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Freitag, 13. September 2013, 10:00 Uhr

REGENSBURGER "PARADIES" SOLL GERÄUMT WERDEN

Verbotenes Camp am Donau-Ufer

An der Donau haben sich ein paar Lebenskünstler einen "Happy Place" geschaffen - mit Baumhäusern, Hängematten und einer Open-Air-Küche. Jetzt droht die Zwangsräumung.

"Ein Paradies hinter Brettern". So wurde damals die Bar 25 genannt. Ein Spielplatz für Erwachsene, der alles bot, was die Herzen der Kindgebliebenen höher schlägen lässt: Musikbühne. Feuerstelle. Schaukeln, alte Autoscooter und anderes Spielzeug. Und sogar eine Sauna inklusive Pool. Dass dieses Märchen kein gutes Ende nahm, wissen wir alle.

Dafür gibt es jetzt eine Fortsetzung. Auf Bayerisch. Die Bretter werden zu Bäumen. Die Spree wird zur Donau.

Ein bunt bemaltes, wild mit Kuscheltieren und Spielzeug behängtes Schild heißt Besucher Willkommen im "Paradise, Hausnummer 1". Mitten im Grünen, zwischen zwei alten Lindenbäumen, haben alternative Lebenskünstler vor einem knappen Monat ihr eigenes Paradies gebastelt. Inklusive Floß zum Transfer ans Schwarze Meer, wie Robinson Crusoe. Freitag gibt es nicht, aber dafür einen Gesellen namens "Donnerstag". Der heißt so, weil er an einem Donnerstag zum ersten Mal ins Camp kam.

Für spontanen musikalischen und/oder künstlerischen Darstellungsdrang gibt eine Bühne. Gekocht wird in einer Küche unter freiem Himmel, und in zwei durch eine Brücke verbundenen Baumhäusern können bis zu zehn Menschen schlafen. Fest wohnt dort aber eigentlich niemand. Der farbenfrohe Ort ist eher eine Art "Happy Place", an dem jeder herzlich willkommen ist.

In den Worten des Initiators Korbinian Spießl:



Korbinian ist eigentlich Kulturdesigner. Er baut und bastelt beruflich und privat unglaublich gerne, und er hat auch das Projekt Paradies ins Leben gerufen. Eigentlich sollte es ja nur ein Badesteg werden. Eigentlich. Aber dann wurde bei einem Sturm ein Baum umgestürzt. Erster Gedanke: Baumaterial. Logisch.

Und was sagt die Stadt dazu? Die Behörden, insbesondere das Umweltamt, haben vor allem ein Problem mit dem Camp: Die Bäume, auf und um die das Paradies errichtet ist, sind denkmalgeschützt. Aber werden die Bäume wirklich beschädigt? Korbinian ist sich sicher: Auf keinen Fall. Im Gegenteil, sagt er, jetzt ist es schöner und sauberer dort als zuvor. Als die Gegend noch unparadiesisch war, standen hier Saufgelage und Müllberge auf der Tagesordnung.
Deswegen freuen sich auch die Anwohner, und unterstützen das Projekt mit Care-Paketen. Ein Zettel am benachbarten Gartentor liest sich folgendermaßen: "... dieses Projekt verdient unsere Unterstützung, mit Tat, Wort, Musik, Wein und Brot".

Dann kam die Ansage der Stadt: Bis nächsten Mittwoch muss das Paradies geräumt werden.

Aber selbst diese Ansage gestaltet sich nicht ganz so einfach. Anscheinend, so berichtet Korbinian, fühlt sich niemand so wirklich zuständig für's Paradies



Wen es offiziell nicht gibt, den kann man auch schwer des Platzes verweisen. Dennoch, ein bisschen besorgt sind Korbinian und seine Paradiesler doch. Aber diese Bedenken werden schnell wieder vom Spießl'schen Optimismus weggewischt. Wenn nicht am Donauufer, dann eben woanders.



Korbinian wird auf jeden Fall alles dafür tun, dass sein Paradies nicht irgendwelchen Stadtverordnungen weichen muss. Dafür hat er eine richtige kleine Pressekonferenz organisiert:



Und was passiert mit dem aufgepimpten Badestrand im Winter? Spießl zeigt sich auch da optimistisch. Das gehe schon - mit Jute und Lagerfeuer und so. Wir seien in unserer Konsumgesellschaft eh viel zu verweichlicht. Ob die jetzt noch begeistert im Baum Herumkletternden das auch noch so sehen, wenn mit den Blättern die Temperaturen fallen, wird sich zeigen. Zentralheizung vs. Back to the Roots. Bis dahin heißt es Abwarten und Wein trinken.

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Bildquelle: Daniel Pielmeier | Moment Photography