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Donnerstag, 06. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Pariser Club steckt den DJ hinter den Vorhang

Der unsichtbare Entertainer

Um zu den ursprünglichen Wurzeln des Underground-Clubbings zurückzukehren, will der Pariser Club Badaboum seine DJs erstmal geheim halten. Damit wird ein großer Schritt weg von einem anderen extremen Trend gemacht...

Heute, am Donnerstag, startet das Badaboum mit der neuen Reihe MERCI, dessen Konzept es ist, den DJ sowohl im Vorfeld, als auch die erste Hälfte des Abends geheim zu halten. Dazu wird der Act hinter einem Vorhang versteckt, dass lediglich die Silhouette sichtbar ist - bis 3 Uhr nachts, dann wird das Geheimnis gelüftet.

Das Prinzip bringt einige Vorteile: Zum einen wirkt es dem irgendwie absurden Modus entgegen, dass heutzutage jeder im Club nur noch in Richtung des DJs tanzend glotzt, zum anderen ermöglicht es bereits größeren Namen, ein bisschen mehr ausprobieren zu können - jenseits des Drucks, ein verdammt gutes Set abzuliefern und perfekt einstudiertes Können unter Beweis zu stellen. Genauso können sich renommierte DJs nicht mehr hinter ihrem Namen verstecken und sich erlauben, langweilige oder fahrlässige Sets rauszuhauen. Ein weiterer Bonus für den Gast: Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

DJs wie Flying Lotus haben aus der Verschleierung schon ein festes LIVE-Konzept kreiert. Allerdings unterstützen die Visuals wiederum den Kritikpunkt, Zuschauer würden starr in Richtung des DJs stehen. Und überhaupt: Dadurch, dass es eben auch ein festes Stilelement ist, wird des Weiteren die Anonymität aufgehoben. Schwierig.

Im Kontrast zum MERCI-Prinzip stehen Clubs, die Gäste überhaupt nur reinlassen, sofern sie vorher wissen, welcher DJ auflegt. Die Marotte ist nicht nur in Berlin populär, sondern hat sich genauso in München verbreitet. Weiß es der Gast nicht, darf er auch nicht rein. Warum? Möglicherweise um zu garantieren, dass ausschließlich Besucher da sind, die den Act auch ordentlich feiern, und nicht nur zum blöd Partymachen vorbeischauen.

Mit diesen kontroversen Prinzipien wären wir eigentlich wieder bei der leidigen Diskussion: Was ist Kunst und wenn ja: zählt Auflegen dann dazu? Beziehungsweise verdient es der DJ überhaupt, angewhoooot zu werden, wo sie doch größtenteils nur Tracks von anderen Künstlern abspielen? Natürlich gibt es dabei Ausnahmen, und diese auch noch zuhauf. Nicolas Jaar, zum Beispiel, Breakbot oder Soulwax. Doch nehmen wir den ganz normalen Club-Resident - wenn man böse ist, könnte man sagen: "Der macht doch eh nicht mehr als ein paar Knöpfe drücken und Hebel bedienen".

Theoretisch müsste es so sein (und das gilt eigentlich für jede Verschleierungsdebatte): Soll der DJ doch selbst entscheiden, wie sich sein Publikum verhalten soll. Dementsprechend liegt die Wahl bei ihm, ob er sich als den händeschwingenden Entertainer, die mysteriöse Silhouette oder als denjenigen gibt, dem das komplett wurscht ist und einfach nur Musik auflegt.

Was ist eure Meinung zu dem Ganzen? Teilt sie uns mit 'ner Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit.


Bildquelle: flickr | "2005032324" von Ryuta Ishimoto | cc by-sa 2.0