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future
Dienstag, 23. Mai 2017, 00:00 Uhr

Zukunftstrends

Mit was wir in Zukunft (vielleicht) rechnen können

Was wird die Zukunft bringen? Welche Trends stehen uns bevor und was macht eigentlich ein Trendforscher genau? Und wie sehr kann man denen Glauben schenken? Wir haben mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut gesprochen:


Die Zukunft war früher auch besser (Karl Valentin)

...ein sehr schöner Spruch von Karl Valentin. Oft glorifizieren wir die Zukunft, malen uns aus, wie toll manche Dinge sein werden, und wenn sie dann eintritt, sind wir enttäuscht. Aber auch andersrum macht uns die Zukunft oft Angst, versetzt uns in eine Früher-war-alles-besser-Haltung und dann stellen wir fest: Es ist alles ganz anders, aber auch irgendwie ok.

Wir wollten gerne wissen, mit welchen Trends wir rechnen müssen, um welche wir nicht drum herum kommen werden, welche wir als kurzzeitigen Hypes vernachlässigen dürfen und ob uns die Zukunft Angst machen muss. Wir haben deswegen mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut gesprochen. Tristan ist 23 Jahre alt und der Sohn von Matthias Horx, einem bekannten Zukunftsforscher und Gründer des Zukunftsinstituts. Genauso wie sein Vater ist auch Tristan Horx am Zukunftsinstitut beschäftigt. Aber was macht das Zukunftsinstitut eigentlich genau?

Wir definieren uns als Thinktank, das heißt unsere Aufgabe ist es eigentlich mit dem großen Haufen an Informationen, den es heutzutage so gibt, klarzukommen den herunter zu brechen und unseren Kunden [...] die interessanten, wichtigen Informationen zu geben, die sie brauchen, um in der Zukunft am Markt fit zu bleiben.
(Tristan Horx)

Das heißt auch, dass das Zukunftsinstitut als Unternehmungsberatung zu verstehen ist und mit dieser Profit macht. Dies wird unter anderem von dem Soziologen und Kommunikationswissenschaftler Holger Rust kritisiert, der Matthias Horx als "populistischen Trendforscher" bezeichnet. Doch man kann davon ausgehen, dass das Zukunftsinstitut und damit auch Tristan Horx, der Sozial- und Kulturanthropologie studiert hat, sich mit dem Thema Zukunft intensiv auseinandersetzt, weshalb wir von ihm wissen wollten, was er uns in Bezug auf ein paar bestimmte Themen prognostizieren kann. "Es ist natürlich ein Irrglaube, dass man mit Prognose die Zukunft voraussagt" erklärt uns Tristan Horx am Telefon. "Wir versuchen Vergangenheit und Gegenwart so gut wir können zu ergreifen, vor allem die Gegenwart, und dann mit verschiedenen Möglichkeitsszenarien in verschiedene Richtungen zu blicken. Und da wird sich mit der Zeit herauskristallisieren, welche Szenarien wahrscheinlicher sind und welche nicht."


Megatrends, Subtrends und Möchtegern-Trends

Ok, verlassen können wir uns auf die Zukunftsprognosen nicht unbedingt, aber wir können uns mal anhören, was aufgrund heutiger Beobachtungen möglich sein könnte. Das Zukunftsinstitut arbeitet mit sogenannten Megatrends. Davon gibt es insgesamt zwölf, "darunter solche wie Globalisierung, Individualisierung oder Urbanisierung und in Verbindung miteinander und teils auch alleine ergeben sie eine riesige Menge von etwa 250 Subtrends", so Tristan Horx. Megatrends dauern dabei weit über 50 Jahre an, Subtrends hingegen nur etwa 30 Jahre. So wie das Wort Trend allerdings im Allgemeinen verwendet wird, beschreibt es oft nur sehr kurzlebige Trends, die Tristan Horx normalerweise eher nerven: "Da kommt mir gerade dieses Fidget Spinner in den Sinn. Das ist so ein Spielzeug zum Fummeln." Des Weiteren konnte man auch Pokémon Go im letzten Jahr als einen sogenannten umgangsprachlichen Trend bezeichnen, der aber nach ein paar Monaten wieder vorbei war. 


Zukunftsängste

Man hört es immer wieder wieder, in der Zukunft soll unsere Arbeit von Maschinen und Robotern erledigt werden. Horroszenario...Mit was verdiene ich dann mein Geld? Auf diese Frage weist Horx auf das Bedingungslose Grundeinkommen hin, das Konzept, das bereits in Skandinavien getestet wird und das die 20 % der Bevölkerung, deren Job durch Maschinen ersetzt wird, auffangen könnte. Eine weitere Sorge, die man immer wieder hört, ist der Verlust des menschlichen Miteinanders. Früher hat man sich im Zug mit fremden Menschen unterhalten, heute schaut jeder nur auf sein Smartphone. Das kennen wir. Zu diesem Thema bezieht sich Horx jedoch auf das Prinzip Trend - Gegentrend, der auf einen Trend folgt.

Es gibt zum Beispiel in Dänemark den Hygge-Trend. Da lernen Familien momentan Kultur- und Sozialformen. Wie geht man mit den digitalen Geräten um. Die haben dann zum Beispiel Familienzeit, und in der gibt es kein Smartphone.(Tristan Horx)

Allerdings wird sich nicht jede Entwicklung mit einem Gegentrend automatisch regulieren. Eine Zukunftsangst, die Horx nennt, ist die Angst vor Terrorismus, in die wir seiner Meinung nach zu viel Energie steckten und die vor allem wegen ihrer Symbolkraft so präsent sei. Das eigentliche Gefahrenpotenzial sieht sieht Horx aber in der Digitalisierung.

Gleichzeitig wird die große Sicherheitsgefahr eine digitale sein. In der Zukunft wird Information immer wichtiger werden und wenn die hackbar ist, dann stehen wir vor einem richtigen Problem.(Tristan Horx)

Vor dem stehen wir bereits, wenn man die Nachrichten verfolgt. Bis es wirklich sensible Daten erwischt kann eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein. Aber nun zu einem schöneren Thema.


Trends im Bereich Musik

Als möglichen Trend im Bereich Musik hat uns Tristan Horx auf das Streamen von Konzerten von zu Hause aus hingewiesen, anstatt selbst hinzugehen: "Ich weiß zwar nicht, ob dass der richtige Weg ist, weil ein wichtiger Teil beim Konzert ist das Gefühl von Masse erfahren. Wenn man aus einem Konzert rauskommt, dann war ja nicht nur die Musik gut." , erzählt der 23-Jährige. "Andererseits ist es eine elegante Überbrückung der physischen Distanz mit einem digitalen Medium." Das Ganze sieht Horx aber auch in die andere Richtung als Chance, denn so könnten in Zukunft auch bald Hologramm-Konzerte veranstaltet werden, auf denen die Band selbst gar nicht anwesend ist. Wozu im Übrigen der Künstler auch nicht mal mehr unter uns weilen muss und dennoch Konzerte geben kann. "Ob es soweit kommt hängt aber davon ab, wie sich die Finanzflüsse in der Musikindustrie verhalten. Wenn es rentabel ist, wird es gemacht, wenn nicht dann nicht." (Tristan Horx)


Trotz aller Analysen und Prognosen können unter vielen sich bestätigenden Prognosen natürlich auch welche sein, die sich nicht bestätigen. Matthias Horx vom Zukunftsinstitut hatte zum Beispiel im Jahre 2010 prophezeit, dass in fünf Jahren niemand mehr über Facebook sprechen würde. Diese Aussage räumt er mittlerweile auch als Fehlprognose ein. 

Das ganze Interview mit Tristan Horx könnt ihr hier nochmal nachhören:



Bildquelle: "the future soon" by k rupp | flickr-Lizenz via cc by 2.0