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Donnerstag, 12. März 2015, 12:05 Uhr

Escape The City

Flucht in ein besseres Leben

Ein Unternehmen, das möchte, dass du glücklich in deinem Job bist - darum geht's beim Start-Up "Escape The City". Wie man den Sprung in den Traumjob schafft, erzählen uns die Jungs im Interview.


Die Kurse heißen "Find your passion" oder "How to escape the corporate world". Hier kommen Anwälte zusammen, Unternehmensberater, Architekten und andere Menschen, die eigentlich alles haben, was man sich wünschen kann - zumindest sieht es so aus. Denn eine Karriere - so steil sie auch ist - muss nicht unbedingt Erfüllung bedeuten.

Perfekter Lebenslauf - und trotzdem unglücklich

Diese Erfahrung hat auch Stefan aus Wien gemacht. Er war auf einem super Gymnasium, hat dort ein fantastisches Abitur abgelegt und dann auf einer der renommiertesten Universitäten des Landes Architektur studiert. Mit einem sehr guten Diplom in der Tasche ist er ins Berufsleben gestartet. Vor ihm lag: Ein genau abgesteckter Weg, der ihn direkt in die oberen Zehntausend des Landes gebracht hätte. Nach außen sah es toll aus. So angefühlt hat es sich nicht.

"Wir hätten alle eigentlich glücklich sein sollen," erzählt Stefan. "Unser Leben war quasi eine Musterlaufbahn. Aber das Problem ist, dass das nicht unbedingt das ist, was einen persönlich glücklich macht." Was hilft die beste Karriere, wenn man morgens aufwacht und sich am liebsten krank melden würde? Neben seiner Arbeit als Architekt hat Stefan schon immer gerne programmiert. "Wenn wir 3D-Entwürfe gemacht haben, hab ich mir einfach ein Skript geschrieben, um die Entwürfe darstellen zu können", erzählt der 28jährige.

Vom Hobby zum Beruf

Aber dabei ist es nicht geblieben. Stefan hat sich eigene Seiten programmiert, um dort seine Architektur-Projekte zu präsentieren. Über drei Ecken sind dann die Gründer von "Escape The City" auf den Wiener aufmerksam geworden und haben den Kontakt aufgenommen. Mit Architektur hat Stefan nun nichts mehr zu tun, stattdessen arbeitet er seit einem Jahr bei dem Start-Up. Als wir ihn nach seiner Berufsbezeichnung fragen, muss er überlegen: "Puh, das hat mich noch niemand so gefragt. Ich bin im Developer Team, die richtige Bezeichnung wäre dann wohl Lead Front End Developer." Er lacht - "Ach, nenn mich einfach Product Ninja! Letztenendes ist es egal, wie es heißt - ich weiß nur, dass ich heute glücklicher bin als je zuvor."
 
gruender escapethecity

Die Gründer von Escape The City: Dom, Rob & Mikey

Product Ninja - solch eine Berufsbezeichnung würde man aus Unternehmensberatung, Wirtschaft oder Großkonzernen eher selten hören. Dennoch - manchmal sind es eben diese Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen glücklich und unglücklich ausmachen. Um dauerhaft das richtige zu finden, sollte man sich jedoch genau überlegen, was man machen möchte. "Aber auch wenn unser Projekt Escape The City heißt, geht es nicht nur um Flucht, also das Wegkommen. Sondern es geht darum, Erfüllung zu finden", sagt Stefan.

Gesellschaftstrend?

Natürlich ist das Kündigen des alten Jobs der größte Schritt und für viele eine Horrorvorstellung: Raus aus der Sicherheit, aus einem festen Anstellungsverhältnis - rein in etwas ganz Neues, Unbekanntes. In eine Zukunft, die Erfüllung bringt. Mittlerweile hat Escape The City 170.000 Mitglieder und es werden täglich mehr. Darin zeichnet sich für Stefan ein allgemeiner Trend ab: "Wenn man sich diese Generation anschaut, mit nachhaltigem Lebensstil, mit Yogastunden, dann glaube ich schon, dass das ein Trend ist, seine Mitte zu finden. Dass in der Zukunft Mitarbeiter und Arbeitgeber ein Ideal Match sind und nicht nur eine typische Karrierelaufbahn."

Dann müssen wir das Telefonat mit Stefan auch schon beenden - er bastelt gerade an einer neuen App und muss dringend los: "Macht es gut, und schaut mal vorbei!". Dank all der Musik, dank des Redaktions-Kickers und dank der vielen Kuchen, die immer wieder auf dem Konferenz-Tisch stehen, werden wir  in der nächsten Zeit eher nicht darauf zurückkommen. Falls das aber gerade bei euch ein Thema ist: Mehr Infos gibt's direkt bei Escape The City.


Hier könnt ihr das gesamte Interview mit Stefan Ritter nachhören:


Bildquelle: Revtank Outtakes | Mish Sukharev | Flickr unter cc-Lizenz