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Mittwoch, 25. Juni 2014, 18:00 Uhr

#buntspenden

Petition für das Recht Bi- & Homosexueller

Gerade aus Deutschland tönt es laut, wenn es um Rechte von Homosexuellen geht. Doch wie kann es dann sein, dass bi- und homosexuelle Männer kein Blut spenden dürfen?

Irgendwie kam es einem irreal vor, als die Bunt Spenden-Aktion an Aufmerksamkeit gewann. "Homosexuelle Männer dürfen kein Blut spenden? Ach Quatsch, wir sind doch hier in Deutschland." Doch tatsächlich. Laut dem Transfusionsgesetz ist es bi- und homosexuellen Männern untersagt, Blut zu spenden. Nun geht die Aktion #buntspenden auf Twitter viral.

In diesem Sinne wurde eine Petition vom Lesben - und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) ins Leben gerufen. 50.000 Unterschriften sollen gesammelt werden, damit die Bundesärztekammer die aktuellen Richtlinien der Hämotherapie überarbeiten. Oder zumindest zu lockern. Um Beispiele aus dem Ausland zu nennen: in Italien führen Neuspender mit Ärzten ein Gespräch über ihr Sexualleben. Die entscheiden dann individuell über das Risiko einer Blutspende. Auch in Spanien, Tschechien und Lettland dürfen bi- und homosexuelle Männer Blutspenden, wenn der letzte Risikokontakt über drei Monate her ist.

Natürlich baut dieses Konzept auf dem Vertrauen auf, dass potenzielle Spender die Wahrheit sagen. Allerdings gilt dies ebenso für Heterosexuelle mit wechselnden Bettpartnern. Denn jeder, der sich zum Blutspenden bereit erklärt, muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen und darüber Auskunft geben. Dass bi- und homosexuelle Männer bei diesem nicht auch einfach lügen könnten, ist keine Lösung. Schließlich soll Homosexualität nichts sein, das man verheimlichen muss. Gleichberechtigung ist hier das Stichwort. Viele Homosexuelle beschweren sich nämlich, der Ausschluss vom Blutspenden sei Diskriminierung. Unrecht haben sie damit gewiss nicht.

Der Grund für dieses Gesetz ist ein Skandal von vor 10 Jahren. Damals kam raus, dass sich in den 80er Jahren über tausend Patienten mit HIV infiziert hatten - über Blutspenden. Doch diese Zahlen wurden moderiert, eine viel geringere Anzahl der Öffentlichkeit gestanden. Strengere Auflagen sollten also her, um den Schutz derer, die das Blut benötigen, nicht zu gefährden. Dafür zuständig war die Bundesärztekammer, die 1998 das Transfusionsgesetz kräftig machte. So wurden Hochrisikogruppen vom Blutspenden dauerhaft ausgeschlossen. Dazu zählen neben bi- und homosexuellen Männern auch Prostituierte, Drogenabhängige und Häftlinge. Homosexuelle Frauen sind nicht betroffen. Ihre Sexpraktiken sind weniger riskant als Analverkehr, bei dem die Ansteckungsgefahr relativ hoch ist.

2012 veröffentlichte das Robert-Koch-Institut Eckdaten der Schätzung zur Häufigkeit von HIV und AIDS in Deutschland: circa 78.000 Menschen sollen hierzulande mit HIV oder Aids infiziert sein. 51.000 davon sind bi- und homosexuelle Männer. Doch rechtfertigt dies den dauerhaften Ausschluss vom Blutspenden? Was ist mit homosexuellen Männern, die in einer monogamen Partnerschaft leben? Und generell: Analverkehr ist nicht nur bei ihnen verbreitet. Auch Heterosexuelle führen diese Praktik durch.

Doch nun muss man sich doch eingestehen: 10 Jahre - das ist eine verdammt lange Zeit. Seitdem haben sich die Praktiken zur Blutanalyse stark verbessert. HIV-Tests sind heutzutage viel genauer, als sie es in den 90ern waren. Könnte man sich dann also nicht die Frage stellen, ob das Transfusionsgesetz veraltet ist? Gerade wo doch Blutspenden so dringend gebraucht werden.

Bildquelle: Flickr, "Back again" von Eliot Phillips, unter cc-Lizenz