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Donnerstag, 18. Dezember 2014, 08:25 Uhr

Der ultimative Survivalguide für Klassentreffen

„Jetzt weiß ich wieder, warum ich dich damals schon nicht mochte.“

An Weihnachten drohen wieder die Zeit- und Nervenraubenden Familienzusammenführungen, die in Streit, Alkoholismus und Überfressung enden. Schlimmer aber noch sind: Klassentreffen. Kreisch.


Damit ihr dieses Jahr nicht ganz unvorbereitet zum freudigen Wiedersehen all der Mathe-Nerds, trinkfreudigen (ehemaligen) Spitzensportlern und verhassten Lateinlehrern kommt, haben wir hier für euch den ultimativen Survivalguide für Klassentreffen zusammengestellt. Gern geschehen!

Was tue ich wenn...

... jemand nicht aufhört mich zuzulabern?
Textet euch der ehemalige Klassensprecher schon seit 20 Minuten zu und egal, was ihr sagt - er erzählt euch ALLES, was in den letzten sieben Jahren eures Nicht-in-Kontakt-Bleibens geschehen ist? Alkohol ist in diesem Fall leider keine Lösung. Besser: Abwägen, ob und wie viel ihr mit diesem Individuum überhaupt noch zu Tun haben möchtet – dreht euch um und geht. 

...jemand viiiieeel zu private Sachen erzählt?
Die immer schon etwas unbeliebte Trantüte erzählt von ihrer Scheidung. Oder dem Tod ihres Mannes. Oder beidem. Nach zehn Jahren Funkstille ist das für euch auf jeden Fall: UNANGENEHM! Während sich eure Eingeweide verknoten und sich die Zehennägel kräuseln, braucht ihr dringend eine Idee, um dieser Situation zu entfliehen. Unser Tipp: Entweder die Geschichte toppen oder aus Versehen  Wein über euren Schal kleckern (den könnt ihr später einfach in der Tasche verschwinden lassen) und auf's Klo zum Auswaschen flüchten.

... ich mich an nicht mehr alle keine Namen erinnern kann?
Kann ja auch hin und wieder mal vorkommen. Vor allem wenn man schon zu Schulzeiten die Leute mit „Fett-Haar“ oder „der Lispler“ unterschieden hat. Einfach wird’s, wenn ihr jemanden zum Klassentreffen mitbringt und dieser sich dann in eurer Gegenwart selbst vorstellt. So erfahrt ihr so elegant wie möglich, mit wem ihr neun Jahre die Schulbank gedrückt habt.

...jemand unverschämt wird?
„Du bist nicht verheiratet, oder? Hm ja, das hab ich mir damals schon gedacht!“ – Äh danke! Hier hilft nur Auge um Auge, Zahn um Zahn. Gerade übrigens, wenn deine ehemaligen Lehrer mit dabei sind. Hier bloß nicht zurückhalten und ein Magengeschwür provozieren! Sollen sie dir halt einen nachträglichen Verweis geben.

...jemand sich "unbedingt mit dir connecten" möchte?
Die Businesspeople. Früher Wirtschafts-LK, jetzt irgendwo mit Bankenwesen. Oder irgendwas mit Medien. „Ja, ich gebe dir mal meine Karte mit – dann lass mal beim Lunch treffen und wir quatschen bisschen. Vielleicht könnten wir uns ja zusammentun.“ Hier unser Tipp: lasst vorher gefälschte Visitenkarten anfertigen, die ihr dann „zum Connecten“ verteilen könnt. Gerne mit Berufen eurer Wahl (siehe unten).

...jemand mich so behandelt wie vor 10 Jahren?
„Und? Schaust du immer noch diese Animee-Serien?“ – Äh nein du Trottel, ich bin 29 Jahre alt?! Mehr brauchst du nicht sagen. Auch wenn es nicht die Wahrheit ist.

...jemand erstaunt ist, "dass du dich nicht mehr an mich erinnerst?"
Wenn du zu den Leuten gehört hast, die mit dem Kopf auf dem Tisch die Oberstufe verbracht haben, brauchen sich deine Ex-Mitschüler eigentlich nicht wundern. Prinzipiell müsst ihr euch nicht outen, dass ihr keine Ahnung habt, ob diese Person mal auf neben euch saß. Im Laufe des Gesprächs könnt ihr anhand von Lehrernamen (wenn ihr die noch wisst) und der Erinnerung an Pausenhofstreiche herausfinden, ob ihr mit dieser Person befreundet wart oder sogar vielleicht sein möchtet.

... die Außenseiter auch heute noch Außenseiter sind?
Diese Situation beschreibt folgendes, englische Wort perfekt: awkward. Argh! Aber steht der dicke Markus, der inzwischen der dünne Markus ist, immer noch wie vor zehn Jahren unsicher in der Ecke, fasst euch ein Herz und sprecht ihn doch mal an. Man muss damit rechnen, dass er euch – wie früher eben – von da an nicht mehr von der Seite weichen wird. Aber ihr habt all die Hänseleien eurer Jugend damit wieder gut gemacht.

... es heißt "waren wir nicht mal auf Facebook befreundet?"?
Hach, ertappt. Ihr habt euch schon lange von den Überbleibseln eurer Schultage in der Facebook-Freundesliste befreit und jetzt stehen sie euch gegenüber. Auch hierfür haben wir eine Lösung: Legt vor dem Klassentreffen ein neues, zweites Facebookprofil an. Nach dem freudigen Wiedersehen könnt ihr mit dem Zweitprofil alle Leute (wieder) hinzufügen, die ihr auf eurem echten Profil unter keinen Umständen sehen möchtet.

... ich keinen Bock auf Rückfragen habe, wenn ich meinen Beruf nenne?
Es gibt Berufe, die sind so trocken, wie sie klingen. Und da braucht man auch einfach nicht mehr drüber wissen. Möchtet ihr euch also nicht weiter mit Lisa aus der ehemaligen 11b unterhalten, beantwortet ihre Frage nach eurem Beruf mit einem der drei Wahlmöglichkeiten: Bankkaufmannstudiere WirtschaftsinformatikReferent für Öffentlichkeitsarbeit im städtischen Bauamt. Who cares!

... ich einen Scheißjob habe und mir nicht die Blöße geben will?
Wenn aus eurer Künstler-Karriere doch nichts geworden ist, ihr euch aber nicht als Lehramtsstudent im 10. Semester outen möchtet, gibt es nur eine Möglichkeit. Entscheidet euch vor dem Treffen für einen Fakelebenslauf. Hier die drei perfekten Profile: Pilot (zieht bei Frauen immer), Rowdie bei Mortugal The Pan (gibt geile Tourgeschichten her), Greenpeace (ihr seid Abenteurer und lasst euren Worten Taten folgen!).

 
Bildquelle: What a swell party this is | phlubdr | Flickr cc by 2.0