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Dienstag, 16. September 2014, 06:55 Uhr

Smart Health

Gesundheits-Tracking via Smartphone

Die Lauferfolge, der Puls und sogar die Körpertemperatur kann man via Handy & Co. tracken. Dabei sollte man sich allerdings genau überlegen, welchen Weg die eigenen Daten gehen.

Die ►WakeApp überwacht die Schlafphasen und lässt einen morgens möglichst sanft wachwerden - natürlich nicht mit einem schrillen Klingeln, sondern Wassergeräuschen und Vogelgezwitscher. Das morgendliche Gewicht wird in einer ►AbnehmApp vermerkt und die ►RezeptApp verrät uns das fettfreie Frühstück, mit dem wir energiegetankt in den Tag starten. Im Job wissen wir dank ►SchrittzählerApp, dass wir uns relativ viel bewegt haben (merken: Zum Mittagessen in die Innenstadt laufen lohnt sich!) und auch der ►Heimweg via Fahrrad wird mitgetrackt.
Beim Sport nach der Arbeit wissen wir genau, welche ►Strecke wir beim Joggen zurückgelegt haben und können sogar dank neuester Sensoren sogar unseren ►Puls aufzeichnen.

Sensible Daten

Was für uns erstmal ein witziges Gadget ist, stellt jedem Datenschützer die Haare auf. Denn unsere Werte von Gewicht bis hin zu Puls und sogar Körpertemperatur (via Chip im Ohr) werden irgendwo auf Servern gespeichert. Und dann? Verkauft? - Kann gut sein, das steht in den AGBs, die aber sowieso niemand liest. Würde ein Krankenhaus so lax mit den Daten der Patienten umgehen, hätte es ein riesiges juristisches Problem. Aber wir hauen alles einfach so raus?

Datensammeln. Und auswerten?

Dabei können wir mit einem Großteil dieser Daten nicht einmal etwas anfangen. Nico Jurran ist Redakteur bei c't und hat selbst schon diverse Schlaf-Apps getestet. "Bei vielen Apps kriegt man auch eine Anzeige, wie qualitativ hochwertig der Schlaf war. Aber wenn man dann mal mit Schlafforschern spricht, werden die alle bestätigen, dass das gar nicht so klar ist, wieviel REM-Schlaf man braucht, ob es schlecht oder gut ist wenn man sich bewegt und einfach normal - da kommt schnell Panik auf."
Um mit den Daten seriös umgehen zu können, müsste man eigentlich ein Medizinstudium haben. Wer regelmäßig seinen Puls trackt, wird sich zu Tode erschrecken, wenn es mal größere Ausreißer gibt. Ein Zeichen für einen Herzinfarkt? Stillstand?! Oder einfach nur ganz, ganz normal?

Mit dem Wissen kommt die Verantwortung

Die Möglichkeiten sind groß - wer möchte, kann sich sogar seine DNA aufschlüsseln lassen. "Ein Kollege hat das getan", erzählt Nico Jurran. "Jetzt hat er das Problem, dass er nach der Aufschlüsselung ein erhöhtes Prostata-Krebs-Risiko hat. Aber dann er wollte eine Lebensversicherung abschließen. Unser Jurist hat ihm empfohlen, das anzugeben, nicht dass ihm jemand später mal einen Strick daraus dreht. Das sind Fallstricke, die man gar nicht im Hinterkopf hat."

Das weckt natürlich auch Begehrlichkeiten bei Versicherungen. Nico Jurran erzählt uns von einem Navi-System, das gleichzeitig die Fahrqualität mittrackt. Eine erste Versicherung scheint darauf angesprungen zu sein und bietet nun besonders günstige Tarife für besonders gute Fahrer an. "Das bedeutet aber am Ende nur, dass alle anderen ein schlechtes Angebot bekommen", meint Jurran. "Das heißt: Wenn ich nicht bereit bin, meine Daten herauszugeben, musst du halt mehr zahlen. Und das geht weiter: Bist du bereit, dich tagtäglich tracken zu lassen weil du sonst als unsportlich gilst? Und dann eventuell den schlechteren Tarif in einer Krankenversicherung zu bekommen? Und es führt dahin: Wer nichts zu verbergen hat, kann doch seine Daten auch rausgeben!" Ganz so absurd wie es klingt, ist es nicht. Schon jetzt tracken viele Menschen via Wristband ihren kompletten Tagesablauf mit: Wo bin ich? Wieviel bewege ich mich? Wenn ich mal zu wenig gelaufen bin, erinnert mich sogar mein Armband daran. Die Frage ist: Nur mich? Oder irgendwann vielleicht auch meine Versicherung?

Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Deswegen empfiehlt Jurran, vorsichtig mit den eigenen Daten umzugehen. "Wenn man unbedingt seine Gesundheit tracken möchte, sollte man das nicht unter seinem richtigen Namen machen, sondern immer ein Fake-Profil anlegen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Ich muss mir immer darüber bewusst sein, dass diese Daten über mich auch ganz wo anders landen können."


► Hier könnt ihr das Interview mit Nico Jurran von c't nachhören:


Bildquelle: Run | Steve Garner | Flickr unter cc-Lizenz