Entdeckt
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Donnerstag, 20. Juli 2017, 16:00 Uhr

No Such Things Grow Here

Die Künstlerin Susi Gelb verwandelt Münchens Innenstadt

Multimediale Installationen, tropische Pflanzen, Dinge, die normalerweise nicht in der Münchner Innenstadt wachsen. Doch ab dem 21. Juli tun sie das für einen Monat. Wir haben mit der Münchner Künstlerin über ihre Aktion gesprochen.

Wenn man die Ludwigsstraße Richtung Süden fährt, fällt der Blick zunächst auf die markante Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Doch davor ist irgendetwas, was da sonst nicht hingehört. Je weiter wir uns nähern, desto klarer sehen wir die Umrisse einer einzelnen Palme, die sich direkt vor der Feldherrnhalle aus dem Steinpflaster erhebt. Sie ist schief, hat eine deutliche Krümmung im Stamm. Touristen und Passanten stehen etwas ratlos neben ihr und fragen sich, wie die sich hierher verirrt hat.

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Odeonsplatz

Solch fragende Gesichter wird man in der Münchner Innenstadt in den nächsten Wochen noch häufiger sehen, denn vom 21. Juli bis zum 21. August 2017 kreiert die Münchner Künstlerin Susi Gelb mit ihrem Kunstprojekt "No Such Things Grow Here" an verschiedenen zentralen Orten exotische Oasen. Dafür bedient sie sich an Objekten, die normalerweise nicht im Zentrum Münchens zu sehen sind: eine Bananenplantage am Lenbachplatz, eine einsame Palme am Odeonsplatz und ein Palmenmeer am Max-Joseph-Platz, angeordnet neben Skulpturen aus komplexen Materialien, thermochrome Liegen, die je nach Temperatur die Farbe wechseln und große LED-Screens, auf denen Filme im Loop abgespielt werden.

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Max-Joseph-Platz

Mir ging es um die Idee des Wachstums. Mich interessieren in meiner Kunst schon lange Materialien, die ein Eigenleben führen und die man als Künstler gar nicht so leicht beherrschen kann. Dabei kommt man logischerweise auf Pflanzen und auf intelligente Materialien, die ein Eigenleben führen und sich verändern. Und daraus wollte ich eine Landschaft kreieren, die von den Passanten ohne Vorwissen, und ohne dass man Ahnung von Kunst hat, benutzt werden kann.
Susi Gelb

Auf den Screens am Max-Joseph-Platz und am Lenbachplatz laufen Filme, die sich in diese Landschaft thematisch einfügen und für deren Dreharbeiten Susi extra bis nach Sri Lanka gereist ist:

Eine gelbe Schlange, die sich im türkisblauen Wasser eines Pools räkelt, ein Adler, der uns durch eine Kamera im Rucksack mit in eine tiefe Schlucht nimmt, hypnotisierende Luftblasen im Wasser, Reptilien, die sich mit menschlichen Technologien vertraut machen. Es wirkt wie eine Mischung aus buntem Dschungel und klinischer Sterilität. Keines der Bilder kennen wir so aus unserem Alltag, nichts stimmt so richtig, vor allem nicht vor der Kulisse vor dem Nationaltheater und doch ist alles irgendwie stimmig wie aus einem Guss. So stimmig, dass wir zu träumen beginnen und uns von der unwirklichen Oase, die genauso künstlich wie natürlich wirkt, einsaugen lassen.

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Lenbachplatz

Kunst im öffentlichen Raum - dadurch wird eine ganz andere Zielgruppe angesprochen als im Museum oder in einer Galerie. Damit wird jeder Passant, der auch nur im Vorbeigehen einen neugierig Blick hinüber wirft, zum Ausstellungsbesucher.

Wir haben das beim Aufbau schon gemerkt, dass sich die Menschen von diesen großen lebendigen Pflanzen angesprochen fühlen und auch gleich in so ein Urlaubsgefühl kommen. Einfach durch diese andere Vegetation, durch diese Grünheit und dieses frische Lebendige. Ich finde es schön, wenn die Leute das für sich selbst benutzen, sich da aufhalten oder den Schatten nutzen wollen, der da entsteht.
Susi Gelb

Am Freitag, den 21. Juli um 19 Uhr, wird der Film, der fortan bis zum 21. August in Dauerschleife laufen wird, bei der Ausstellungseröffnung am Max-Joseph-Platz premiert. Es gibt Drinks, die griechischen DJs NOUVELLE & FondaMentalism, die auch den Soundtrack zum Film produziert haben, werden vor Ort auflegen. Jeder, der zufällig vorbeikommt, ist herzlich eingeladen. Alle anderen natürlich auch, ihr könnt euch die Veranstaltung hier schon mal vormerken.

Interview mit Susi Gelb
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Wir haben Susi Gelb vorab zwischen den Aufbauarbeiten kurz für ein Interview stören dürfen. Das ganze Interview könnt ihr hier nachhören: