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Donnerstag, 12. September 2013, 19:00 Uhr

DOMINIK BLOGGT: DIE ETABLIERUNG DER UNPÜNKTLICHKEIT

"Sry, komme 5 min später"

Innerhalb weniger Jahre sind wir, die früher auf die Minute pünktlich waren, zu richtigen Verspätungsmaschinen geworden. Jetzt soll uns eine App wieder zu zuverlässigen Menschen machen. Sie heißt "PlusMe".


Damals, als bunte Polos durch die Straßen fuhren und die Frauen in der Werbung immer Dauerwelle trugen, damals waren wir alle noch pünktlich. Wir haben uns für 15 Uhr in der Stadt verabredet, und 15 Uhr hieß dann auch 15 Uhr. Nicht "fünf nach", und schon gar keine "Viertelstunde später".

Klar, anders wäre es auch gar nicht gegangen. Die Deadline, um einen Termin zu verschieben, richtete sich nach dem Zeitpunkt, an dem der Andere das Haus verlassen musste, um sich auf den Weg zum Treffen zu machen. Sprich: Wenn er aus der Tür raus ist, erreichst du ihn auch nicht mehr. Mal eben schnell noch etwas verschieben gab es nicht, wenn, dann hast du den anderen versetzen müssen.

Nein, jetzt kommt kein Klagelied über die Technisierung unserer Gesellschaft - im Gegenteil. Was wären wir heute ohne unsere Smartphones? Die Musik würde immer noch aus Walk- und Discmans schallen, zum Eierkochen bräuchten wir eine analoge Küchenuhr und für die Schnappschüsse beim Feiern müssten wir Papas Polaroid mitnehmen. Aber natürlich kommt jetzt doch ein kleines "aber": Wir sind durch die ständige Erreichbarkeit zu wahnsinnig unpünktlichen Menschen geworden.

Wir haben uns beim Kaffeetrinken verquatscht? Kein Problem, ruf einfach schnell bei deiner Freundin an und sag, dass du 15 Minuten später kommst. Wir können uns nicht entscheiden, welches Shirt wir heute abend anziehen? Dann schreib schnell eine SMS, die Mädels sollen einfach kurz vor dem Club warten. Wir laufen egoistisch durch unser Leben und finden es selbstverständlich, zu jeder Zeit mit jedem kommunizieren zu können und dass sich andere Menschen nach unserem Takt richten. Natürlich ist es netter, Bescheid zu geben, wenn man sich verspätet. Noch netter ist es, einfach pünktlich zu sein.


Ähnliche Gedanken scheinen auch Philipp, Maximilian, Pierre und Robert aus München gehabt zu haben. Die Studenten haben daraus ihre Konsequenz gezogen und mit der Programmierung einer App begonnen, die uns wieder zu dem machen soll, was wir noch vor 15 Jahren waren: Tendenziell pünktlichere Menschen.

Die App ist mittlerweile fertig, sie heißt "PlusMe" und ist ein Tool, mit dem man sich verbindlich mit seinen Freunden verabreden kann. Ein "Vielleicht" gibt es da nicht. Nur "Ja" oder "Nein". Innerhalb weniger Sekunden kann man Veranstaltungen erstellen und via Telefonbuch die Freunde einladen.

Über die Usability kann man sich streiten. Einfach ist es, wenn alle Freunde ebenfalls "PlusMe" benutzen. Haben sie die App nicht installiert, werden sie per SMS benachrichtigt und müssen dann über einen Internetlink ihre Zu- oder Absage geben. Klingt im Whats-App Zeitalter etwas kompliziert.

Aber um ehrlich zu sein ist es auch nicht die praktische Anwendung der App, die uns so fasziniert, sondern der Gedanke dahinter. Endlich nicht mehr der "Fünf-Minuten-Später"-Mensch zu sein. Sondern der, der sich mit Freunden verabredet und dann auch daran hält. Ehrenwort.

Dominik sprach in der Sendung "Netz" mit den Entwicklern von PlusMe.




Bildquelle: PlusMe | Facebook




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