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Donnerstag, 22. Juni 2017, 00:00 Uhr

Mehr Freizeit im Sommer

Firma arbeitet im Sommer nur 4 Tage die Woche

Stellt euch vor, ihr müsstet von Mai bis August statt fünf nur vier Tage die Woche in eurem heißen Büro verbringen. Genau das geht in dem US-Unternehmen Basecamp. Produktdesigner Kris Niles hat uns erklärt, wie das bei ihnen funktioniert.

Die Haut klebt, der Ventilator brummt, und in Gedanken seid ihr weniger bei der Aufgabe auf eurem Bildschirm, als bereits am nächsten Badesee. Es ist Donnerstag Nachmittag, hat 32 Grad im Schatten und ihr fiebert dem Wochenende entgegen, das ihr nutzen wollt, um endlich aus der Stadt rauszufahren und ins kühle, wohlverdiente Nass zu springen.

Samstag: Nachdem ihr eine Ladung Wäsche reingehauen, das Paket zur Post gebracht, den Wochenendeinkauf erledigt, und noch die Wohnung so geputzt habt, dass ihr euch einigermaßen wohl fühlt, ist es bereits 13 Uhr. In der Mittagshitze steht ihr mit gefühlt 2000 weiteren Autos im Stau Richtung See. Was würde man darum geben, wenn man den ganzen Organisationskram schon am Freitag hätte erledigen können. Man würde jetzt bereits komplett entspannen.

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In der amerikanischen Firma Basecamp ist genau dies möglich, denn dort wurde vor zehn Jahren die 4-Tage-Sommer-Woche eingeführt. Vom 1. Mai bis zum 31. August werden in der gesamten Firma, in der etwa 50 Mitarbeiter arbeiten, nicht 40, sondern nur 32 Stunden pro Arbeitnehmer und Woche gearbeitet. Der Freitag wird kollektiv freigenommen.

Wie soll das gehen? Wer macht denn dann die Arbeit vom Freitag? Diese Fragen haben wir Kris Niles aus Denver, einem der Produktdesigner bei Basecamp, stellen können. Dieser erklärt uns am Telefon (des Weiteren auch in seinem Blog), dass er die "Summer Hours" nicht nur wegen dem extra Urlaubstag pro Woche besonders spannend findet, sondern aus folgenden Gründen:


Mehr Selbstverantwortung
Durch die Einführung der Summer Hours ist jeder der Mitarbeiter gezwungen sich zu überlegen, wie er Prioritäten setzen kann. Wo kann ich Zeit einsparen, welche meiner Aufgaben sind zwar "nice to have", aber nicht zwingend notwendig, um den Betrieb am Laufe zu halten? Diese Gedanken bringen die Mitarbeiter dazu, alte Strukturen selbst zu überdenken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das bringt wieder frischen Wind in die Firma und fördert das selbstständige Arbeiten.

Mehr Zeit für Erholung
Wer freitags nicht arbeiten muss, kann diesen Tag entspannt dazu nutzen, Behördengänge zu erledigen, er kann auf diesen Tag Arzttermine legen, Wäsche waschen, Einkäufe oder sonstige Erledigungen machen. Er startet nicht mit einer langen privaten To-Do-Liste ins Wochenende, sondern kann das Wochenende wirklich als Erholung nutzen.

Mehr Zeit für spannende Aktivitäten
Dadurch, dass man am Wochenende nicht nur die liegen gebliebenen Dinge von unter der Woche abarbeiten muss, kann man die Freizeit für wirklich spannende Dinge nutzen. Kris Niles erzählt uns, dass in ihrer Firma spannende Menschen arbeiten, einfach weil sie mehr Zeit und Energie haben, aufregende Dinge in ihrer Freizeit zu tun, seien es ausgefallene Hobbys oder Kurztrips. Diese wiederum beflügeln die Kreativität, die in ihrer Firma essentiell ist.

Mehr Elan bei der Arbeit
Durch die bessere Erholung und die erfüllendere Freizeitgestaltung kommen die Mitarbeiter an einem Montag voller Elan aus dem langen Wochenende zurück und haben Bock auf die neue (4-Tage-) Woche.


Wenn das alles so toll ist, warum machen die das dann nicht das ganze Jahr über?
Stimmt. Wir könnten doch dann eigentlich immer so priorisiert und fokusiert arbeiten. Wenn es von Mai bis August machbar ist, warum nicht das ganze Jahr? Kris Niles erzählt uns, dass das nicht im gleichen Maß funktionieren würde, weil das Prinzip der Saisonalität bei diesem Konzept entscheidend ist. "Nur wer weiß, wie es ist fünf Tage die Woche zu arbeiten, kann es schätzen im Sommer einen Tag mehr frei zu haben und von diesem System profitieren. Ansonsten tritt der Gewöhnungseffekt ein." so Niles. "Außerdem lebt der Mensch in Jahreszeiten. Computer machen das nicht, die arbeiten immer konstant und schlafen nie. Aber Menschen schon, die funktionieren anders. Die Gefahr besteht darin, dass wir als Menschen versuchen mit den Maschinen mitzuhalten." Ok, das leuchtet ein, vielleicht sind wir einfach nicht dafür gemacht bei 30 Grad im Büro zu sitzen, wenn draußen aber Schnee liegt, ist es dagegen kein Problem? Gut möglich.

Kann das theoretisch jede Firma machen?
Ist ja alles schön und gut. Dass sich Produktdesigner ihre Zeiten so einteilen können, mag ja sein, aber was ist mit Ärzten oder Polizisten? Dieses Prinzip ist natürlich nicht eins zu eins auf jeden Betrieb anzuwenden, der Gedanke dahinter allerdings schon: "Jede Firma kann davon profitieren sich genau zu überlegen, wie man richtig Prioritäten setzt. Auch das Prinzip der Saisonalität kann für viele Branchen sinnvoll sein. Ich kann die Leute nur ermutigen, sich zu überlegen, welche Zeiten die stressigen und welche die weniger stressigen sind. Wenn es die gibt, dann kann man sich überlegen, wie man daraus einen Vorteil für alle schlagen kann.", so Kris Niles.

Fazit
Zusammengefasst geht es also um zwei Dinge: Zum einen darum Prioriäten zu setzen, zum anderen die verschiedenen "Saisonen" eines Betriebs intelligent auszunutzen. Und generell macht es Sinn ausgeruhte, erfüllte und motivierte Mitarbeiter zu haben. Gerade in einem kreativen Beruf steht und fällt die Leistung mit dem Input, den jeder einzelne Mitarbeiter beisteuert und auch diese müssen den Input irgendwoher nehmen. Und wo schnappt man bessere Ideen auf als durch eine spannende Freizeitgestaltung? Also, wir tüfteln gerade herum, wie wir es hinbekommen demnächst mal einen Tag blau zu machen, um die 4-Tages-Woche selbst testen zu können. Danach werden wir euch berichten, wie es funktioniert.

Könntet ihr euch das in eurem Job vorstellen? Schreibt uns gerne eure Meinung zu diesem Thema per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Interview mit Kris Niles


Quelle:
flickr | "Relax" by Paul Keller | cc by 2.0