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Dienstag, 23. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Die Kunst des Aufschiebens: Prokrastination

"Ich sortiere lieber erst meine CDs nach VÖ-Datum"

Was du heute kannst besorgen, verschiebe stets auf morgen. Jeder schiebt gerne Dinge auf, das ist normal und auch nicht schlimm, oder?

Es ist die Seminararbeit, die geschrieben werden muss, die Steuererklärung, die fällig ist oder ein unangenehemes Gespräch, das ansteht - da wird auch schon mal Kühlschrank Abtauen und Bad Putzen zur attraktiven Nebenbeschäftigung. Oh und was ist eigentlich auf Facebook so los?

Es ist so leicht, unschöne Dinge einfach auf einen unbestimmten Zeitpunkt zu verschieben. Ab und zu ist das auch normal, das liegt einfach in unserer menschlichen Natur. Je nach Studie sind aber 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Befragten von Prokrastination betroffen. Bei fünf Prozent ist diese Aufschieberei sogar chronisch.

Warum schieben wir so gerne Dinge auf?
Wir wollen unangenehme Sachen einfach nicht machen und lenken uns stattdessen mit anderen tollen Sachen (putzen) ab. Somit hat man die Zeit ja eigentlich sinnvoll genutzt und viele Dinge erledigt, die so und so gemacht werden müssen. Manche Dinge lassen sich später leichter machen und viele Probleme lösen sich von selbst - das hoffen wir zumindest.

collage prokrastination
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Prokrastination hängt mit Emotionen zusammen. Wenn man bestimmte Dinge nicht gerne macht, dann verbindet man negative Gefühle damit. Diese Dinge dann aufzuschieben ist für die Betroffenen ein Bewältigungsmechanismus. Hat man Angst bei einer Sache zu versagen oder ist zu perfektionistisch, ist es genauso. Manchmal setzt man aber auch einfach falsche Prioriäten.

Adrenalin vs. Vermeiden
Die Nacht vor der Prüfung durchbüffeln, weil man die letzten zwei Monate lieber was anderes gemacht hat, hilft dem Adrenalinjunkie bei der in-letzter-Sekunde-Situation zur Höchstform aufzublühen. Andere wiederum gehen mit Ausreden allem Unangenehmen aus dem Weg. Denn wenn man das Gefühl hat, man kann etwas nicht schaffen und entäuscht womöglich jemanden, dann lässt man's einfach sein.

Wann wird's kritisch?
Wenn man auch die schönen Dinge des Lebens aufschiebt. Wenn man sogar Kinobesuche mit Freunden absagt oder Treffen zum Kaffee auf unbestimmte Zeit vertagt, sollte man sich Gedanken machen. Ist es soweit gekommen, wirkt sich Prokrastination auch auf Beruf und Finanzen schlecht aus.


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