Entdeckt
MarsOne
Dienstag, 24. März 2015, 04:00 Uhr

One-Way Reise ins Weltall

Naiv und unrealistisch: Finalist Joseph Roche spricht über Mars One

Die ersten Menschen sollten 2023 dauerhaft auf den Mars geschickt werden. Immer mehr Kritiker erklären das Projekt jedoch schon jetzt als gescheitert. Unter anderem ein Astrophysiker, der sich ebenfalls beworben hatte.

Stand Oktober 2014
Angeleitet wird das Projekt vom niederländischen Unternehmer Bas Landsorp, der mit seiner privaten Stiftung Mars One in Zusammenarbeit mit der Universität Twente die Mission durchführen will. Ziel der Reise soll die dauerhafte Besiedelung des Mars sein, wobei 2025 die letzte Gruppe von Astronauten auf dem Planeten landen soll.

Bei den "Astronauten" handelt es sich um ganz normale Menschen, die nach einer Reihe von Auswahlverfahren in den nächsten zehn Jahren soweit ausgebildet werden sollen, um auf den Mars zu überleben. Wir haben mit Denis Newiak gesprochen, er ist eine der Personen, die an einer Reise zum Mars teilnehmen wollen und unter den letzten 700 Bewerbern.

Die Mission klingt zwar wie der Stoff eines guten Science-Fiction Blockbuster, ist aber für die letzten Bewerber um einen Platz in einer der Raketen, knallharte Realität. Besonders heftig: Nach der Landung auf dem Mars gibt es für die Reisenden keinen Weg zurück zur Erde, dafür würden nach Einschätzung von Bas Landsorp die finanziellen Mittel fehlen.

Das restliche Leben auf den Mars verbringen, ohne seine vertraute Umgebung und den Dingen die man liebt. Für viele ein Alptraum, für manche aber auch ein erstrebenswertes Abenteuer. Für Bas Landsorp und seine Mitarbeiter eine Möglichkeit das wohl größte Medien Spektakel der Welt zu erschaffen, wie er in einem Informationsvideo auf Youtube erklärt:



Die Organisatoren wollen sowohl die Vorbereitungen, als auch die Reise selbst für alle Menschen zugänglich machen, dabei gehen sie aber noch einen Schritt weiter: Die Endrunden der "Astronauten-Auswahl" sollen durch öffentliche Beteiligung entschieden werden. Konkret hieße das: Per Reality-TV Show abstimmen, wer auf den Mars geschickt wird. Ein lukrativer Nebeneffekt: Durch die Einnahmen der Show soll die kostspielige Reise mitfinanziert werden. Um politischen Disputen aus dem Weg zu gehen finanziert sich die Stiftung Mars One nämlich nur aus privaten Investoren.

Sieben Monate dauert die Reise, wobei ab 2016 immer wieder Roboter auf den Mars geschickt werden, die schon mal die Stationen, in denen die Astronauten leben werden, bauen sollen. Bei minus 36° Grad und einer Atmosphäre, die hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht, eine bewohnbare Umgebung zu schaffen ist nicht nur teuer. Das Risiko, dass etwas passiert und nicht richtig vorbereitet wird ist dabei enorm.

Sobald die ersten Siedler auf dem Mars gelandet sind, soll versucht werden, sich eine eigene Zivilisation zu erschaffen. Unter einer Schutzatmosphäre in Form von Kuppeln soll eigenes Gemüse angepflanzt werden und eine Art Agrarwirtschaft entstehen. Das Experiment soll nicht nur beweisen, dass eine Ansiedelung der Menschen auf einem anderen Planeten, sondern auch eine bessere Welt ohne Geld und Krieg möglich ist. Um den Mars vollständig zu besiedeln muss aber auch für Nachwuchs gesorgt werden.

In welche Richtung sich die "Mission to Mars" auch weiter entwickelt, ob es eine TV-Serie geben wird, oder das Projekt letzten Endes doch abgebrochen wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Erstaunlich, dass eine solche Reise überhaupt ernsthaft in Betracht gezogen wird, ist es aber allemal.

Wir können Denis Newiak nur die Daumen drücken, damit sein Traum von einem Leben auf dem Mars in Erfüllung geht. Oder sollen wir ihm lieber doch wünschen, dass er zu Hause bei seinem Liebsten bleiben darf?

Das und vieles mehr verrät uns Denis Newiak im Interview:



Mehr Infos von und über Denis und seine Mission bekommt ihr direkt auf seiner Homepage www.denis-newiak.de


UPDATE März 2015: Kandidat Denis aus Potsdam ist beim Auswahlverfahren nicht weitergekommen. Allzu traurig muss er darüber unter Umständen jedoch gar nicht sein, denn Journalisten, Wissenschaftler und ehemalige Teilnehmer äußern sich immer kritischer gegenüber der geplanten Mission zum Mars. Wenn man ihnen Glauben schenkt, wird womöglich gar niemand aus diesem Auswahlverfahren zum Mars fliegen.

Einer der Bewerber, der es unter die letzten 100 Ausgewählten geschafft hatte, ist Joseph Roche aus Irland. Beworben hat er sich aus Neugier an der Thematik, denn Roche ist Astrophysiker am Trinity College in Dublin und ehemaliger Nasa-Wissenschafter, der jetzt in einem Interview mit der Journalistin Elmo Keep sowie in einem eigenen Artikel im Guardian über seine Erfahrungen als Bewerber sprach:


# Weit weniger Bewerber als kommuniziert
Wie oben im Interview von Teilnehmer Denis aus Potsdam erklärt, wurden die Teilnehmer in dem Glauben gelassen einer von 200.000 Bewerbern zu sein. Das wurde auch flächendeckend in den Medien verbreitet. Roche spricht hingegen jetzt von lediglich 2761 Bewerbern.

# Dubioses Auswahlverfahren der Kandidaten
Auch wenn Roche unter den letzten 100 Finalisten war, habe er noch nie jemanden von der Mars One Stiftung persönlich getroffen. Anfangs war die Rede von regionalen persönlichen Interviews, in denen die Bewerber auf das Team Mars One treffen würden. Alles, was Mars One bislang von Roche habe, seien ein selbst gedrehtes Bewerbungsvideo, einen Fragebogen sowie die Eindrücke aus einem zehnminütigem Skype-Telefonat. Laut Roche werden die Kandidaten nicht nach Tauglichkeit bewertet, sondern nachdem wie viel sie das Projekt Mars One finanziell unterstützen:

Last month a list appeared with “the top 10 candidates” for the Mars One mission. This list was put together after “the organisers ranked the candidates by points”. These points are “Mars One supporter points” which “represent the degree of your support to Mars One’s mission”. These points serve only to show how much each supporter has donated to Mars One.
# Bewerber sollen sich für Interviews bezahlen lassen
Laut Roche haben die übrigen Teilnehmer im Februar eine Liste bekommen, in der sie Tipps und Anweisungen für den Umgang mit Journalisten vorfanden. Außerdem wurde ihnen nahegelegt für Interviews Geld zu verlangen, wovon sie wiederum 75% an Mars One abgeben sollten.

# Naive Planung
Roche weist auch darauf hin, dass die Planung sowohl kosten- und zeittechnisch utopisch sei. Er bezieht sich auf ein Wissenschaftlerteam, das sich mit der Umsetzung von Mars One im Oktober letzten Jahres intensiv auseinandergesetzt hat. Die Tatsache, dass Mars One mit diesem Team nicht kooperiert, zeige, wie naiv die Vorgehensweise der privaten Stiftung sei. Des Weiteren hat jetzt auch der niederländische Physiker und Nobelpreisträger Gerardus ’t Hooft - der übrigens im obigen Werbevideo aus dem Jahr 2012 noch als Referenz und Berater fungiert - das Projekt mit dem derzeitigen Plan für 2023 in einem Interview für utopisch erklärt:

It will take quite a bit longer and be quite a bit more expensive. When they first asked me to be involved I told them ‘you have to put a zero after everything’,” he said, implying that a launch date 100 years from now with a budget of tens of billions of dollars would be an achievable goal. But, ’t Hooft added, “People don’t want something 100 years from now.
# Endemol als Fernsehproduktion abgesprungen
Die Fernsehproduktion Endemol (die auch Big Brother produzierte) hätte dem Projekt Mars One durch das Dokumentieren in einer TV-Show insgesamt bis zu sechs Milliarden Dollar einspielen sollen. Diese sei nun abgesprungen.


Zu diesen Kritikpunkten hat sich Bas Lansdorp, Mitbegründer von Mars One, jetzt geäußert:




Landsorp erklärt vieles, das in der Presse geschrieben wird, für unwahr. So gäbe es keinen Zusammenhang zwischen der Spendenhöhe und der Wahrscheinlichkeit, dass man als Teilnehmer eine Runde weiterkommt:

There are a lot of current round three candidates that did not make any donations to Mars One and there are also lot of people that did not make it to the third round that contributed a lot to Mars One,” he says. “The two things are not related at all and to say that they are is simply a lie.
Zudem seien es online tatsächlich 200.000 Bewerber gewesen. Es sei erst einmal einfacher jene Bewerber auszusortieren, die auf keinen Fall qualifiziert sind und dafür brauche es keine komplexen Auswahlverfahren. Erst im späteren Schritt wird unter den Übrigen nach den Qualifizierten gesucht.

Die Orientierungsliste mit Tipps für den Umgang mit Journalisten sei wichtig, denn sie müssen verhindern, dass das Projekt in ein falsches Licht gerückt wird. Er bestätigt den geplatzten Deal mit Endemol, erklärt aber, dass Mars One bereits mit einer neuen Produktionsfirma zusammenarbeitete. Dem Vorwurf der dennoch utopischen Finanzierung weist er damit zurück, dass im Vergleich zur von der Nasa berechneten Kosten bei Mars One die Rückkehr wegfällt, wodurch auch große Teile der Kosten wegfallen.

Außerdem kündigt er eine Verzögerung von zwei Jahren an. Das bedeutet, dass die ersten Menschen laut Landsorp erst im Jahr 2027 auf dem Mars landen werden.

Bildquelle: facebook | Mars One