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Freitag, 19. Mai 2017, 00:00 Uhr

Livegehen auf Facebook, YouTube und Co.

Was darf ich eigentlich?

Es sind maximal zwei Klicks und die ganze Welt kann sehen, was die eigene Handykamera aufnimmt. Die Live-Funktion auf Facebook, Instagram und Co macht es möglich. Doch was darf man da überhaupt streamen und was nicht?

Seitdem YouTuber PietSmiet vor einigen Wochen abgemahnt wurde, geht in der Szene die Angst um. Er soll für seine Livestreams auf YouTube eine Rundfunklizenz benötigen. So will es zumindest die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen und wahrscheinlich ein Exempel statuieren. Kommt die Entscheidung durch, würde das der YouTube-Szene einen ordentlichen Dämpfer verpassen. Denn solche Rundfunklizenzen kosten gerne einmal mehrere Tausend Euro. Einige Kanäle könnten daran kaputt gehen. Auch wegen der ganzen Auflagen, die daran geknüpft sind.
PietSmiet hat allerdings über 2,1 Millionen Abonnenten und zählt zu den größeren Let‘s Playern im Netz. Aber jeder von uns kann ja auch auf den Sozialen Netzwerken live gehen.

Braucht am Ende also jeder von uns eine Rundfunklizenz?

Prof. Dr. Tobias Keber sagt: nein. Der Medienanwalt und Professor für Medienrecht an der Hochschule der Medien in Stuttgart erklärt, dass es drei wichtige Kriterien für die Notwendigkeit einer Rundfunklizenz gibt. Sie alle müssten erfüllt sein.

1.    Wie viele Zuschauer erreiche ich potentiell?
Ab einer technisch potentiellen Reichweite von 500 gleichzeitigen Zuschauern, wäre das erste Kriterium erfüllt. Was aber heißt „technisch potentiell“? Damit ist gemeint, wie viele Menschen rein theoretisch einen Livestream anschauen könnten.  In sozialen Netzwerken sind das eigentlich immer mehr als 500. Denn rein theoretisch können mehrere Millionen Menschen einen Livestream sehen. Die Technik der Sozialen Netzwerke macht es möglich. All diese Menschen müssten deinen Stream nur finden.

2.    Wie regelmäßig gehe ich live?
Wenn die Antwort heißt „Jeden Montag um 17 Uhr“ wäre auch Bedingung Nummer 2 für eine Rundfunklizenz erfüllt. Denn wer regelmäßig, also zum Beispiel jede Woche zur gleichen Uhrzeit, live geht, betreibt auch Rundfunk. Wer nur mal ab und an spontan streamt, betreibt hingegen keinen Rundfunk und kann durchatmen.

3.    Kommentiere ich die Inhalte?
Die letzte Bedingung für eine Rundfunklizenz ist, ob man das, was man streamt in irgendeiner Form redaktionell aufbereitet. Das ist schon sehr schnell der Fall. Denn nahezu jeder Kommentar gilt schon als redaktionelle Aufbereitung. Eine Lösung wäre, den Stream komplett ohne eigenen Kommentar durchlaufen zu lassen.  Also Zum Beispiel ein Let’s Play, bei dem das Mikrofon des Spielers ausbleibt . Ob das dann aber noch wirklich sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

Was darf ich alles streamen?

Eine Rundfunklizenz braucht also nicht jeder. Trotzdem sollte man nicht alles streamen, was einem vor die Kamera oder das Mikrofon kommt. Hintergrundmusik ist da zum Beispiel so ein Problem. Angenommen während ihr live geht, läuft im Hintergrund das neue Album von alt-J. Ihr redet nicht drüber, aber es passt so gut zur Stimmung, weshalb ihr es laufen lasst. Streng genommen verboten. Tobias Keber rät deshalb, lieber die Musik auszumachen.

Musik ist urheberrechtlich geschützt. Wenn jemand Musik streamt, muss man eigentlich die entsprechenden Rechte daran erwerben.
Bei Filmen oder Kunstwerken gibt es das gleiche Problem. Auch hier liegen meist urheberrechtlich geschützte Werke vor, die nicht einfach so gestreamt werden dürfen. Algorithmen ermöglichen es inzwischen in Echtzeit urheberrechtlich geschützte Werke zu erkennen und die Verstöße zu melden. Im Zweifelsfall ist es also besser, den Fernseher oder die Musikboxen auszuschalten.


Bildquelle: egoFM