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Dienstag, 27. Oktober 2015, 01:00 Uhr

Buchtipp: „Florian Berg ist sterblich“ von Janko Marklein

How to be unbeholfen

Florian gründet als Kind einen Verein, zockt Computer, wird politisch, studiert später Philosophie und verliebt sich. Am Ende muss man sich fragen: Kann man mehr über ihn sagen als „hat sich stets bemüht“?

Mit dreizehn schmieden Florian Berg und sein Kumpel Ole einen Plan: Sie müssen dringend einen Verein gründen, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Gebiet zu bewachen und instand zu halten. Andere Hobbies von Florian sind in chronologischer Reihenfolge: Bücherbus, LAN-Party, Grüne Jugend. Ganz normal also. Er ist als Kind ein Mitmacher, kein Entscheider. Aber nicht alles am Pastorensohn ist nachvollziehbar normal. Die wirklich erschütternden emotionalen Geschehnisse scheinen an ihm abzuperlen. Wenn andere in Verzweiflung und Trauer ausbrechen würden, sitzt er nur still da und wirkt auf unheimliche Art gefühlstaub.

Janko Marklein begleitet seine Hauptfigur in „Florian Berg ist sterblich“ bis ins Studium. Wir erfahren also auch, was für ein junger Erwachsener aus dem partiell seltsamen Kind wird. Philosophie wird er studieren, in Leipzig. Und da zeigt sich recht schnell, dass er auch hier irgendwie nur nebenher läuft. Passiv und opportunistisch lässt er sich anfreunden und gerät dabei an ziemlich verkorkste Figuren. Aber ist das ein guter Weg, um seinen geheimen Wünschen näher zu kommen?

Ruhig geht es in Markleins Roman zu. Nur ab und zu finden sich im Text Einblicke in Florians Innenleben, die Geschehnisse sind alltäglich und die Handlungen detailliert beschrieben. Das bringt eine ziemliche Spannung der Informationslage, denn der Leser hat hier viel Raum, um sich zu überlegen, was hier alles im Verborgenen liegen könnte. Wer ist dieser Florian Berg eigentlich? Was treibt ihn über die Bewältigung des Alltags hinaus an? Und gibt es irgendjemanden, der ihn aus seinem Dahintreiben herausreißen kann? Und warum erfahren wir mehr darüber, wie viele Brote er sich schmiert, als was in ihm so vorgeht?

Für zehnseiten.de hat Janko Marklein eine Episode vorgelesen, die sich zu Florians fünfzehntem Geburtstag abspielt:



In „Florian Berg ist sterblich” erfahren wir so ziemlich alles über Florians Leben und eigentlich nichts über Florian selbst. Das ist kann gleichzeitig ärgerlich und spannend sein. Je nachdem, wie man sich auf das Buch einlässt. Als Leser, der einen Charakter kennenlernen will, um sich mit ihm verbunden durch die Geschichte zu kämpfen, hat man hier nicht viel Greifbares und wird sich wie bestellt und nicht abgeholt fühlen. Sucht man aber eher einen Zugang als aktiver Betrachter, der von einer Szene zur nächsten geführt wird, um sich dann selbst auszumalen, was in den Figuren vor sich geht, wird man mit diesem Roman ziemlich glücklich. Denn dass da etwas ist, das nicht erzählt wird, ist mehr als greifbar, es springt einen geradezu an. Jemand, der seine Fantasie spielen lassen möchte, hat hier einen großräumigen Spielplatz gefunden. Mit Schaukel und Rutsche.

Erschienen ist „Florian Berg ist sterblich“ beim Blumenbar Verlag.

Cover Marklein Florian Berg ist sterblich  Janko Marklein
  Florian Berg ist sterblich
  336 Seiten
  ISBN: 978-3-351-05022-1
















Bildrechte Buchcover: © Blumenbar Verlag
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