrankungen.

Trotz der vielen Argumente, die gegen zu viel Fleisch auf dem Teller sprechen, lässt sich niemand gerne reinreden - schon dreimal nicht, wenn es um's Essen geht. Das merkt man jetzt am Vorschlag der Grünen, die nach der Bundestagswahl einen Veggie-Day in deutschen Kantinen einführen möchten. Also einen Tag, an dem es ausschließlich vegetarische und vegane Gerichte zu kaufen gibt.

In unserer Redaktion wurde sofort heftig über diesen Vorschlag diskutiert. Einigen konnten wir uns nicht. Aber wir haben unsere Überlegungen und Argumente zu Papier in einem Artikel zusammengefasst.


PRO VEGGIETAG


▶ Wir alle kennen die schrecklichen Filme, in denen uns der Alltag in der Massentierhaltung gezeigt wird. Wie können wir da weiter zuschauen? Schluss damit! Alle Lebewesen sollten zumindest die Chance auf ein artgerechtes Dasein haben - vorallem in einem so weit entwickelten Industrieland wie Deutschland!

▶ Und hey - mal ganz abgesehen von den Tieren - mit zu viel Fleischgenuss haben wir auch einen großen Einfluss aufs Klima und das interessiert nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder. Unser Fleischkonsum gilt sogar als einer der Hauptmotoren für die Klimaerwärmung: Angefangen beim Methan, das sich in den Kuhmägen bildet (bis zu 280 Liter/Tag) bis hin zur Abholzung wichtiger Wälder um Platz zu schaffen für Weideflächen und Soja-Anbau.

▶ Überhaupt. Eurem Körper tut ihr sicher nichts Gutes dabei, wenn ihr ihn Tag für Tag mit Fleisch vollstopft. Im Gegenteil! Vor allem rotes Fleisch ist bei größerem Konsum ungesund. Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes werden dadurch begünstigt und in verarbeitetem Fleisch (z.B. in Würsten) stecken noch dazu viel Fett und Salz.

▶ Kommen wir zu den gesellschaftlichen Aspekten. In was für einer Welt wollt ihr eigentlich leben? Mittlerweile achten wir schon in so vielen Bereichen auf einen bewussten und gemäßigten Konsum - warum dann nicht auch auf unserem Teller? Wir sollten einfach wieder lernen, die kleinen Dinge schätzen zu lernen. Lieber einmal pro Woche ein gutes Bio-Fleisch als jeden Tag die 1-Kilo-für-2,99-Euro-Pute.

▶ Mal ehrlich. Auch wenn vegetarisches und vor allem veganes Essen noch vor zehn Jahren Assoziationen an Birkenstockjünger und jutegekleidete Menschen verursacht hat - diese Zeiten sind definitiv vorbei. Veganes Essen schmeckt nicht nur, sondern macht auch optisch was her. Glaubt ihr nicht? Schaut mal auf diesem Blog vorbei. Oder hier. Oder hier.

▶ Außerdem ist es höchste Zeit, dass wir uns auf einem klugen Niveau über dieses Thema unterhalten. Auch wenn nicht jeder gleich zum Vollblutvegetarier mutiert - ein bisschen Bewusstsein darüber, was täglich auf unseren Tellern landet ist sicher nicht verkehrt.


CONTRA VEGGIETAG


▶ Ok, ok, ok. Jetzt mal langsam. Tierquälerei, Klimawandel und gesundheitliche Aspekte. Das ist ja alles schön und gut. Aber sollte nicht jeder selbst entscheiden, was er isst? Ein einheitlicher Veggietag, an dem die Menschen zum Vegetariertum gezwungen werden - das kann doch wirklich nicht Sinn der Sache sein! Was kommt als nächstes? Der Ohne-Weichspüler-Waschen-Tag? Der Heute-Darf-Man-Keine-Lebensmittel-in-Plastikverpackung-Kaufen-Tag?

▶ Bevor man irgendetwas kategorisch verbietet, macht es doch viel mehr Sinn ein Bewusstsein zu schaffen. Wir geben euch in diesem Punkt absolut Recht - aber ein Bio-Fleisch-Tag ist doch weitaus sinnvoller als ein Gar-Kein-Fleisch-Tag. Vielen Menschen wird man das Fleischessen niemals ausreden können. Dann wärs doch besser, sie zum Biofleisch zu bringen!

▶ Und was wir überhaupt nicht kapieren, ist, warum eine Frau Künast bestimmen sollte, an welchem Tag wir Fleisch essen! Darf dann Frau Aigner auch entscheiden, wann wir Erdbeeren pflücken dürfen? Sagt uns Herr Ramsauer, wann wir das Auto besser mal einen Tag stehen lassen? Und Frau Schröder gibt uns dann den Tag zur Familienplanung vor?

▶ Nehmen wir allein die Zigaretten. Die sind auch nicht gut. Aber man hat sie nicht gleich an einem Tag pro Woche verboten! Sondern sie wurden teurer, um sie unattraktiver zu machen. Wäre doch beim Fleisch auch 'ne Lösung?

▶ Und dann die Sache mit den Kantinen. Wenn ich Fleisch essen will, pack ich mir halt an dem Tag Frikadellen ein. Und zwar nicht die Bio-Variante, die es auch in der Kantine gibt. Sondern die 1,99-Euro Packung vom Discounter. Was ist damit gewonnen? Eben.


FAZIT


Einig sind wir uns noch immer nicht. Die Pro-Argumente überzeugen uns alle, aber der Stachel des durch die Politik festgelegten Tages schmerzt ganz schön.
Was denkt ihr über den Veggie-Tag? Schreibt uns: Bei Facebook oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Bildquelle: Kris Krug | Flickr