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Montag, 24. Juli 2017, 00:00 Uhr

Musiker, die Stress mit der Justiz haben

Jailhouse Rock

Ärger mit der Justiz - so manch ein Musiker kann euch darüber ein Lied singen. Wir haben mal ein bisschen in den Akten der egoKünstler geschnüffelt.

Wie ihr sicher mitbekommen habt, wurde Kraftklub-Frontmann Felix Brummer von der Bürgerbewegung Pro Chemnitz vor dem Stadtrat angezeigt und Strafantrag gegen ihn gestellt. Auslöser dafür war, dass er bei einem Spontankonzert der Band im Rahmen des Rock im Kopp Festivals Anhänger der jetzt klagenden, rechten Bewegung als Vollidioten bezeichnet und Fans zu „Nazis raus“-Rufen animiert haben soll. Vor ein paar Tagen kam die Vorladung in Brummers Briefkasten geflattert, der sich jetzt wahrscheinlich vor Gericht verantworten muss.



Anlass für uns ein kleines Potpourri aus egoKünstlern zusammen zustellen, die auch mal Ärger mit der Exekutive hatten.


MarteriaDass Marterias größte Leidenschaft neben der Musik das Angeln ist, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr und ist eigentlich auch tot getreten. Jetzt mischte sich aber die Tierschutzorganisation PETA ein und brachte ein bisschen Würze in die Thematik, denn sie beklagt die Angelpraktik des Rappers. In Videos und Bildern zeigt Marteria, wie er beim Angeln „Catch & Release“ betreibt, das heißt, Fische fängt um sie später dann wieder in Freiheit zu entlassen. PETA nimmt das zum Anlass Marten Laciny, so Marterias bürgerlicher Name, bei der Staatsanwaltschaft Würzburg aufgrund von Tierquälerei anzuzeigen. Bei dieser Angelmethode leiden die Tiere, laut Aussage von PETA, mehrere Minuten unter Atemnot und Todesangst, sowie physischen Schmerz, bevor sie dann mehr oder weniger stark Verletzt ins Wasser zurück entlassen werden. Folge ist, dass sie ihren Verletzungen im Wasser dann erliegen oder leichte Beute für Räuber werden. Sollte die Staatsanwaltschaft Marteria verurteilen, muss er mit einer vierstelligen Geldauflage rechnen.


MorrisseyMorrissey ließ sich vor ein paar Wochen nichtsahnend durch Rom chauffieren, als die Polizei unverschämter Weise auf die Idee kam, das viel zu schnell und in die falsche Richtung fahrende Auto anzuhalten. Laut Morrisseys Aussage soll einer der Beamten bei der Kontrolle seine Waffe entsichert und den Musiker angeschrien haben, was von den Behörden dementiert wird. Nach dieser Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt Italiens, die für ihn und seinem Fahrer in einer harmlosen Verkehrsstrafe endete, sah der Brite seine Sicherheit in dem südeuropäischen Land von „frei herumlaufenden Psychopathen wie diesen“ stark eingeschränkt und sagte prompt sämtliche Dates seiner Tour durch, unter Anderem auch, Italien im September ab. Was für eine Diva…


Jim MorrisonÄhnlicher Name, andere Story. Zunächst gab es für den mittlerweile verstorbenen Frontmann von The Doors viel Ärger auf Grund diverser Drogendelikte. Schließlich gerieten 1967 nach Konzerten des Sängers das Publikum und die Polizei regelmäßig aneinander, wobei es nach einer Show in New Haven sogar zum Einsatz von Reizgas zum Zwecke der Deeskalation kam. Morrison gefiel das so gar nicht und provozierte und pöbelte von der Bühne aus gegen die grüne Minna. Die ließ sich das nicht gefallen und nahm ihn umgehend fest. Vorgeworfen wurde ihm der Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Zwar wurden die Anklagen der lokalen Polizei schnell wieder fallen gelassen, aber es kam noch ein bisschen härter. Die Bundespolizei hatte seit Monaten belastendes Beweismaterial gegen Morrison gesammelt, um ihn als Galionsfigur der 1960er Jugendrevolte und weiter als Gefahr für die Staatsordnung der Vereinigten Staaten deklarieren.


StormzyAuch der Grime-Vorzeigekünstler Stormzy geriet erst früher dieses Jahr in Konflikt mit der Exekutiven. Anders als bei den vorherigen Kandidaten: er hatte gar nichts verbrochen.
Es war der Abend nach einer großen Gala in Stormzys Heimatstadt London und der Rapper fiel erschöpft ins Bett. Ein paar Minuten später (er war schon eingeschlafen) wurde die Tür zu seiner Wohnung eingetreten. Die Polizei hatte sich Zugang verschafft, um einen vermeintlichen Einbrecher zu stellen, der, wie sich rausstellte, gar kein Einbrecher war. Ein (mehr oder weniger) aufmerksamer Nachbarn, hatte Stormzy scheinbar bei seiner Heimkehr nicht identifizieren können und hielt ihn für einen Bösewicht. Jetzt wartet der Rapper auf die geldliche Entschädigung der Londoner Polizei.


Liam Gallagher2002, Tatort: Bayrischer Hof, München, die Stadt der Reichen und mehr oder weniger Schönen. Liam Gallagher, Sänger von Oasis und an dem Abend schon ein wandelnder Chemiecocktail, provoziert eine Rangelei mit anderen Bandkollegen. Dabei geraten sie an Münchner Immobilienhändler, die es sich am Nebentisch gemütlich gemacht hatten, aber sich nun durch die Tischnachbarn immer mehr auf den Schlips getreten fühlen. Es kommt zu einer, nicht nur verbalen, Auseinandersetzung zwischen der Band, die immer noch dies- und jenseits des Äquators von Fans vergöttert wird, und den Münchnern. Es fliegen Stühle und Augenzeugen berichten von einem riesigen Kuddelmuddel, das schließlich in einem Großeinsatz der Staatsdiener ausartet. Nach dem es die Polizei endlich schafft, das Gefecht zu beenden, tritt Liam beim Hinausfliegen noch einen Polizisten und wird später wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt. Es war zwar nicht das erste Mal, aber sollte auch nicht das letzte Mal bleiben, dass bei den Gebrüdern Gallagher die Fetzen fliegen.


Johnny CashManchmal kann so eine Justizstrafe recht produktiv sein. Der eine treibt Sport und kommt mit einem Körper wie Hulk aus dem Knast, andere leisten handwerklichen Dienst wie zum Beispiel Nähen und dann gibt es da noch die Musiker. Johnny Cash hat mal einen Song geschrieben, der inspiriert ist von seiner Nacht hinter schwedischen Gardinen. Doch was hat den Sänger 1965 zu seiner Strafe gebracht? Nachdem er ein Konzert an der Mississippi State University spielte, gab es danach im Backstage scheinbar das ein oder andere alkoholhaltige Kaltgetränk. Ein paar Stunden später wurde Cash nämlich von der Polizei wankend aus dem Vorgarten eines Familienhauses abgeführt, nach dem er da sein Unwesen trieb und schelmischer Weise Blümchen pflückte. Gott sei Dank entstand kein weiterer Schaden und sein Aufenthalt hinter Gittern beschränkte sich auch nur auf eine Nacht, so dass er am nächsten Morgen heimgehen durfte und sich dem Song "Starkville City Jail" widmen konnte.



Bildquelle: flickr | "Lockes Up" von Derek Key | cc by 2.0