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IsabellaHepp
Mittwoch, 09. März 2016, 07:00 Uhr

Frauen im Musikbusiness

Ein Gespräch mit Tontechnikerin Isabella Hepp

"Ich bin seit 14 Jahren in der Branche und habe bis jetzt erst eine weitere Tontechnikerin kennen gelernt." - Moderatorin Sandra hat sich mit Isabella über ihren Job und die Rolle der Frau im Musikbusiness unterhalten.

Weltfrauentag. Ein Tag, der zu Zeiten des ersten Weltkriegs als Initiative im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen ins Leben gerufen wurde. Etwa hundert Jahre später frage ich mich, ob wir diesen Tag wirklich noch brauchen, noch brauchen sollten, und ob wir darüber sprechen sollten. Ich sehe mich ungern in der Rolle einer Feministin. Feministin klingt immer so, als wünschte man die Frauen an die Macht. Ja, aber nicht mehr an die Macht als Männer. Sondern einfach gleich.

Wenn ich durch unser Lokalhelden-Archiv blicke – dort sind jene lokalen Bands gesammelt, die sich mit ihrer Musik bei uns bewerben und dann sonntags von 15 bis 16 Uhr in die Sendung Lokalhelden bei Kollegin Maria eingeladen werden – komme ich zu dem Entschluss, dass wir darüber reden müssen. Denn ein Großteil der Bandbewerbungen kommen von Männern. Bands, wie Claire oder Cosby mit weiblichen Frontfrauen sind selten, aber wie sich zeigt, nicht minder erfolgreich. Und auch wenn wir uns Festivallineups ansehen, bestehen diese größtenteils aus Männern. Woher kommt das? Und ist das gesamte Musikbusiness eine Männerdomäne? Wenn man sich die Welt der Tontechniker ansieht, ganz bestimmt. Wie es ist als eine der wenigen Frauen in diesem Job zu arbeiten, hat mir Isabella Hepp verraten:


Interview mit Tontechnikerin Isabella Hepp
Sandra Gern: Du warst gerade als Tontechnikerin auf Tour mit der Metalband Crystal Ball. Ist Metal privat auch dein Ding?
Isabella Hepp: Privat hör ich das eigentlich eher weniger, weil ich ja viel damit arbeite, aber ich mag das schon ganz gern. Und ich weiß auf jeden Fall auch, wie es klingen muss. Ich bin jetzt auch schon länger in der Branche, 14 Jahre sind das jetzt.

SG: Man sieht bei Konzerten jetzt nicht gerade oft eine Frau am Mischpult stehen. Wie bist du denn darauf gekommen Tontechnikerin zu werden?
IH: Ein Kumpel von mir hat ein Praktikum bei einer Band gemacht und bei einem Konzert standen wir auf der Gästeliste, wo ich dann auch den Tontechniker kennengelernt habe. Ich hatte gerade Medieninformatik in Heidelberg studiert und musste dann bald selbst ein Praktikum im Medienbereich machen. Aus einer Schnappslaune heraus haben wir dann beschlossen, dass ich mein Praktikum bei meinem Kumpel mache. Dadurch bin ich da überhaupt reingerutscht und dann hab ich bald beschlossen, ok, das will ich machen.

SG: Wie hast du den Beruf dann genau erlernt?
IH: Ich habe mein Praktikum bei Achim Köhler, einer Koryphäe in diesem Bereich, gemacht. Anfangs habe ich da sehr viel Schlagzeug geschnitten und sehr viele Album-Sachen gemacht wie z.B. Editing. Dann war ich auch viel bei Konzerten mit dabei, wobei man vom reinen Zugucken aber nicht sonderlich viel lernt. Ich habe dann für die Basics in Köln noch eine private Ausbildung gemacht und dann irgendwann meine ersten Konzerte gemischt. Und da lernt man dann letztendlich, wie es wirklich funktioniert.

SG: Wie viele TontechnikerINNEN kennst du denn?
IH: Boah, gute Frage. Ich hab schon von einigen gehört, so viele gibt es in dem Business ja nicht. Persönlich kennen gelernt habe ich bis jetzt erst eine, die kommt aus Hamburg.

SG: Warum glaubst du denn, dass es so wenige gibt?
IH: Naja, man muss ja schon ein bisschen technisch affin sein, ich weiß nicht, ob das vielleicht der Grund ist. Ich persönlich konnte schon immer gut mit Männern, ich habe ja auch Medieninformatik studiert, ich hatte auch einen größeren Bruder, von demher hab ich da kein Problem damit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum es so wenige gibt, denn der Job hat ja auch ganz viel mit Kreativität und dem richtigen Gehör zu tun.

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Isabella Hepp (Quelle: Philip Dehm)

SG: Musst du dir als Frau denn oft blöde Sprüche anhören, wenn du am Mischpult stehst?
IH: Ja, das ist definitiv so. Aber ich liebe das auch, weil ich ähnliche Sprüche ja auch selbst bringe (lacht). Ich glaube ich passe von demher da echt ganz gut rein. Wir haben auch heute morgen wieder ständig irgendwelche Peniswitze gebracht. Also, man muss sich definitiv einiges anhören, aber damit muss man halt einfach klar kommen. Manchmal gucken einen die Leute auch komisch an, wenn man als Frau, als Tontechnikerin irgendwo hinkommt. Und auch auf Tour, wo man ja quasi zusammen lebt, und wenn da einer rülpst oder pupst, muss man da auch drauf klarkommen. Das gehört dazu (lacht).

SG: Glaubst du, dass du manche Aufträge nicht bekommst, weil du eine Frau bist?
IH: Ich weiß es natürlich nicht hundert prozentig, denn das bekommt man ja nicht ins Gesicht gesagt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da schon einige Jobs flöten gegangen sind, weil ich eine Frau bin. Es gibt natürlich auch Tontechniker wie Sand am Meer und klar, wenn man da jemanden kennt, der es billiger macht - das ist auch ein großes Problem in dem Business - dann ist das schon immer schwierig da ran zu kommen. Aber ich bin auch schon auf Gigs gekommen und da kamen dann die Leute auf mich zu "Hey, komm, ich trag das für dich" und dann sag ich halt normalerweise "Ich werde dafür bezahlt, ich kann das selbst tragen". Also, es gibt natürlich solche und solche Leute.

SG: Sollten sich die Frauen ändern oder die Branche?
IH: Also, ich glaube die Branche muss sich nicht ändern. Die ist in vielen Hinsichten ganz gut, wie sie ist. Die Musikbranche ist ja sowieso ziemlich schwierig und sehr überlaufen. Ich weiß nicht...Frauen müssen sich im Prinzip auch nicht ändern, denn man macht doch einfach das, worauf man Bock hat und was für einen passt. Und dafür muss man sich ja nicht wirklich ändern. Also, ich würde jetzt auch nicht sagen, ich werde noch "hardcorer", nur damit ich mehr Jobs bekomme. Ich denke das kann man nicht pauschalisieren. Da muss man halt einfach reinpassen, in diese ganze Geschichte.




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Quelle Titelbild: Isabella Hepp