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Lena Journalist Blogt
Dienstag, 22. November 2016, 00:00 Uhr

Musikbranche, wir müssen reden

Lena bloggt

Warum gibt es nur sieben Prozent weiblicher Führungskräfte in der deutschen Musikbranche und kein einziges Musikmagazin mit einer Chefredakteurin? Und warum wollen mir immer noch Jungs erklären, was Hip Hop ist? Lena plagen Fragen über Fragen.

Mein Senf dazu ist scharf und süß
Wenn man diese Zahlen liest, fragt man sich doch, woher diese deutsche Musikbranche sich heraus nimmt, als tolerant und bunt gelten zu wollen. Und dabei predigt zum Beispiel Gender-Wissenschaftlerin Judith Butler, dass es kein biologisches, sondern nur ein anerzogenes Geschlecht gibt. In der deutschen Musikbranche wird dann wohl jeder männlich erzogen.

Um ein kleines Beispiel zu liefern, wie es mir in den bisherigen Jahren in diesem Umfeld erging, möchte ich nur sagen, dass es wirklich schwierige Situationen mit meinen männlichen Kollegen gab, in denen ich mich sehr verloren fühlte und mein Wissen immer wieder den Maßstab für meine Fähigkeiten als Journalistin bezeichnete. Aber ganz ehrlich, es gibt unterschiedliche Wege, über Musik zu berichten. Im Musikbereich scheint es nur einen zu geben: den Schwanzvergleich. Hiermit ist beschrieben, dass man möglichst viel kennt, eintausend Referenzen bildet und das mit möglichst unbekannten spannenden Bands, die man in irgendeiner Untergrundbar gesehen hat. Ich stelle für mich und alle anderen, die daran zweifeln, die Frage, ob das wirklich der Weg sein sollte. Stattdessen könnte man die Fähigkeit, Gefühle bei der Rezeption zu beschreiben oder ein empathisches Interview als ebenso wertig anerkennen wie einen informativen Teil, in dem nur mit dem Wissen gespielt wird.

Neben diesen männlich aufgebauten Strukturen ist es ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass es auch unterhalb der wenigen Frauen leider häufig zu einem abschätzigen Verhalten kommt. Ich frage mich, warum man nicht einfach zusammen halten kann, als sich im eh schon holprigen Weg zu stehen? Muss man sich denn immer vergleichen und sollten wir nicht zusammen jede so spärlich gesähte Frau dazu animieren, weiter in der Musikbranche ihren Weg zu gehen?

Also was tun?

Ich möchte diesen Blog nutzen, ein paar Tipps zu diesem Artikel hinzufügen, für alle die in meinen Schuhen laufen und für alle, die diese Schritte noch vor sich haben. Auf dass wir bald ein Meer an spannenden Musikbranchenfrauen bilden!

#01 Zunächst: Gib nicht auf! Das gilt für alles was du machst. Ich hab mich so oft seltsam gefühlt dabei, von meinem männlichen Chefredakteur zu einem (in meinem Fall meistens Rap-) Konzert und mit einem männlichen Manager zu einem männlichen Künstler geschickt zu werden und mich komisch beugen zu lassen. Lächle und versuche nicht drüber nach zu denken, denn du bist nicht umsonst hier, du kannst was!

#02 Nutze deinen Nachteil zu deinem Vorteil. Um ein Beispiel zu geben: Es kam einmal vor, dass ich einen amerikanischen Rapper interviewte und er nur zu seinem Manager meinte: "Was will diese Lady denn hier?" Und ich hab mir fast in die Hose gemacht vor Angst und dementsprechend blöd lief auch das Interview, weil ich es mir selbst nicht mehr zugetraut habe.
Zwei Wochen später bei einem anderen Gangsta-Rapper habe ich versucht, meine Einstellung zu ändern und dieses "ich bin ein Mädchen"-Ding voll zu zelebrieren. Ich stand also fröhlich lächelnd vor ihm und habe darüber hinweg gesehen, dass er mir nichts zutraut und nur einen süßes Mädchen in mir sieht. Aber ich habe als "dieses Mädchen" dann statt 15 Minuten Interview, eine halbe Stunde Interview bekommen. Und ich habe mich köstlich amüsiert, als ich ihn mit meinen Fragen überzeugen konnte und er über Dinge geredet hat, die ich eigentlich nicht fragen durfte.

#03 Sag etwas: Du hast etwas zu sagen, sag es! Es ist egal, ob dir Groupietum unterstellt wird, wenn du einen Künstler interviewen willst, den du magst. Gleichzeitig findest du es ungerecht, dass die Jungs immer Mädels einladen dürfen, nur weil sie die "heiß" finden. Sag, wenn du auch mal einen Künstler attraktiv findest. Du musst weder Mann, noch Neutrum sein - sei einfach du selbst und versuche deinen Weg zu gehen.



#04 Zu guter Letzt: Suche dir Vorbilder! Es gibt sie, die Frauen in der Musikbranche. Einen guten Überblick geben die Music Industry Women. Schau sie dir an! Höre, was sie erlebt haben und versuche, daran zu wachsen.
Wir kämpfen alle einen gemeinsamen Kampf. Bleib du selbst, aber lass dich inspirieren von deren Kraft und ihrem Weg und finde deinen eigenen. Und bitte animiere jede andere Lady auf deinem Weg, keine Angst vor der Männerdomäne Musikindustrie zu haben, sonst bleiben wir hier ewig in der Unterzahl.