Entdeckt
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Freitag, 09. Juni 2017, 00:00 Uhr

Außergewöhnliche Süchte?

Wonach wir alles suchten...


Drogen- oder Alkoholsucht kennt jeder. Abseits davon finden wir im Alltag aber noch mehr kleine Dinge, die uns süchtig machen: Smartphones, Chips oder Nägel kauen. Aber sind das wirklich Süchte oder nur Gewohnheiten?

Morgens nach dem Aufstehen als Erstes das Smartphone in die Hand nehmen und Neuigkeiten auf Instagram checken. Danach kommt erst der rechte Fuß aus dem Bett, *Fingerknöchel-Knack* und der Kaffee wird blind gekocht. Ohne Koffein geht nichts. Die Nase verlangt dann einen Schuss Nasenspray und die Lippen werden das erste Mal einbalsamiert. Das wird sich im Laufe des Tages noch stündlich wiederholen.
Während der Arbeit wird Kaugummi kauend mit den Haaren gespielt und auf Instagram nach Inspiration fürs nächste Tattoo gesucht (das letzte ist erst ein paar Wochen her). Das Mittagessen schmeckt nur mit ganz viel Salz und mit einem neuen Schuss Nasenspray verfliegt die Zeit bis zum Feierabend.
Erschöpft im Bett angekommen, beruhigt nur eine Folge der Lieblingsserie und die Augen fallen zufrieden zu.
Hm… sind wir jetzt wirklich nach all dem schon süchtig? Instagram, Nasenspray, Kaffee, Tattoos, Salz, Lippenbalsam? Oder sind es nur einfach abzustellende Gewohnheiten?

Woran erkannt man also eine Sucht, was definiert sie?

Generell unterscheidet man zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten. Zu den stoffgebundenen zählen Suchtmittel wie Alkohol und Drogen. Mit stoffungebundenen Süchten sind Verhaltenssüchte, wie Kauf- und Mediensucht, gemeint. Doch woher weiß man jetzt, ob man süchtig ist?

Sechs Kriterien, mit denen ihr überprüfen könnt, ob ihr süchtig seid
1. Kontrollverlust
Ihr wollt heute Abend zwei Flaschen Bier trinken, aber es werden am Ende doch vier Flaschen? Man verliert die Kontrolle über den Konsum.

2. Zwanghaftes Verlangen
Ihr verlangt immer mehr von eurem Suchtmittel oder Verhalten durch den Kontrollverlust.

3. Toleranz
Euer Verlangen ist so groß, dass ihr die Dosis erhöhen müsst? Klares Indiz für eine Sucht.
 
4. Konsum
Euch sind die schädlichen Folgen bewusst und ihr konsumiert trotzdem weiter.

5. Vernachlässigen von Pflichten
Alle anderen Interessen erscheinen euch unwichtig und werden nach Hinten verschoben, vernachlässigt oder verdrängt, wenn ihr eurer Sucht nachgeht. Der Freund/die Freundin kann warten.

6. Entzugserscheinungen
Ihr seid nervös, gereizt, unruhig oder euer Körper reagiert mit Schweißausbrüchen, wenn ihr eurer Sucht nicht nachgeht.

Wenn ihr ein Jahr lang zurückdenkt und feststellt, dass mindestens drei der Kriterien zutreffen, dann seid ihr womöglich süchtig.

Auffallend ist, wie suchtgefährdet unser Alltag ist. Beispiel Smartphone. Es ist wirklich wahr, dass man vom Smartphone süchtig werden kann. „Nomophobie“ (No-Mobile-Phone-Phobie) nennt sich das Problem. Betroffene sind an ihr Smartphone gekettet, ständig online und werden nervös, wenn sie ihren Schatz verlegen und was verpassen könnten. Man ist Smartphone süchtig, wenn man 60 mal am Tag das Smartphone in die Hand nimmt und eine App öffnet. 2014 waren weltweit laut einer Studie von Flurry Analytics rund 176 Millionen Menschen süchtig nach dem Smartphone. Mehr als doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor.

Es gibt aber auch Entwarnung: Vieles in unserem Alltag wirkt nur sucht-ähnlich, ist aber in Wirklichkeit gar keine Sucht sondern nur eine Gewohnheit. Wie zum Beispiel das zwanghafte Benutzen von Nasenspray. Die Schleimhäute werden dabei so zerstört, dass die Nase nicht mehr ohne Nasenspray funktioniert. Mit dieser körperlichen Abhängigkeit seid ihr eher ein Fall für den Hausarzt, aber in Augen von Suchtexperten nicht süchtig.

Doch was tun, wenn ihr die oben genannten Kritieren erfüllt, ihr also süchtig seid?
Tut euch was Gutes und ersetzt die Zwangshandlung durch etwas anderes, zum Beispiel durch eine kleine Yoga-Übung. Und sollte das von selbst nicht klappen, tut ein nettes Gespräch bei einem Suchtberater nicht weh. Die haben ein offenes Ohr, egal mit welcher Sucht ihr zu ihnen kommt.

Bildquelle: flickr | "Woman using her iphone at home office" von perzon seo | cc by 2.0