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Montag, 17. November 2014, 18:22 Uhr

Einkaufen nach 20 Uhr in Bayern

Ein Münchner stößt die Diskussion erneut an

Die Ladenöffnungszeiten in Bayern sind Ben aus München schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt hat er eine Petition gestartet - mit großem Erfolg. Beim Land allerdings scheint man des Themas müde zu sein.


Ben ist 33 Jahre alt und arbeitet seit sechs Jahren in einer Online-Agentur in München. Wenn es gut läuft, hat er um 19 Uhr Feierabend, es kann aber auch durchaus später werden. Hier gibt es keine festen Arbeitszeiten, wenn ein Projekt fertig werden muss, muss es fertig werden, so einfach. Nach der Arbeit mal eben schnell noch Einkaufen gehen ist oft schwierig.

"Alle haben die selben Probleme"

Im Interview erzählt uns Ben von seinen Freunden: "Die haben meistens die gleichen Probleme, und rennen um fünf vor acht noch in den Supermarkt um schnell was zu besorgen. Und wer mal in einer Großstadt gelebt hat, weiß längere Öffnungszeiten eh zu schätzen." Da wir in einer Demokratie leben, in der jeder Bürger mitsprechen kann, hat Ben jetzt auf openpetition.org eine Petition für 'Flexible Ladenöffnungszeiten in München' gestartet.

Die Petition

Nach der ersten Nacht waren es 15 Unterschriften, aber schon nach zwei Tagen waren die ersten 1.500 locker geknackt. Als Ziel sind 4000 Unterzeichner angesetzt - die sind wahrscheinlich schon sehr bald erreicht. Dann soll das Thema zunächst auf dem Schreibtisch des Münchner OBs Reiter landen, der dann - im besten Fall - damit an die Landesregierung herantritt. Zumindest hat es sich Ben so vorgestellt.

"Eigentlich wollte ich nur eine Diskussion anregen"

Mit diesem schnellen Erfolg hat Ben nicht gerechnet, aber die Ladenöffnungszeiten sind definitiv ein Thema, das polarisiert. Nachdem wir die Petition auf der egoFM-Facebook-Seite geteilt haben, kamen vor allem Kommentare in diese Richtung: "Wer es zwischen 07 und 20 Uhr nicht schafft, einzukaufen, kriegt anscheinend sein ganzes Leben nicht auf die Reihe!" - oder: "Und wer denkt an die Angestellten, die Nachtschichten schieben müssen und ihre Familie gar nicht mehr sehen?!"

"Im besten Fall wird zusätzliches Personal eingestellt"

meint Ben, immerhin könne das nicht der Grund sein, an dem flexiblere Ladenöffnungszeiten scheitern sollten. "In anderen Ländern funktioniert es doch auch", so Ben weiter. Einen sehr kleinen Schritt in diese Richtung ist München in den letzten Jahren mit Sonder-Konzessionen wie beispielsweise für den Kiosk an der Reichenbachbrücke gegangen. Wirklich vergleichen kann man es aber nicht - meint Alexander Vesely, der seit kurzem den Kiosk an der Münchner Freiheit betreibt.

"Wir sind kein Supermarkt, wir sind ein Kiosk"

Einen richtigen Laden kann sein Kiosk nicht ersetzen, sagt Alexander. "Wir haben Zigaretten, Zeitschriften, Süßwaren, das ist das was am Meisten geht. Bei uns wirds kein Fleisch, kein Gulasch geben, sondern die notwendigen Sachen." Wer in Bayern wohne, so Vesely weiter, der sei es gewohnt, nach 20 Uhr auf die Tankstelle auszuweichen und das klappe ja auch.

Die Umstände haben sich geändert

Hier hakt das Argument von Ben ein, dass ja heutzutage nicht nur die Arbeitszeiten sondern auch die Entfernungen ungeheure Flexibilität der Arbeitnehmer abverlangen. Pendler zum Beispiel müssen nicht selten auf ihre acht Stunden pro Tag nochmal zwei Stunden Fahrtzeit rechnen. Das wiederum lasse sich aber nicht mit den Öffnungszeiten von Supermärkten vereinbaren.

Das Land sieht keinen Handlungsbedarf

Von den Zuständigen im Ministerium für Arbeit und Soziales bekommen wir keine Info. Für ein Telefon-Interview sei man terminlich zu eingespannt, alles was möglich wäre ist dieses schriftliche Statement:

"In Bayern gilt das Ladenschlussgesetz des Bundes. Danach müssen Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen, sowie von montags bis samstags von 20 Uhr bis 6 Uhr grundsätzlich geschlossen bleiben. [...] Zur Änderung der Ladenöffnungszeiten ist ein entsprechendes Gesetz notwendig. Eine Initiative des Sozialministeriums hierzu ist derzeit nicht geplant."

Wir fragen nochmal bei Ben nach. Wenn nun vielleicht bald schon seine Petition in der Politik landet - was würde er sich denn dann wünschen?

"Also wenn ich's mir wünschen könnte, würde ich sagen - es passt alles, wie bisher, aber es wäre schön wenn zum Beispiel am Donnerstag die Supermärkte zwei oder drei Stunden länger aufhätten. Es geht nicht darum, dass auch der letzte kleine Supermarkt 24 Stunden geöffnet haben muss. Wir sollten es den Händlern überlassen."

 

Was haltet ihr von dem Thema? Sollten Supermärkte in Bayern länger aufhaben dürfen? Oder reicht euch die Spanne zwischen 07:00 und 20:00 vollkommen? Möglich wäre ja auch, dass man eine Zwischenlösung findet? Oder Lizenzen für richtige Spätis rausgibt? Schreibt uns eure Meinung: Über Facebook oder via Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Bildquelle: View On Black | Jorge Gonzales | Flickr cc by 2.0