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Mittwoch, 18. Januar 2017, 00:00 Uhr

Eurosonic Norderslaag Festival 2017

Die Ausbeute der Musikentdeckungen

Vom 11. bis 14. Januar war Online-Redakteurin Anna beim Eurosonic Noorderslag Festival in Groningen unterwegs, von dem sie euch zehn feine Musikentdeckungen mitgebracht hat.

Best Youth
Beim diesjährigen ESNS lag der Schwerpunkt auf Musik aus Portugal - dementsprechend viele portugiesische Künstler und Bands waren im Line Up zu finden (21 um genau zu sein). Mit dabei war beispielsweise das wirklich sympathische Disco-Pop-Duo Best Youth aus Porto. Und die haben es bei ihren Auftritten tatsächlich geschafft, all die anwesenden Menschen aus der Musikbranche, die bei Konzerten gerne mal starr mit verschränkten Armen vor der Bühne stehen, in Bewegung zu bringen.



Buvette
Der französische Schweizer Cédric Streuli hat sich mit seinem letzten Album Elasticity (2016) sowieso schon auf meiner Dauerplaylist etabliert - sein Konzert hat die Liebe aber nochmal um einiges verstärkt. Der eigentliche Solo Elektro-Frickler hatte sich fürs Konzert noch mit einer Bassistin/Keyboarderin, einem Schlagzeuger und einem Gitarristen eingedeckt, was den Klang um einiges fetter gemacht hat.



Cocaine Piss
Bei den Belgiern bin ich mehr oder weniger durch Zufall gelandet: Am selben Tag hatte ich ein Interview im Künstlerquartier, das etwas außerhalb von Groningen lag. Als ich von da zurück in die Stadt wollte, hab ich versucht, mich als Normalsterblicher nonchalant in den super exklusiven Künstlerbus zu schmuggeln. Getarnt hab ich mich als Mitglied von einer Band, die selbst dort wartete - auf der Fahrt erfuhr ich dann eben, dass es sich dabei um Cocaine Piss handelt. Wir kamen ins Gespräch, hatten Spaß und wurden für fünf Minuten gefühlt beste Freunde. Da war's ja klar, dass ich später zum Konzert vorbeischauen musste - bei dem in bester Punkmanier gepogt, geschubst, gegröhlt und Bierflaschen zerschmettert wurden. Hach. 



Glockenwise
Das Rock-Pop-Quartett aus Portugal gab das perfekte Konzert, das einen gefühlstechnisch zurück in die Jugend schmiss, wo man stets brav in der ersten Reihe von einem auf den anderen Fuß hüpfte und alles irgendwie okay war.



Flavien Berger
Den Typen würde ich gerne mal im Keller einer abgeranzten Fabrik sehen. Die Minerva Art Academy war aber auch gut genug, um den etwas düsteren Flair des Franzosen aufzusaugen.



Noiserv
David Santos aka Noiserv hatte mein Herzchen schon lange vor dem ESNS erobert: letztes Jahr hatte ich den Klangbastler schon in der Milla in München gesehen, wo er die Leute mit seinem Looping-Talent ausnahmslos fasziniert hat. Genauso war es auch wieder bei seinem Auftritt im Grand Theatre, wo ich wirklich hätte heulen können, so wunderschön ist es, ihm zuzusehen.



Témé Tan
Dieser Künstler war eine ausdrückliche Empfehlung vom Pias Chef Belgiens - mit Recht. Témé Tan fusioniert Pop, HipHop, Elektro und afrikanische Rhythmen derart perfekt miteinander, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann, sich zur Musik zu bewegen.



The Gift
Auch hierbei handelt es sich um eine portugiesische Band, die nüchtern betrachtet eigentlich schon viel zu groß fürs ESNS ist: Das Quartett existiert bereits seit 22 Jahren und arbeitete schon mit Brian Eno zusammen. Die Frontfrau hat sich nach all den Jahren eine derartige Bühnenpräsenz angeeignet, dass ich meinen starren Blick gar nicht von ihr abwenden konnte.



We Bless This Mess
Wenn ihr von Musikern, die sich in ihren Songs ständig das Herz rausheulen, genug habt, dann hört euch We Bless This Mess an. Der junge Portugiese macht wirklich positiven, angenehmen Gitarren-Sound. 



White Wine
Bei all den wohlbekannten Künstlern, die aus Deutschland nach Groningen angereist sind (z.B. Faber, Roosevelt, Fil Bo Riva, Drangsal), war White Wine eine echte Entdeckung. Das Trio aus Leipzig setzt sich aus Joe Haege, Fritz Brückner, Christian Kirmes Kühr (Zentralheizung of Death!) zusammen und macht düsteren, leicht wahnsinnigen Rock-Pop. Während des Konzertes hab' ich ständig drauf gewartet, dass noch irgendwas geopfert wird. Großartig.



Bildquellen: egoFM