Entdeckt
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Donnerstag, 01. Februar 2018, 00:00 Uhr

Das Ding mit der Menstruation

Nicht nur Rot sehen, sondern das große Ganze

Wie gut sind wir eigentlich wirklich über die Blutung der Frau informiert? Wusstet ihr zum Beispiel, dass einem Model wegen Falschbenutzung eines Tampons zwei Beine abgenommen werden mussten?

Model Lauren Wasser verliert auch ihr zweites Bein, nachdem das erste ihr schon abgenommen wurde. Sie erkrankte vor fünf Jahren wegen eines Tampons: 2013 erlitt die heute 29-Jährige einen toxischen Schock, eine bakterielle Infektion breitete sich schnell aus. Lauren hatte infolgedessen sogar einen Herzinfarkt und musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Das alles passierte, weil sie einen Tampon zu lange in ihrem Körper gelassen hatte.

Nachdem ihr bereits das rechte Bein entfernt wurde, müssen die Ärzte nun auch noch das linke amputieren. "Da gibt es nichts, das ich tun kann", schreibt das Model in einem Gastbeitrag für die amerikanische Zeitschrift InStyle. "Ich habe jeden Tag unglaubliche Schmerzen und ich kann es kaum ertragen, zu laufen."

Dass sie nun auch noch ihr zweites Bein verliere, könne sie nicht ändern, schreibt Laura. Doch was sie tun kann, sei andere Frauen zu warnen. Deswegen machte die Blondine ihre Geschichte öffentlich, um über die Gefahren vom toxischen Schocksyndrom aufmerksam zu machen.
Außerdem macht sie den Tamponhersteller für ihr Schicksal verantwortlich, da dieser Material benutzt habe, welches die Verbreitung der Bakterien fördert. "Ich denke, wir Frauen brauchen mehr Aufklärung. Es ist Zeit, dass wir sicherere Produkte verlangen und dass wir erfahren, was da in unsere Körper gelangt", schreibt Lauren.



Egal , welchen Namen man der Menstruation gibt, sie bleibt immernoch eine Menstruation. Es gibt lustige aber auch wirklich abschreckende Begriffe für die Tage, wie zum Beispiel Rote Welle,  Rote Zora, Besuch haben, "die Russen kommen", Rosa Woche oder Erdbeerwoche.
Wir sehen das ganz einfach und stehen zu Periode, Tage und eben Menstruation.

Wenn man in Google Menstruation eingibt, sind die ersten Sachen die aufploppen, Hilferufe und Fragen von jungen Mädchen, die sich mit ihrer neuen Situation überfordert und eingeschüchtert fühlen und sich nicht trauen jemanden persönlich um Rat zu fragen.
Da frägt man sich doch: Warum ist es Frauen peinlich über ihre Tage zu reden wo doch circa die Hälfte der Bevölkerung davon betroffen ist? Und auch wenn das Thema erstmal abschreckend wirkt sollten wir darüber reden und uns informieren, um Gefahren vermeiden zu können, es einfach bequemer zu haben und auch die Männer ruhig mal aufklären.

Hier die wichtigsten Infos für euch
Hygiene ist grundsätzlich wichtig
  • Vor und nach dem Einführen eines Tampons sollten gründlich die Hände gewaschen werden.
  • Beim ersten Eintritt der Regelblutung empfiehlt es sich, mit der kleinsten Tamponstärke zu beginnen
  • Es empfiehlt sich, die Stärke des Tampons entsprechend der aktuellen Blutungsstärke individuell anzupassen
  • An Tagen mit stärkerer Blutung kann es sein, dass der Tampon häufiger gewechselt werden muss, meistens aber alle drei bis sechs Stunden
  • An Tagen leichter Blutung kann ein kleinerer Tampon auch sechs bis acht Stunden getragen werden
  • Hersteller empfehlen, den Tampon zu wechseln, bevor er acht Stunden in Benutzung war
  • Nachts kann die gleiche Tampongröße wie tagsüber verwendet werden. Hersteller empfehlen hier, den Tampon vor dem zu Bett gehen einzuführen und ihn gleich nach dem Aufstehen zu wechseln
  • Es ist wichtig, nur Tampons aus unbeschädigten Originalverpackungen zu verwenden.

Sind Binden und Tampons sicher?
Sowohl Binden als auch Tampons können zu starken Hautreizungen führen. In den letzten Jahren wurden die Damenbinden immer weiter verfeinert: Parfüm und Odorfresh-Systeme werden verwendet, um Gerüche zu verhindern. Manche Binden enthalten ein Gel das fähig ist, Flüssigkeit zu binden, um zu verhindern, dass sich diese ausbreitet.
Auch Tampons enthalten chemische Mittel. Beide Systeme werden aus Cellulose hergestellt, die aus Holz gefertigt wird. Diese ist ursprünglich nicht weiß, deshalb wird sie Chlorbehandlungen ausgesetzt um sie zu bleichen.
Alle Bestandteile können allergische Reaktionen verursachen, die sich durch Hautreizungen an den empfindlichen Stellen äußern können. Die Tampons erzeugen große vaginale Trockenheit und oft auch Infektionen, da die Menstruationsblutung mehrere Stunden lang auf der Cellulose verbleibt und sich zersetzt.

Außerdem kann bei zu langer Verwendung das toxische Schocksyndrom auftreten. Aber: Was ist das überhaupt?
Ein toxisches Schocksyndrom, kurz TSS, ist eine Infektionserkrankung. Sie kann ausgelöst werden, wenn Staphylokokken in die Scheide gelangen. Normalerweise sind die Schleimhaut und die Haut vor dem Bakterium durch eine natürliche Barriere geschützt. Gelangt das Bakterium jedoch durch diesen Schutz, kann es Gifte abgeben. Nach Angaben des Berufs-verbandes der Frauen¬ärzte tritt ein toxisches Schocksyndrom bei einer von 200.000 Frauen auf und ist damit eigentlich äußerst selten.

Welche Rolle spielt ein Tampon dabei?
Über den Tampon kann das Bakterium nämlich von den Händen in die Scheide gelangen. Tampons werden inzwischen nicht mehr ausschließlich aus Baumwolle, sondern auch aus synthetischen Fasern hergestellt. Dieser Faktor verbunden mit der extremen Saugfähigkeit der Tampons hat sich als idealer Nährboden für Bakterien erwiesen. Wird der Tampon zudem nicht regelmäßig gewechselt, kommt es zu einer rasanten Vermehrung der Staphylokokken.

Welche Symptome treten auf?
Tritt ein toxisches Schocksyndrom auf, kommt es relativ schnell zu Kopfschmerzen, hohem Fieber und Hautausschlag. Der Blutdruck fällt rapide ab, unter Umständen treten auch Magen-Darm-Beschwerden auf. Äußern sich diese Symptome während der Periode, muss der Tampon sofort entfernt werden.
Um die Gefahr von Folgeerkrankungen möglichst gering zu halten, sollte bei Verdacht auf ein toxisches Schocksyndrom sofort ein Arzt oder ein Krankenhaus konsultiert werden. Wird das toxische Schocksyndrom rechtzeitig erkannt, kann es gut behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit, die unter anderem Organversagen auslösen kann, jedoch lebensbedrohlich verlaufen.

Wie kann man ein toxisches Schocksyndrom vermeiden?
Um ein toxisches Schocksyndrom zu vermeiden, ist eine gute Intimpflege entscheidend – insbesondere während der Menstruation. Vor allem sollten die Hände vor und nach dem Einsetzen des Tampons gründlich gewaschen werden. Auch die Größe der Tampons sollte an die Blutung angepasst sein. Die Devise lautet: eher zu kleine als zu große Tampons zu verwenden. Das regelmäßige Wechseln ist besonders wichtig: Nachts sollte statt auf Tampons möglichst auf Binden zurückgegriffen werden.

Was soll ich verwenden?
Ideal wären Produkte ohne Parfüm aus reiner Baumwolle, doch diese sind sehr schwer zu finden, denn biologische Binden und Tampons sind nur in wenigen Geschäften erhältlich. Es gibt jedoch eine alternative Lösung: die Menstruationstasse. Sie ist ökologisch, hygienisch und preiswert.

Wer jetzt Angst bekommen hat: Keine Sorge, es gibt super Alternativen

Unser Favorit: die Menstruationstasse
Es gibt sie schon seit den 30ern, allerdings waren die kleinen Menstruationstassen damals nicht sonderlich beliebt. Die Menstruationstasse wurde als unhygienisch und hart abgestempelt und hatte deswegen nie richtig Erfolg. Damals.

Inzwischen geht man mit dem Thema etwas entspannter um und immer mehr Hersteller springen auf den Tassenzug auf. Ja, die Menstruationstassen nehmen momentan ganz schön Anlauf.

Aber wie funktioniert so eine Tasse überhaupt? Und ist das wirklich eine gute Alternative?
Die Menstruationstasse hat sich ein großes Ziel vorgenommen: sie soll Frauen helfen die Periode einfacher, stressfreier und angenehmer zu überstehen. Dazu wird die Tasse aus meist medizinischem Silikon in die Scheide eingeführt, sodass sie das Menstruationssekret auffangen kann. Normalerweise sitzt die Tasse dank leichtem Unterdruck dann so gut, dass sie bei der Trägerin schnell in Vergessenheit gerät. Am Ende des Tages wird sie dann ausgeleert, gespült und gegebenenfalls wieder eingesetzt. Das Schöne: die Tasse kann bis zu 12 Stunden im Unterleib bleiben und kann bis zu zehn Jahre verwendet werden. Und das ist nicht alles: Sie erzeugt keine Allergien oder Hautreizungen und ist deshalb gerade auch für sensible Haut geeignet.

Alle Infos, sowie Vor- und Nachteile haben wir in einem extra Artikel für euch zusammengetragen. Zum Artikel geht’s HIER.



Doch gesagt werden muss, dass wenn man als Verhütungsmittel eine Spirale oder Kupferkette hat, unbedingt nochmal beim Frauenarzt nachfragen ob man trotzdem eine Tasse verwenden kann. Bei den meisten Produkten steht zwar, dass die Benutzung trotz des Unterdrucks ungefährlich ist, jedoch ist uns schon ein Fall zu Ohren gekommen, bei dem die Spirale mit rausgezogen wurde. Auuua.

Soft Tampon
Den synthetisch hergestellten Schwämmchen hängt ein bisschen das Rotlichtmilieu an, man assoziiert sie nämlich mit der Möglichkeit Sex zu haben, ohne dass der Partner das Periodenblut bemerkt. Das funktioniert, weil das Schwämmchen ganz nah an die Gebärmutter herangeschoben werden kann.

Vorteil:
Super für Schwimmen, Sex und Sport / keine Schnur zum Rausziehen nötig - hat eine kleine Lasche / Sehr weich, deshalb spürt man es nicht so stark / Keine chemischen Zusatzstoffe
Nachteil: Recht teuer für wenige Stück / Findet man eher im Internet oder der Apotheke / Einmal verwendbar / Kein längerfristiger Ersatz für jeden Tag der Periode




Stoffbinden
Stoffbinden sind selbstgenähte Binden aus einem Baumwollmaterial mit saugfähigem Kern. Mann kann sie tatsächlich selber gestalten, oder aber in kleinen DIY-Shops auf Etsy und Co. kaufen.

Vorteil:
Sehr lange haltbar, wenn richtig aufbewahrt und gepflegt / Nachhaltiges Produkt / Alle möglichen Farben, Formen und Größen erhältlich / DIY-Produkt: Man kann es nach den eigenen Bedürfnissen gestalten
Nachteil: Enger Kontakt mit dem eigenen Blut, da jedes Mal ausgewaschen werden muss / Man muss die richtige Form für einen selbst erst finden / In kleinen, privaten Internetshops erhältlich - kann nicht mal schnell in der Drogerie gekauft werden



Menstruationsschwamm
Dieser Schwamm ist organisch, sprich er kommt aus dem Meer und war einst ein lebendiges Wesen. Er wird desinfiziert und auf die gewünschte Form (ähnlich wie ein Tampon) zugeschnitten. Wie die künstlichen Schwämmchen kann auch der Naturschwamm ganz nah an die Gebärmutter geschoben werden.

Vorteil:
Nachhaltiges Produkt / Auch bei leichten Tagen angenehm einzuführen und zu entfernen / Bei richtiger Handhabung nicht zu spüren / Komplett aus Naturmaterial / Wiederverwendbar / Kann beim Sex und Schwimmen auch getragen werden
Nachteil: Enger Kontakt mit dem eigenen Blut, da es jedes Mal ausgewaschen werden muss



Zu guter Letzt noch ein paar blutige Fakten:

1. Durchschnittlich verliert die Frau während der Periode zwischen etwa 60 und 80 ml Blut

2. Walt Disney, die Zeichentrick Firma, hat tatsächlich einen Film über Menstruation gemacht. Schon im Jahr 1946 veröffentlichte Disney Die Geschichte der Menstruation  als pädagogisches Hilfsmittel für die Sexualkunde Stunde in den USA. Es wird gemunkelt, dass der Film der erste war, in dem das Wort „Vagina“ vorkam. Und das im prüden Amerika! Aber dort gibt es auch schon seit 20 Jahren alternative Menstruationsprodukte!

3. Menstruation ist in einigen Orten der Welt leider immer noch ein Tabu. Während Mädchen in der westlichen Welt zwar Hänseleien von männlichen Klassenkameraden ertragen müssen, ist es Mädchen in anderen Orten der Erde wie zum Beispiel im ländlichen Indien untersagt, während der Periode Essen zu kochen, da man dort glaubt, dass sie das Essen verunreinigen und leider noch vieles mehr.

4. Always war das erste Unternehmen, das Blut in einer US-Werbung für Damenbinden gezeigt hat – das war im Jahr 2011. Sie brachen damit den Frauen bluten blaue Flüssigkeit Trend. Die Anzeige ist aber nur als Printanzeige erschienen. Der Tabu-Faktor scheint bei uns also auch immer noch zu existieren.

5.  Eine US-Firma verkauft seit diesem Jahr eine Art Marihuana Tampons, um Krämpfe zu erleichtern.
Foria ist ein Unternehmen, das Produkte mit Cannabis entwickelt. Nun hat sich Foria entschieden, die  schmerzlindernden Wirkungen von Marihuana zu nutzen, um Frauen zu helfen, die an Krämpfen leiden. Sie haben ein Produkt rausgebracht, welches sich Foria Relief nennt. Die Tampons sind aber anscheinend keine Echten, sondern  kleine Zäpfchen, die wie Tampons eingeführt werden. Nach Angaben des Unternehmens können sie mit Tampons verwendet werden, um ihre Schmerzlinderung zu maximieren.

6. Wusstet ihr, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens ungefähr 12.000 Tampons oder Binden verwendet? Die Erfindung der Binden war eine echte Revolution, denn das ständige Waschen der vorher verwendeten Stofftücher war extrem mühsam.


Diese Frage könnt ihr hoffentlich nach diesem aufklärenden Artikel sicher beantworten:
Was ist rot und fliegt durch die Luft?
Die Binde Maja


Bildquelle: Unsplash | Charles Deluvio | cc by 2.0