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Mittwoch, 11. Mai 2016, 00:00 Uhr

Spiel mir das Lied vor dem Tod

Musik fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

Das geplatzte Äderchen im Kopf des Oboisten, ist die Koksnase des DJs, ist die Leberzirrhose des Rockstars. Zumindest für letztere Gruppe gibt es jetzt Zahlen, die das schwarz auf weiß belegen, und die tun richtig weh.


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Klippen, Züge, Kokosnüsse, Schranken, wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dem kann angst und bange werden. Fast jeder Gegenstand trachtet einem irgendwie nach dem Leben. Als wäre das nicht schon genug, kommt jetzt ein neuer Risikofaktor mit auf die Liste. Schmerzpatienten vergessen ihr Leiden, Konzertgänger verlassen endorphindurchflutet die Hallen und Ungeborene sollte man sowieso mit so viel Mozart wie möglich durch die Bauchdecke beschallen. Aber: Musik ist gar nicht mal so harmlos.

Die Universität Sydney hat in einer Studie das Leben, oder bessergesagt, die Lebenszeit von über 12.500 Rockstars verglichen und kam dabei zu dem Ergebnis, dass Menschen, die dieser Berufsgruppe angehören, tatsächlich im Schnitt 25 Jahre früher sterben, als andere. Irgendwann in den späten 50ern bis frühen 60ern. Rockstar steht also nicht auf der Liste der Berufe mit hoher Lebenserwartung.

Vielleicht liegt es auch dran, dass Rockmusik eine Sache der Jugend ist, dass da immer Vergänglichkeit, Schnelllebigkeit, Spontaneität und der „Lebe den Moment“-Charakter mitschwingt. Und irgendwann ist der Moment vorbei, und dann gibt es, ganz platt gesagt, auch nichts mehr zum Leben. Laut Dianna Kenny, der Leiterin der Studie, sind Selbstmordgedanken und die Glorifizierung des frühen Todes in der Szene durchaus mit Schuld am Musikersterben. Und das Nicht-loslassen-können, das in Form von Drogenkonsum ohne Rücksicht auf Verluste und frühem Exitus in die Praxis umgesetzt wird.

Und unser gestriger Studiogast Samy Deluxe hat (obwohl noch gar nicht Sonntag ist) seine ganz eigene Theorie mit uns geteilt, in der er uns erklärt, warum da vielleicht schon bisschen was dran ist, dann aber auch wieder nicht, was die Vorteile des Musikerlebens und vielleicht auch des Ablebens sind:



Wo wir schon dabei waren, haben wir die Lauscher auch noch in eine ganz andere Richtung gestreckt und von Washington Barella, dem Solo-Oboisten des SWR-Sinfinieorchesters, einen exklusiven Einblick aus einer anderen Richtung ins Leben eines Berufsmusikers bekommen. Der hat uns beispielsweise erklärt, dass der Berufsalltag im Sinfonieorchester gar nicht so anstrengend ist:



Nach so einem Konzert muss man dann aber doch erst mal runterkommen:



Aber alles in allem gibt es für klassische Musiker keinen Grund zur Sorge:





Naja gut, nach dem ersten Schock über die Zahlen, die die Studie ausgespuckt hat, erholen wir uns und erkennen, dass es doch ein bisschen verwegen wäre, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Musik und einem frühen Tod herzustellen. Die Kleinen können gefahrlos weiter zu Beethovens Neunter abstrampeln und wir müssen uns halt einfach damit abfinden, dass so manches große Talent mitten im Flow einfach abtritt. Aber denen (und uns) bleibt dann wenigstens die Hürde des Alterns in Würde erspart.




Bildquelle Titelbild: flickr | caution von Martin Abegglen | cc by 2.0