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Donnerstag, 02. Oktober 2014, 10:55 Uhr

Facebook, Ello und Dragqueens

Eine unehrliche Entschuldigung

Nachdem um die Facebook-Alternative "Ello" ein richtiger Hype entbrannt ist, sieht sich der Zuckerberg-Konzern im Zugzwang. Und entschuldigt sich bei der Drag Queen Szene.

Was war passiert? Vor einiger Zeit hatte Facebook begonnen, eine sehr drastische Klarnamen-Politik zu fahren. Jeder, der nicht unter seinem bürgerlichen Namen bei dem Social Network gemeldet war, wurde gelöscht. Besonders hart getroffen hat das Dragqueens und -kings, Transgender und Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender), die sich durch Angabe der Geburtsnamen unfreiwillig hätten outen müssen.

Unfreiwilliges Outing auf Facebook?

Ein Nutzer hatte hunderte Profile aus der LGBT-Gemeinschaft als "fake" gemeldet, kurze Zeit später wurden diese Konten eingefroren. Auch wenn die Klarnamen-Politik vor allem der Transparenz und dem Firmengedanken dienen soll, gibt es große Bedenken. Vor allem der unter seinem Künstlernamen "Sister Roma" bekannte Amerikaner Michael Williams sprach sich gegen diese Facebook-Politik aus. Auch auf Twitter formierte sich Widerstand unter dem Hashtag #mynameisroma und auf der Plattform change.org konnte eine Petition mehr als 35.000 Unterschriften sammeln.

Die Nachfrage schafft das Angebot

Die erste Reaktion von Facebook auf die Proteste war halbherzig. Für zwei Wochen sollten die gelöschten Profile wiederhergestellt werden, um den Nutzen Zeit zu geben, den Klarnamen einzugeben oder alternativ auf eine Fanpage umzuziehen. Bis zu diesem Punkt saß Facebook am längeren Hebel - wer auf dem Network mitmischen wollte, war an die Nutzungsbedingungen gebunden.

Der Hype um Ello

Zur gleichen Zeit kam ein neues Netzwerk ins Gespräch: ELLO befindet sich derzeit noch in der Beta-Version, soll aber bald schon eine Alternative zum Zuckerberg-Konzern werden. Das werbefreie Network verlangt von den Nutzern keinen Nachweis des echten Namens und ist somit vor allem für Personen aus der LGBT-Gemeinde sehr attraktiv. Auch wenn ello noch ziemlich nackt aussieht und neuen Nutzern nur auf Einladung hin zur Verfügung steht, bewerben sich Berichten zufolge stündlich mehr als 30.000 Nutzer um einen Zugang.

Reagieren statt agieren

Diese Zahlen scheinen beim Zuckerberg-Imperium nun doch für kalte Füße zu sorgen. In einer offenen Statusmeldung erklärte nun Produktchef Chris Cox: "We owe you a better service".  Weiter erklärt er, dass man nach weiteren Wegen suchen wolle, um die Identität der Nutzer zu klären. So schreibt Cox: "We see through this event that there's lots of room for improvement in the reporting and enforcement mechanisms, tools for understanding who's real and who's not, and the customer service for anyone who's affected. These have not worked flawlessly and we need to fix that. [...] To everyone affected by this, thank you for working through this with us and helping us to improve the safety and authenticity of the Facebook experience for everyone."


Bildquelle: Facebook Like | Owen W Brown | Flickr unter cc-Lizenz