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Die Kronkorken bluehen auch
Freitag, 22. April 2016, 10:40 Uhr

Happy Bierthday?

500 Jahre Reinheitsgebot - #Biertag #Haschtag

Der "Tag des Deutschen Bieres" fällt mit dem 500. Jubiläum des Reinheitsgebots zusammen. Bierfans feiern also doppelt und überall - Kämpfer für die Legalisierung von Cannabis bringt das auf die Palme.

„Ich mach‘ den Master of Science in Brauwesen“ Coooooool! Studenten dieses Studiengangs der TU München können diesen Samstag zur Weiterbildung nutzen. Am 23.4. ist der Tag des deutschen Bieres und es kommt noch besser: Das Reinheitsgebot feiert 500-Jähriges. Und da wir Deutschen bekanntlich eine trinkfreudige Nation mit einer halbgeheimen Liebe zu Regeln und Gesetzen sind, liefert dieses Jubiläum wunderbarerweise erstens einen Anlass zum Feiern, zweitens eine Hilfe bei der Wahl des Partygetränks und drittens eine Rechtfertigung, schon morgens damit anzufangen. Prost!

Nicht, dass wir das bräuchten. Mindestens einen guten Grund, ein bisschen zu feiern, haben wir ja eigentlich immer parat. Und gegen ein Bierchen einfach nur so, ohne Anlass, ist grundsäzlich auch nichts einzuwenden. Abgesehen davon ist Bier nunmal der unerschütterliche Titan der deutschen Getränkekultur. Kein Wunder, bei 5 Jahrhunderten Treue zum Rezept. Großmutters Pflaumenkuchen hat damals ja nicht mal ein Jahrzehnt gebraucht, bis wir uns entschlossen haben, selbst nie, nie, nie einen anderen zu backen. Hierzulande könnte man außerdem über 15 Jahre lang jeden Tag eine andere Biersorte probieren. Die Vielfalt ist überwältigend, die Brauer feilen trotz des kleinen Spielraums ständig an noch besseren Geschmacksnuancen, und Bier ist wirklich billig. Und hey, es kommt aus dem Kloster. Kein Wunder also.

Am Wochenende ist also Tag des deutschen Bieres. Maßloses Maßtrinken, Bierbäuche und Bierbräuche, wo man hinschaut, alles gepflegt von Menschen, die ihre Liebe zu einer berauschenden Substanz unverhohlen feiern. Einer Gruppe geht das ganz besonders auf den Brownie: Der Cannabis Verband Bayern kämpft seit Jahren darum, dass Cannabis entkriminalisiert wird – ohne Erfolg. Die Argumente sind bekannt, Cannabis für chronisch Kranke oder Schmerzpatienten, Gras macht eher friedlich, Alkohol hingegen in vielen Fällen aggressiv, THC schadet auch nicht mehr als Ethanol und man sollte ja wohl selbst die Art des Deliriums wählen dürfen. Was die Marihuana-Krieger aber wirklich beißt, ist das nicht zu verachtende Ungleichgewicht in der Behandlung, das die Bierfeste dieses Wochenende nicht klarer veranschaulichen könnten. Stark vereinfacht könnte man das auch so ausdrücken: Auf der einen Seite riskieren Menschen, die sich im Privaten dem Genuss eines Rauschmittels hingeben möchten, hohe Geld- oder gar Gefängnisstrafen, und dem gegenüber stehen Menschen, deren Rauschmittelkonsum nicht nur öffentlich, sondern sogar öffentlich gefördert stattfindet. Die einen kämpfen darum, dass ihr Verhalten akzeptiert wird, während die anderen zu ihrem angespornt werden.

Um auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, organisiert der Cannabis Verband Bayern am Tag des Deutschen Bieres zwei Kundgebungen und eine Demonstration mit Paradewagen, auf dessen Fahne zwar „Cannabis als Medizin, Rohstoff und Genussmittel“ steht, bei dem es den Cannabis-Befürwortern aber mindestens genauso sehr um Diskriminierung geht.

collage drogen
Bildquelle: flickr | IMG 6618 on Tjebbe Westendorp | cc by 2.0 / flickr | ashtray von Sunghwan Yoon | cc by 2.0

Bier ist allgegenwärtig, soviel steht fest. Ob es nun nötig ist, jährlich einen Bierbotschafter zu ernennen, eine Persönlichkeit aus Politik oder Rundfunk, die sich dafür durch Eigenschaften wie die „spritzige, schlagkräftige und herb-belebende Art“ qualifiziert oder weil sie „sich viele Eigenschaften mit dem deutschen Gerstensaft“ teilt, oder gar weil ihr der Ehrentitel als Botschafter durch den Geburtsort „in die Wiege gelegt wurde“, darüber lässt sich natürlich streiten. Die Gründe und die Argumente zur eifrigen Diskussion werden all den Abstinenzlern, Kiffern, Bierschlürfern und Gemischtkonsumenten jedenfalls nicht so schnell ausgehen.



Bildquelle: flickr | Die Kronkorken bluehen auch ...von Pascal Volk | cc by 2.0