Entdeckt
egoFMStrandlektuere
Dienstag, 09. August 2016, 06:00 Uhr

Strandlektüre: "Risiko" von Steffen Kopetzky

Das Spiel der Großmächte

Eine geheime Mission im Ersten Weltkrieg: Die Deutschen wollen die Stämme Afghanistans zum Dschihad, dem Heiligen Krieg anstiften. Klingt erfunden? Denkste!

Es war alles ein Plan, um einen Verbündeten im Ersten Weltkrieg zu gewinnen und gegnerische Truppen an zusätzlichen Fronten zu dezimieren.
So weit ist das alles historisch, was der Autor Steffen Kopetzky in seinem Roman „Risiko“ beschreibt. Die wildeste Idee des Romans ist also tatsächlich historischer Fakt. Doch der Kauf von einem Dutzend Exemplaren zur weltgeschichtlichen Bildung von halbwüchsigen Schulverweigerern wäre verfrüht. Denn neben seinem durchaus belegbaren Kern, handelt es sich um eine ziemlich wilde Abenteuergeschichte. Und der Autor hat sich alle dichterischen Freiheiten genommen, die er hierfür braucht.

Die ersten Seiten des Romans „Risiko“ verraten es schon: Alles wird auf einem Kampf um Leben und Tod hinauslaufen. Doch dann geht es erst mal recht gemütlich auf dem Kreuzer SMS BRESLAU weiter, auf dem Funkobermaat Sebastian Stichnote Dienst schiebt. Die Mannschaft seines Schiffs soll den König von Albanien, Fürst Wilhelm zu Wied, vor Rebellen schützen. Aber bisher gab es noch keinen weltbewegenden Zwischenfall. Keiner der Matrosen hat auch nur einen einzigen Schuss abgeben können. Da wir uns aber im Jahr 1914 befinden, wird sich dies bald ändern, denn der Erste Weltkrieg steht kurz vor dem Ausbruch.

Zuerst schlägt allerdings noch was ganz anderes zu: Die Liebe. Da es Sebastian Stichnote bewusst ist, dass er die junge Albanerin Arjona erst wieder sehen wird, wenn der soeben begonnene Krieg beendet ist, lässt er sich auf eine geheime Expedition ein. Diese, so hofft er, wird kriegsentscheidend und damit friedensbeschleunigend sein. Und so macht er sich zusammen mit einem Trupp von Soldaten und einer tonnenschweren Funkanlage auf den Weg nach Kabul. Mit im Gepäck hat er ein Strategiespiel, das die meisten von uns unter folgendem Namen kennen: Risiko.

Steffen Kopetzky hat für zehnseiten.de den Anfang von „Risiko“ eingelesen:



Analog zum Brettspiel, in dem nicht nur die Ausgangslage den Sieger bestimmt, hat auch Kopetzkys „Risiko“ eine neue Variante vom Ersten Weltkrieg entwickelt. Von Anfang an lässt er die Figuren seines Romans aus dem historischen Korsett ausbrechen und eigene Entscheidungen treffen. Seine verschiedenen Haudegen, Spione, Diplomaten und Abenteurer begleiten den Leser in Windeseile durch die über 700 Seiten der Geschichte. Dabei sollte man sich ab und zu mal eine kurze Pause gönnen, um aufs Geratewohl die tatsächlichen Geschichten der historischen Figuren im Internet nachzuschlagen. Das Buch schlägt zwar sowieso jeden halbwegs pfadfindertauglichen Geist in den Bann, aber auf diese Weise bekommt man eine wirkliche Idee davon, wie sehr der Autor mit den historischen Fakten spielt. Und dieses Spiel bereitet eine helle Freude.

Erschienen ist „Risiko“ bei Klett-Cotta.

Cover Kopetzky Risiko  Steffen Kopetzky
  Risiko
  731 Seiten
  ISBN: 978-3-608-93991-0



















Das Buch gibt es hier.

Bildrechte Buchcover: © Klett-Cotta
Bildquelle Titelbild (Bild bearbeitet): Flickr |Chal Moos:"Hammock relaxation"| cc by 2.0