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Montag, 11. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Konzentrationstipp: Zieh 'n Batman-Kostüm an!

Was für Kinder zutrifft, wird auch bei dir klappen

Du kommst mit deiner Arbeit einfach nicht voran und lässt dich ständig ablenken? Vielleicht bist du falsch angezogen. Probiere es doch einmal mit einem Batman-Kostüm.

Schlüpft man mal aus seinem schlabbrigem Oversize Pullover, streift die Jogginghose ab und wirft sich in einen schicken Anzug, hat man diesen Effekt vielleicht schon einmal erlebt: Man wird zu einem anderen Menschen. Die Schultern zieht es nach hinten in Position, man geht aufrechter und auch die Wörter scheinen gewählter als sonst aus dem Mund zu purzeln. In diesem Moment ist man nicht nur man selbst, sondern zu einem gewissen Grad auch dieser Anzugmensch und Anzugmenschen haben ihren Krempel eben total im Griff. Die Wirkung des feinen Zwirns wirkt also in beide Richtungen: Nicht nur die Mitmenschen begegnen einem anders, sondern auch das Selbstbild verändert sich.

Mit dieser Logik lässt sich vielleicht auch die Beobachtung erklären, warum dein Kumpel XY in seinem Top Gun Karnevalskostüm auf einmal genug Mumps hat, seinen Schwarm anzusprechen – wenigstens für einen Abend scheint er den lang vergangenen Charme von Tom Cruise in sich zu tragen oder wenigstens eine zu große Menge 50/50 Jägi-Bull.

Aber Beobachtungen sind nur Beobachtungen und in der Wissenschaft wenig wert, bevor sie nicht mit hieb und stichfesten Experimenten belegt werden können. Diese Studie scheint es nun allerdings tatsächlich zu geben, denn Forscher der University of Minnesota konnten nun genau diesen Verkleidungseffekt feststellen und zwar nicht an deinem sturztrunkenen Top Gun Kumpel, sondern an vier- und sechsjährigen Kindern. Die Kleinen, die sich als einen Superhelden ihrer Wahl verkleideten, arbeiteten tüchtiger bei langweiligen ermüdenden Aufgaben, als Kinder die in ihrer eigenen Haut stecken blieben.

Man teilte die 180 Kinder nach dem Zufallsprinzip in eine von drei Versuchsbedingungen auf. Erste Gruppe: Verkleidet – zur Auswahl standen Charaktere wie Bob der Baumeister, Dora the Explorer und Batman. Zweite Gruppe: Sich selbst in der dritten Person betrachtend, also „Hannah arbeitet im Moment sehr fleißig an ihrer Aufgabe“. Dritte Versuchsbedingung: Die Kontrollgruppe aus der Ich-Perspektive: „Ich arbeite im Moment sehr fleißig“.

In jeder der Bedingungen mussten für zehn Minuten lang todlangweilige Aufgaben erfüllt werden. Verlockender Weise platzierte man aber auch ein Tablet mit Spielen im Arbeitsraum - dieser Versuchung galt es zu widerstehen. Wiederholt wurden die Kids über einen Lautsprecher gefragt wie sie mit ihrer Arbeit vorankommen:

Arbeitet Batman gerade sehr hart an seiner Aufgabe? Diese Aufgabe ist sehr wichtig.
Die kleinen Racker, die ein Superhelden Kostüm trugen (Gott muss das süß ausgesehen haben), kümmerten sich signifikant fokussierter um ihre Aufgabe als ihre nicht kostümierten Buddies.

Forscher erklären sich diese neu erlangte Selbstdisziplin zum Anziehen damit, dass das Kostüm die Kinder sich von ihrer eigenen Person distanzieren lässt. Gleichzeitig werden die tollen Eigenschaften ihrer Helden auf sich selbst projiziert.

Auch die egoRedaktion hat Schlüsse aus dieser Studie gezogen und verpflichtet sich ab nächster Woche zum Batman Dresscode um noch effektiver zu arbeiten.



Bildquelle: flickr | "Bruce Wayne has nothing on this kid" von B. | cc by 2.0