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Donnerstag, 25. Februar 2016, 12:00 Uhr

Ein Leben ohne Bargeld

Harte Zeiten für Bankräuber

Vorreiter sind die Schweden, die bis 2030 das Bargeld komplett abschaffen. Mastercard springt mit auf und will Passwörter und Zahlencodes abschaffen. Noch dieses Jahr soll man per Selfie bezahlen können.

Schweden hat als erstes europäisches Land Banknoten eingeführt. Nun ist es die erste Nation, die sie wieder abschaffen möchte. Aber ist das wirklich ein Schritt in die digitale Zukunft oder möchten die Banken ihre kurzfristigen Interessen durchsetzen?

In Schweden ist erstmal eines klar: Das Brötchen beim Bäcker, das Obst am Gemüsestand auf dem Markt oder der Kaffee to go kann nur noch mit Karte bezahlt werden. Auch die Verkäufer der Stockholmer Obdachlosen Zeitungen haben sich der Entwicklung angenommen und sich Kartenlesegeräte besorgt. Und sogar die Kirchenkollekte wird mit Karte bezahlt. Die Schweden sind hierbei aber nicht alleine - die Dänen sehen Bargeld auch als ein veraltetes Zahlungsmittel an und andere Länder wie Griechenland und Italien haben längst Obergrenzen für das Bezahlen in Bar eingeführt.

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Bildquelle: Flickr / "resturant" von Lea Latumahina cc. by 2.0

Gründe für die Abschaffung des Bargeldes sind schnell gefunden. Das Bezahlen geht schneller an der Kasse. Also spart man sich einiges an Zeit, die man sonst in der Schlange der Einkaufskasse stehen müsste. Dann ist es auch noch hygienischer. Man besitzt seine eigene Karte und bekommt nicht das Geld, welches schon durch 200 andere Hände gewandert ist. Auch Bankräubern stehen harte Zeiten bevor, da sie immer öfter ein leeren Tresor Knacken werden. Zu guter Letzt kann man auch noch illegale Geschäfte, wie beispielsweise den Drogenhandel, eingrenzen, denn:

Musst du bar bezahlen, dann stimmt etwas nicht!
Man kann dem ganzen auch kritisch gegenüberstehen. Wie verhält es sich mit den Daten, die man bei jedem Kauf von sich Preis gibt? Was passiert mit diesen? Vielleicht steckt auch reine Profitgier der Banken dahinter. Denn für jedes verkaufte Kartenlesegerät bekommt man Geld. Zudem bekommen sie für jede Karte die ein Straßenhändler oder ein Geschäft akzeptiert, also mit der man bezahlen kann, eine Gebühr. Und wenn die Bankräuber aussterben, dann gibt es ja noch die Cyberkriminellen, die sich schon die Finger lecken, wenn es ein Sicherheitsleck im System gibt.

Als letztes kann man in Bargeld auch noch eine Art analoge Freiheit in unserer digitalen Zeit sehen, da man es praktisch nicht zurückverfolgen kann. Ohne nachdenken zu müssen, für was man es ausgibt, ob die persönlichen Daten irgendwo gespeichert werden können.

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Bildquelle: Flickr | Petras Gagilas "Selfie" cc by 2.0

Aber jetzt kommt es noch dicker. Mastercard will verschiedenen Quellen zufolge noch in diesem Jahr das Selfie zur Bezahlmethode machen. Einfach, digital und fortschrittlich. Ok, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Erst muss man sich die App herunterladen, dann funktioniert es wie eine Online-Überweisung, nur dass man keinen Pin eingibt, sondern ein Selfie schießt.
Das Bild muss in der App selbst geschossen werden. Um die Kamera auszulösen, muss man kurz blinzeln. Die App gleicht dann dein zuvor registriertes Bild mit deinem Selfie ab und schwupp ist die Bezahlung erfolgt.

Die Fragen, die bleiben, sind diesselben wie bei jeder erweiterten Datensammlung: Wie sicher ist das biometrische Verfahren? Warum muss ich noch mehr Daten von mir angeben,  die ein Unternehmen weiterverkaufen kann? Was passiert mit den Fotos, die ich schieße? Ist das Bezahl-Selfie wirklich komfortabler? Mal ehrlich, ist es nicht nervig, wenn man ein Selfie von sich machen muss, nur wenn man mal im Supermarkt einkaufen geht?

Vielleicht hatte Dagobert Duck mit seinem Geldspeicher doch recht... da sind son paar Panzerknacker vielleicht sogar unanstrengender.


Bildquelle: Flickr / "Money Set Alight" von Images Money cc. by 2.0