Entdeckt
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Donnerstag, 16. Juli 2015, 09:00 Uhr

AMY - Doku im Kino

"I'm not a girl trying to be a star. I'm just a girl who sings"

Mit bisher unveröffentlichten, persönlichen Videoaufnahmen ist die Doku über Amy Winehouse ziemlich intim. Reichlich Kritik und Rechtsstreits gab's bereits im Vorfeld - doch nun startet der Film endlich in den Kinos.

Denken wir an Amy Winehouse, erinnern wir uns an eine Künstlerin, die freilich ein Problem mit Drogen und Alkoholexzessen hatte, vom Talent her jedoch nicht selten neben starke Frauen wie Nina Simone verglichen wurde. Wir erinnern uns an Amy als die Soul-Ikone des 21. Jahrhunderts. Die Dokumentation, AMY, portätriert allerdings ein ganz anderes Mädchen. Eines, das nie wirklich berühmt werden wollte, das einfach nur singen wollte. Wenn man diese Bilder sieht, erkennt man erst das ganze Drama um Amy Winehouse - meint man zumindest. Ginge es nämlich nach Amys Familie, wäre der Films niemals veröffentlicht worden. Es werde ein falsches Licht auf sie geworfen:

By misunderstanding the condition and its treatment, the film suggests for instance that not enough was done for Amy, that her family and management pushed her into performing or did not do enough to help her.[…]
Vor allem aber Vater Mitch hält sich für unfair porträtiert. Der Film stelle ihn als Bösewicht dar, als einen Vater, der nicht für seine Tochter da gewesen sei. Dabei wäre es ganz anders gewesen: er habe täglich bis zu sieben Mal mit seiner Tochter telefoniert, vor allem in der Zeit in der es ihr schlechter ging. Im Interview mit der britischen Sun sagte er:

I felt sick when I watched it for the first time. Amy would have be furious. This is not what she would have wanted.
Er hält viel mehr Freund Blake Fielder-Civil für den wahren Grund von Amys Drogenabhängigkeit, aber das würde in der Doku überhaupt nicht so dargestellt werden. Anwälte wurden eingeschaltet, die Filmveröffentlichung sollte verschoben werden, die Filmemacher wurde des Weiteren mit einer Anklage wegen Verleumdung und übler Nachrede gedroht - alles vergeblich, die Welt will AMY sehen, die Welt bekommt AMY und zwar in einer derart persönlichen Art und Weise, dass allein schon beim Trailer Gänsehaut den kompletten Körper überzieht.


Das Tragische an der Doku ist, dass dabei der Mörder Amys enthüllt und vor Augen geführt wird: ihre Fans. Denn das Mädchen, das von sich selbst nie gedacht hätte, dass sie berühmt werden könnte, dass die Menschen sie lieben würden, wurde letzlich zu Tode geliebt. Sie zerfiel am Ruhm, nahm Drogen, um irgendwie klar zu kommen, ging auf Entzug, gab sich dann jedoch wieder dem Alkohol hin. Die Intimität, die der Film aufbaut, fühlt sich schon fast unangenehm an. Doch AMY ist nicht nur über ihren Fall. Die Doku porträtiert auch das Mädchen vor und zwischen dem Ruhm. In Momenten, wo sie weitestgehend sie selbst sein konnte. Zum Beispiel gibt es eine Aufnahme, in der Amy auf ihrer Gitarre spielt - etwas, das man irgendwie vergessen hat, dass sie das kann. Man hat schließlich immer nur die Sängerin im Kopf und verliert oft das musikalische Genie dahinter. Auch die Interview-Einblendungen von Personen aus ihrem privaten Leben, von Personen, die sonst nie zu Wort gekommen sind intensivieren die Emotionen, die der Film auslöst.
Innerhalb von drei Tagen hat der Film, dessen Regisseur übrigens Asif Kapadia ist, schon über eine halbe Million Pfund eingespielt, ist somit der erfolgreichste Kinoneustart eines britischen Dokumentarfilms ever.

AMY wird am 16., 17. und 19. Juli in den CinemaxXimal Kinos ausgestrahlt.