Entdeckt
cyberplace_flickr_azri_fi
Dienstag, 11. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Mit Musik konzentrierter arbeiten

Warum die einen es können, die anderen nicht

Viele schwören drauf, die anderen können das gar nicht haben: Beim konzentrierten Arbeiten Musik hören. Der Grund dafür kann nicht nur an falschen bpm liegen, sondern auch an unserem Charakter.

Die richtige Dosis bpm ist essentiell

Typisches Szenario: Man liest Ewigkeiten an ein und derselben Textzeile, ohne einen Schimmer zu haben, um was es überhaupt geht. Das einzige, was läuft, ist der Kaffee in der Maschine und wenn einem die Augen zufallen, sieht man seine Konzentration Hand in Hand mit der Motivation über eine Blumenwiese hüpfen... Da hilft nur: Musik hören. Denn dass dies beim Konzentrieren hilft, haben allerlei Forscher schon diverse Male beweisen können und wir wollen es nur allzu gerne glauben. Man muss nur die richtige Playlist dazu haben, damit Konzentration und Leistung gesteigert werden können.

Eine dieser Studien wurde von der Londoner Psychologin Dr. Emma Gray vom British CBT & Counselling Service durchgeführt. Sie hat sich Versuchpersonen geschnappt und sie lernen lassen. Die einen mit ausgewählter Musik, die anderen ohne. Ihr Ergebnis: Die Musikhörer lernen besser. Allerdings je nach Fach am besten mit der passenden Musik.

Wer Probleme mit Mathe hat, kann sich entweder Klassik mit 60 bis 70 bpm oder andere Musik mit 50 bis 80 bpm einlegen. Bei dieser Frequenz wird die linke Gehirnhälfte angesprochen, die logisches Denken und Problemlösen ermöglicht.
Kreative Fächer lernt man am besten mit emotionaler Musik, die zum behandelten Thema passt. Trauriges Thema - melancholische Musik. Zum Beispiel. Wenn die rechte Gehirnhälfte stimuliert wird, erhöht die damit einhergehende gesteigerte Erregung die Kreativität. Popmusik hilft dabei generell gut.

Dementsprechend ist es anwendbar, wenn ihr euch auf eher logische oder mehr kreative Arbeit reinfuchsen müsst.

Allerdings wird auch zwischen Introvertierten und Extrovertierten unterschieden

Dies bestätigt nun wieder die Psychologin Victoria Williamson, die in beim BBC eine Studie von Arielle S. Dolegui aus 2013 aufgreift: Es liegt auch am Charakter der Testperson, ob sie sich zu Musik besser oder schlechter konzentrieren kann. Introvertierte besitzen über ein höheres inneres Energielevel, als ihr Äquivalent, weswegen sie es nicht nötig haben, mehr Stimulation aus ihrer Umwelt zu ziehen. Extrovertierte Menschen, die beispielsweise auch viel Adrenalinsport betreiben, um voll in Fahrt zu kommen, brauchen diese äußeren Einflüsse wiederum - wie eben Musik einer sein kann.

Wie es in der egoRedaktion aussieht

Sebastian (Musikchef)
Es muss auf jeden Fall entspannende Musik sein. Aktuell höre ich zum Beispiel wieder oft die Temples mit Sun Structures. Keine Ahnung, ich glaub das liegt daran, dass das Album so eine Art inneren Frieden bei mir hervorruft. Klingt kitschig, beschreibt es aber auf die Schnelle wohl am besten.



Steffi (Verkauf)
Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die mit Musik konzentriert arbeiten können. Ich flüchte damit in meine eigene Effizienzblase abgeschottet vom Rest der (Kollegen-) Welt. Je nach Thema, Aufgabe und Stimmung wähle ich dann die passende Musik.
Bei stupider Excelarbeit gepaart mit innerer Unruhe und Tendenz zur Aggression wähle ich Variante 1: laut! (Slipknot oder Boys Noize).
Bei kreativen bzw. anspruchsvolleren Aufgaben wie Konzept- oder Präsentationserstellungen wähle ich Variante 2: fließen! Hier komme ich in eine Art Flow, der mich arbeitgeberfreundlich antreibt. Es wird elektronisch mit Beats und Bässen - aber eben fließend. Flume, Nicolas Jaar, Bonobo oder Chet Faker sind dafür wunderbare Kandidaten.
Variante 3 gibt es auch noch… repeat! Aktuelle Lieblingssongs in Dauerschleife, egal bei welcher Arbeit.


Lena (Volontärin)
Ich habe während meiner ganze Masterarbeit über Songs gehört zu denen ich erst dachte, dass man sich dazu nicht konzentrieren könnte - nämlich so richtig schnelle Sachen aus den 90er und 00er Jahren - könnte auch auf jeder Trash-Party laufen. Wenn ich aber was lesen müsste oder ich mich richtig konzentrieren musste habe ich dann zu FloFilz gegriffen und mich einfach von den Jazz-HipHop Beats tragen lassen. Dadurch hatte ich 9 Monate (so lange hat mich diese Masterarbeit gekostet) gute Laune



Anna (Redaktion)
Ich erfülle das Klischee: Nach jahrelangem Rumprobieren bei etlichen Hausarbeiten bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass nur Pianoklänge mein Hirn und die Fingerchen zu einem kongenialen Duo fusionieren lassen können. Allerdings nicht sowas wie Bach, Chopin oder Mahler, sondern einzig und allein Ryuichi Sakamoto. Das zählt allerdings wirklich nur für richtige Hirnzellenarbeit - wenn ich kreativ produktiv sein muss, geht eigentlich alles. Wichtig ist dabei dann nur, dass es für eine Aufgabe stets derselbe Interpret ist, wobei ich mich dann meistens für Devendra Banhart entscheide. 



Maria (Moderation)
Komischerweise kann ich mich nur zu Songs konzentrieren, die ich entweder schon kenne oder die ohne Gesang sind. Also wenn ich neue Musik entdecken will, dann geht das auf keinen Fall während ich arbeite - das muss dann beim putzen oder zeichnen sein, haha. Was aber auf jeden Fall IMMER geht, wenn ich mich konzentriere muss: Emancipator. Da läuft alles wie geschmiert.



Elise (Moderation)
Musik trägt mich von Stimmung zu Stimmung, einen Text zu schreiben während ich einem Titel lausche könnte dann so aussehen "Zum Wetter in den egoFM Städten: "Wahnsinn! Raus mit euch! Was ein geiler Regen! Gebt Gas!!" (Die Antwoord) oder: "Ach nee, bleibt zu Hause, vergrabt euch und heult. Das Leben ist soooo scheiße!" (Daughter)


Sophia (Redaktion)
Schön wär's, wenn ich das könnte. Aber heimtückischerweise mischen sich dann Teile der Lyrics in den Text, den ich grade verfasse. Also selbst schreiben mit Musik geht gar nicht, lesen schon eher, dann muss es aber auch bei mir was sein, was ich schon gut kenne... zum Beispiel höre ich dann gerne die First Steps EP von Two Feet in Dauerschleife und spätestens beim sechsten Durchlauf werde ich dann auch wirklich produktiv!



Julian (Stuttgart Redaktion)
Je komplizierter die Aufgabe, desto besser geht's mit Musik. Ich habe so ein paar Alben, die gehen dafür immer: My Head Is An Animal von Of Monsters And Men z.B. Bestimmt schon 100x zum Programmieren gehört. Wenn ich aber Texte lese, kann ich überhaupt keine Musik hören, da brauch ich Ruhe. Achja: und das Klischee, dass es sich mit Klassik besser lernt, stimmt bei mir auch nicht. Da kann ich gar nichts anderes nebenbei machen.



Lynn (Praktikum)
Ich kann mit Musik ziemlich gut Dinge erledigen, wenn sie nebehnher läuft, allerdings konzentriere ich mich dann weniger auf die Musik, was schade ist. Und beim Lernen geht Musik eher weniger. Einfach zu viel Ablenkung. Oder wenn dann was langsames ohne Gesang, aber das wird dann vom Gehirn dummerweise ausgeblendet.


Bildquelle: flickr | "cyberplace" von azri_fl, | cc by 2.0