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Dienstag, 24. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Die 3 abgefahrensten Weihnachtsbräuche

Christbaumloben, Rollenbuben und Pfeffern

Man lernt ja nie aus, wenn es um verschiedene Regionen und ihre Vorwände geht, endlich mal wieder ein ordentliches Glas Schnaps zu trinken (oder zwei oder fünf) und jede Menge Süßigkeiten abzugreifen.

#1 Christbaumloben
Eigentlich sagt der Name ja schon alles: Es geht darum, Christbäume zu loben. Dieser Allgäuer Trendsport startet direkt am ersten Weihnachtsfeiertag und beginnt damit, dass sich ein illustrer Kreis (meist männlicher) Freunde, Kollegen oder Vereinsmitglieder in den frühen Abendstunden trifft.
 
Wer schlau ist, haut davor nochmal ordentlich bei Gans, Hirschbraten oder Fondue rein - denn ab hier wird es anstrengend (in erster Linie für die Leber). Dann beginnt nämlich ein Marsch durch die Nachbarschaft, bei dem man kein Haus auslässt.

Überall dann das gleiche Prozedere: Man betritt den Raum und lässt sich in ausführlichen Lobeshymnen über das prachtvolle Weihnachtsgrün aus. Auch wenn der Baum nicht gerade der Schönste ist - dann wird eben gelobt, wie wunderbar der geschwungene Stamm in die fließenden Formen des Zimmers passt. Oder wie herrlich unter den recht sparsam verteilten Nadeln die schöne Rinde zur Geltung kommt. Oder dass die braunen Nadeln doch eh viel besser zum Christbaumschmuck passen. Es gilt: LOBEN, LOBEN, LOBEN.

Egal was, egal wie. Denn: Wer fleißig lobt, wird auch belohnt. Natürlich mit Schnaps - viel Schnaps. Für die Gastgeber ist das Christbaumloben nämlich DIE Gelegenheit, endlich den selbstgebrannten Brennnesselschnaps von Onkel Robert an den Mann zu bringen. Die edlen Tropfen bleiben bei diesem Event eher hinten im Schrank. Was aber auch nicht schlimm ist, denn nach drei bis fünf Christbäumen spielt die Konsistenz der Lobe-Belohnung eher eine untergeordnete Rolle.

Wer lobt, braucht Durchhaltevermögen: Das Christbaumloben beginnt ab dem 1. Weihnachtsfeiertag und darf bis zum 6. Januar praktiziert werden.

Schöner Zusatz: Man kann sein Sprachrepertoire massiv erweitern und auf einmal Dinge wie eine dem goldenen Schnitt entsprechende Verästelung, harmonischen Baumschmuck oder eine flaschengrüne Nadelfarbe bewundern. Also ganz wichtig: in der Weihnachtszeit immer Spirituosen bei sich daheim auf Vorrat haben.


#2 Rollenbuben
Rollenbuben ist ein Weihnachtsbrauch, den es nur in ein paar Käffern um das Heimatdorf unseres Redakteurs Julian gibt. Der kommt nämlich aus der Nähe der baden-württembergischen Stadt Schwäbisch-Hall. Vorweg: Es geht auch hierbei wieder darum, etwas kostenlos abzugreifen.

An Heiligabend kleiden sich die Konfirmanden des Dorfes komplett in weiß: Weiße Hosen, weiße Kittel, zur Sicherheit noch ein Bettlaken. Am wichtigsten ist der weiße Spitzhut, den man vorher aus Pappe selber bastelt. Das ganze hat etwas Ku-Klux-Klan-artiges, um ehrlich zu sein. Die Verkleidungen können sich von Dorf zu Dorf aber nochmal unterscheiden. In machen Teilen des Landkreises trägt man sogar schwarze Ledermasken mit Bärten aus Hanf darauf. Das absolute Must-Have sind aber überall weiße Nachthemden, Kittel oder Bettlaken, die bis über die Knie gehen.

Und dann kann es auch schon losgehen. Mit Einbruch der Dunkelheit rennt man mit Rasseln, Trommeln, Rollriemen und Krach dann durch den Ort, angeblich um den Weg fürs Christkind freizumachen. In Wahrheit staubt man nur jede Menge Süßigkeiten und Geld ab. Und bei besonders großzügigen Erwachsenen einen Kurzen. So ne Weihnachtsnacht kann ja doch schon kalt werden. Und irgendwann fühlt man sich dann auch wie ein Seelenverwandter der Allgäuer Chistbaumlober – vereint im Weihnachtsrausch…


#3Pfeffern
Beim Pfeffern aus Oberfranken dreht sich neben einer Riesen-Gaudi natürlich auch wieder alles um Alkohol, Süßigkeiten und anderen Leckereien. In manchen Dörfern wird dieser sehr alte Brauch heute wieder vermehrt ausgeübt. Junge Burschen laufen dabei mit frisch geschnittenen Tannenzweigen durch das ganze Dorf und wecken mit leichten Schlägen auf die Beine unverheiratete Frauen auf – so will es zumindest die Tradition.

Heute gibt es das Pfeffern in mehreren Varianten. Durchgesetzt hat sich aber eine nur leicht abgewandelte Form des Originals. Der Klassiker: Weiterhin ziehen junge Männer mit ihren Zweigen durch die Straßen und pfeffern jungen, aber auch älteren Frauen damit (leicht) auf die Beine. Wenn man gepfeffert wird, soll dies Glück für die Zukunft bringen. Eine Regel müssen die Pfefferer jedoch beachten. Um spätestens 12 Uhr vormittags muss man die Tannenzweige ruhen lassen. Bis dahin muss die Pfeffer-Gruppe auch mit ihrem Pfeffer-Plan komplett durch sein. Man mag es kaum glauben, aber früher sind diese Pfeffer-Orgien auch gerne mal eskaliert und mussten daher verboten werden. Heute besteht dieses Eskalationspotenzial natürlich nicht mehr. Daher ist das Pfeffern mittlerweile ein Riesen-Spaß, bei dem alle Beteiligten im Optimalfall ein Schnäpsla miteinander trinken und den einen oder anderen Lebkuchen essen.

Weihnachten in Deutschland, ein christlich-bedächtiges Fest also. Und für viele Schnapsnasen doch nur ein Vorwand für den nächstmöglichen (kostengünstigen) Vollrausch. Andere Länder würden sich über solche feucht-fröhlichen Weihnachtsabende bestimmt auch sehr freuen.


Bildquelle: Flickr, “And he drinks Johnny Walker and he runs up a bill that the Pope couldn't pay” von Tim . Simpson, unter cc-Lizenz