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quellkollektivnuernberg
Mittwoch, 10. Juni 2015, 00:00 Uhr

Kampf um die Kultur

Schauplatz: Quelle-Areal Nürnberg

Dort, wo das kreative Herz der Stadt sitzt, soll nun ein Einkaufszentrum gebaut werden. Wir haben mit den betroffenen Künstlern gesprochen.


Der 9. Juni ist der Tag, an dem sich entscheidet, wie es weitergeht auf dem Quelle-Areal in Nürnberg. Bekommt der portugiesische Investor Sonae Sierra bei der Zwangsversteigerung den Zuschlag, wird das Gelände entkernt und grundsaniert, um zukünftig ein riesiges Einkaufszentrum zu beherbergen. Dazu sollen neue Luxus-Wohnungen und Büros geschaffen werden. Auf große Begeisterung stößt das Vorhaben nicht - zumindest nicht bei den Mitgliedern des "Quellkollektivs".

In dem Verein organiseren sich mehr als 70 Künstler, die auf dem Areal an der Fürther Straße ihre Ateliers und Kreativbüros eingerichtet haben. Für sie würde der Bau des Einkaufszentrums das Aus bedeuten, sie müssten ihre Ateliers räumen und sich eine neue Herberge in der Stadt suchen. Ihre Forderungen richten sie an die Stadt, am liebsten wäre dem Quellkollektiv wenn sich Nürnberg mit an der Neuausrichtung der Quelle beteiligen würde. Immerhin, so die Künstler, sollten die Bürger doch mitentscheiden dürfen. In einer Petition haben sie bisher knapp 5000 Stimmen gesammelt.
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Um ihr Fortbestehen auch für nicht-Kreative interessant zu machen, haben die Quellkollektiv-Mitglieder große Ideen: Man könne Solarkollektoren auf dem Dach installieren, sich in Sachen Urban Gardening engagieren und StartUps und Tonstudios unterbringen. Messen, Ausstellungen, Forschungseinrichtungen: Das alles könnte dort passieren.

Allerdings - und das ist die Krux an der Zwangsversteigerung - erhält der neue Eigentümer des Areals ein Sonderkündigungsrecht, mit dem die Mieter innerhalb kurzer Zeit vor die Tür gesetzt werden können. 

Wie es weitergeht und wer am Ende das Quelle-Areal nutzen kann, wird sich am 09. Juni entscheiden. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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Zur Versteigerung kam das Quellkollektiv in Schwarz.

+++ UPDATE +++

Nun ist es entschieden: Der Einkaufscenter-Betreiber Sonae Sierra hat das Quelle-Areal gekauft. Bei der Zwangsversteigerung gestern Vormittag hat das Unternehmen 16,8 Millionen Euro geboten und erhielt - auch, weil es der einzige Bieter war - den Zuschlag.

Das ist für die jetzigen Mieter, das Quellkollektiv, natürlich ein herber Schlag. Ganz klar, ob die neuen Eigentümer von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen, ist es noch nicht. Positiv fällt aber auf, dass der neue Eigentümer Interesse zeigt, mit den Kreativen das Gespräch suchen will und eine ewige Symbiose gar nicht mal so abwegig scheint. Die nächsten Tage soll sich dazu allerdings erst noch genaueres ergeben.

Moderator Max hat kurz nach der Entscheidung mit dem Pressesprecher und Mieter Hannes Hümmer telefoniert, um sich ein genaueres Bild der Lage zu machen:



Die Mieter wären also in drei Monaten wirklich kündbar, auch wenn andere Stimmen von Quellkollektiv inzwischen sagen, dass der Investor auf das Kollektiv zu gekommen ist und von einer Verweildauer von einem halben Jahr spricht. Mit Verlängerungsoption um ein weiteres halbes Jahr. Dies und die Ankündigung in den Räumlichkeiten des Areal auch weiterhin Platz für ein Kreativzentrum planen zu wollen hören sich im ersten Moment gut an, wirken aber doch ein bisschen wie der unbeholfene Versuch, die Meinung der Öffentlichkeit zu besänftigen. Währenddessen hat die Stadt Nürnberg anscheinend versprochen, nach Ausweichmöglichkeiten für die Kreativen suchen zu wollen, aber der Pressesprecher des Quellkollektivs sieht diesem Unterfangen nur wenig euphorisch entgegen. Schließlich lassen sich vergleichbare Bedingungen in einer Stadt wie Nürnberg nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Nichtsdestotrotz wird die Interessengemeinschaft die Petition am Laufen halten. Vor allem, um doch noch eine Beteiligung der Bürger an dem zu erreichen, was letztendlich mit dem 250.000 Quadratmeter großen Areal passieren wird. Also macht mit, entweder auf Facebook oder direkt bei der Petition.


Bildquelle: Quellkollektiv