Entdeckt
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Dienstag, 23. September 2014, 16:00 Uhr

Save Home?

Ein Zuhause für minderjährige Flüchtlinge in Bayern

Die Unterkünfte sind brechend voll, eine weitere Flüchtlingswelle können sie nur schwierig stemmen - trotzdem versuchen zahlreiche Organisationen alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Flüchtlingen ein neues Leben zu ermöglichen. Aber wie sieht es wirklich in einer Schutzstelle für Flüchtlinge aus?


Wir waren zu Besuch beim HPKJ, einem eingetragenem Verein, der sich der heilpädagogischen und psychotherapeutischen Kinder- und Jugendhilfe verschrieben hat und sich seit ein paar Jahren verstärkt um jugendliche Flüchtlinge kümmert. Diese kommen ohne Freunde und Familie, ohne ein einziges bekanntes Gesicht und ohne Geld nach Deutschland - einem Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur ihnen fremd ist.

Ein Zufluchtsort ist die Schutzstelle Save Home. Das ehemalige Arbeiterwohnheim wurde durch das HPKJ zu einer Wohngemeinschaft über mehrere Stockwerke umfunktioniert, die von ausgebildeten Psychologen und Pädagogen betreut wird. Ende April dieses Jahres zog die erste Wohngruppe unters Dach des Gebäudes in der Pilgersheimer Straße in München. Die erste WG bestand aus sechs jungen Männern, nach und nach kamen noch weitere Wohngruppen hinzu. Bei der Einrichtung fehlt es noch an Kleinigkeiten wie Rollos, Vorhängen oder richtigen Betten für die Betreuer, die teilweise auch über Nacht bleiben. Trotzdem spürt man, dass hier alles daran gesetzt wird den Jugendlichen zu helfen und ihnen ein normales Leben zu ermöglichen.

Wir haben mit Angela Bauer der Leiterin des HPKJ und Sozialpädagogin Carina Hirz gesprochen, sie leitet die Schutzstelle Save Home. Als zentrale Inobhutnahmestelle ist Save Home die erste Unterkunft, in der einige Flüchtlinge nach langer Zeit zum allerersten Mal zu Ruhe kommen können, um ihren weiteren Lebensweg zu organisieren.

Wir sind wie ein Hauptbahnhof - wir gucken, vorher ein Zug kommt und organisieren in welche Richtung es weitergehen soll, damit der Zug letzten Endes auf einem sicheren Gleis ankommt.
Bei dem Projekt  leben mehrere Wohngruppen in einem Gebäude, die von ausgebildeten Psychologen und Pädagogen teilweise –je nach Zustand der Jugendlichen- ganztägig betreut werden. Das Konzept von Safe Home besteht aus zwei Komponenten, wie Leiterin Carina Hirz erklärt:



Die beiden Frauen haben täglich mit Jugendlichen zu tun, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und mit ihren jungen Jahren schon unvorstellbare Dinge erlebt haben.

Das ist etwas, das man sehen muss, dass diese jungen Menschen eine unglaubliche Verantwortung in ihrem jungen Leben schon getragen haben für sich.
Deswegen legen die Betreuer viel Wert darauf, dass keine Entscheidung über die Köpfe der Jugendlichen getroffen wird:



Aber wie kann man sich konkret so eine Wohngruppe vorstellen? Wie leben die Jugendlichen zusammen? Wir haben die Leiterin des HPKJs, Angela Bauer gefragt und bei unserem Besuch gemerkt, dass die Wohngemeinschaften gar nicht so anders sind, wie man es denken mag:



Integration - ein Thema, was bei unserem Gespräch immer wieder an die Oberfläche kommt und an dessen Grenzen Carina Hirz, mit ihren Schützlingen vor allem im Alltag gelangt, obwohl es auch immer wieder positive Rückmeldung gibt:



Ganz alltägliche Dinge erklärt bekommen – oftmals verstehen viele Flüchtlinge nicht, wie das Leben in Deutschland, oder speziell in Bayern abläuft. Genau an dieser Stelle können wir selbst aktiv werden und vertriebenen Jugendlichen eine Hilfe sein, indem wir zum Beispiel als Pate sie ein wenig an unserem Leben teilhaben lassen und ihnen so Wege eröffnen, die sie ohne die Hilfe von Einheimischen nie bekommen würden.

Da geht es gar nicht um große rechtliche Sachen, sondern wirklich um ganz alltägliche Dinge und auch nicht um Geld, sondern wirklich um die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben
Oftmals weiß man aber nicht genau, an wen man sich wenden muss. Wie sollen wir uns als Außenstehende verhalten? Angela Bauer erklärt, was es mit einer Patenschaft auf sich hat und wie wir die Situation entschärfen können:



Anlaufstellen, die als Pate oder ehrenamtliche Helfer aktiv werden wollen, gibt es viele. Bei den zahlreichen Angeboten wird dabei weder viel Zeit noch viel Geld in Anspruch genommen. Interessenten bezüglich eines Ehrenamtes können sich nicht nur beim HPKJ selbst unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, sondern auch beim Helferkreis der Bayernkaserne, dem Bayerischen Flüchtlingsrat, oder Flüchtlingshilfe München melden.

Dass ehrenamtliche Hilfe unbedingt notwendig ist, merkt man auch im Gespräch mit Angela Bauer und Carina Hirz, die einem weiteren Ansturm an Flüchtlingen nicht gewachsen sind. Sie erklären, dass die Situation für Jugendliche in der Stadt München zunächst entschärft ist, Erwachsene aber in anderen Unterkünfte „an der Grenze der Menschenwürdigkeit“ leben:



Einige minderjährige Flüchtlinge haben in der Clearingstelle in München aber bereits einen Ort gefunden, an dem sie nach einer langen und Kräfte zehrender Flucht endlich einmal Vertrauen fassen können. Der Weg, bis sie sich aber wirklich in ihrer neuen Heimat wohlfühlen ist noch lang, kann aber mit unserer Hilfe erleichtert werden.


Bildquelle: Flickr, "bunk room" von garann, unter cc-Lizenz