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Dienstag, 26. Mai 2015, 00:00 Uhr

Buchtipp: „Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf,…“ von Antonia Baum

Bloß nicht zum Arsch der Nation werden

Ein Vater, der zwielichtige Geschäfte betreibt, Auto fährt wie der letzte Henker und nicht nur wegen seines fehlenden Auges an einen Pirat erinnert. Romy hat mehr Ärger mit dem Vater als in der Schule.

Romys größte Angst ist, dass das Jugendamt vor der Tür steht und sie und ihre zwei Brüder ins Kinderheim steckt.
Abwegig ist das nicht, denn ihr Vater Theodor ist seit dem Tod der Mutter alleinerziehend und hat ganz eigene Vorstellungen davon, wie er seine Kinder auf die Welt vorbereiten muss. Statt dafür zu sorgen, dass Romy und ihre zwei Brüder brav zum Unterricht gehen, nimmt er sie einfach für ein paar Wochen aus der Schule und mit nach Berlin. Schließlich will er da ja gerade ein Wettbüro gründen. Begleitet werden sie dabei vom daueralkoholisierten Kalli und seiner Vogelspinne Luise. Aber asozial ist ihre Familie nicht, meint Romy, denn schließlich ist ihr Vater ja Arzt.

Der Roman, der mit vollem Titel „Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren“ heißt, ist eine bunte Ansammlung von abstrusen Begebenheiten die aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt werden. Den abenteuerlichen Geschichten werden die Ängste von Romy entgegengesetzt. Denn für sie ist das ganze kein lustiges Pipi-Langstrumpf-Leben, sondern ein unhaltbarer Zustand. Sie ist dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt, weil sie keine anständigen Klamotten trägt, sie muss ständig befürchten, dass sich die Behörden einschalten, um sie und ihre Geschwister vor der Verwahrlosung zu retten und die Geschäfte ihres Vaters ziehen nicht nur die liebenswürdigsten Gestalten an. All das wird nur durch die unerschütterliche Liebe der drei Kinder zu ihrem Vater und dessen dreist-unerschrockenen Aktionen zusammengehalten. Einen wirklich festen Halt gibt es für Romy aber nicht - wenn man von der Maxime ihres Vaters absieht, bloß nicht der Arsch der Nation zu werden.

Antonia Baum hat für zehnseiten.de einen kleinen Einblick ins Buch gegeben:



„Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf,…“ ist kein Buch, das auf Realitätsnähe geprüft werden darf. Die Hauptfiguren sind gleichzeitig Genies und biedere Bürger, während die Nebencharaktere in Rollenklischees hängen bleiben. Die Handlung hängt zwischen Sozialdrama und Räubergeschichte. Nicht so richtig für Kinder geeignet, aber auch kein erwachsenes Buch. Dadurch wird es aber zur geeigneten Lektüre, wenn man mal wieder das Gefühl haben will, mit Kinderaugen einen Abenteuerroman zu lesen. Dazu sollte man sich Omas Keksdose schnappen und mit Taschenlampe unter die Bettdecke verziehen.

Erschienen ist „Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf,…“ bei Hoffmann und Campe.

Cover Baum Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf  Antonia Baum
  Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte,
  mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren
  400 Seiten
  ISBN: 978-3-455-40337-4



















Bildrechte Buchcover: © Hoffmann und Campe
Bildquelle Titelbild (Bild bearbeitet): Flickr |brewbooks:"Eclipse Bookstore Bellingham"| cc by 2.0