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Plakatmotiv des 6. Literaturfestes München. Literaturfest München. Gestaltung Büro Alba
Mittwoch, 18. November 2015, 05:00 Uhr

Literaturfest München 2015

Grenzgänge mit und ohne Buch

Das Literaturfest geht dieses Jahr in die Konfrontation - mit dem Fremden, mit Grenzen, mit Vorurteilen und mit Berührungsängsten. Und das wird nicht nur mit Diskussionen und Lesungen angegangen.


Vom 18. November bis zum 06. Dezember hat München für das Literaturfest wieder Autoren und Künstler aus aller Welt eingeladen. Im forum:autoren, der Münchner Bücherschau und im Literaturhaus München dreht sich dabei alles ums Buch. Direkt vorne weg: dieses Jahr wird auf dem Literaturfest Fußball gespielt.
Nicht nur, aber auch. Zu tun hat das mit Albert Ostermaier. Der ist diesmal nämlich für das Progammformat forum:autoren zuständig, das jedes Jahr von einem anderen Autor zusammengestellt wird. Ostermaier hat es unter das Motto front:text gestellt. Dabei wird sich an die Themen Flucht, Grenzen und Krieg herangewagt. Dass Ostermaier, der selbst Torwart der Autoren-Nationalmannschaft ist, hier den Dreh zum Fußball findet, klingt erst mal irritierend. Wenn man sich das von ihm erklären lässt, dann macht das aber plötzlich ziemlich viel Sinn:



Und wie sieht das dann konkret beim Literaturfest aus?



Es geht also um eine unmittelbare Auseinandersetzung mit fremden Menschen und Kulturen. Und dafür werden halt auch mal die klassischen Formate von Literaturveranstaltungen gesprengt und die Trikots gezückt. Aber auch die bekannten Formate kommen nicht zu kurz: Für die traditionelle Auseinandersetzung gibt es wie immer Gespräche mit Autoren und Lesungen. Aber als eine Veranstaltung, in der hochinformierte Intellektuelle sich in Ihrer Meinung bloß bestätigen lassen, will Ostermaier das Literaturfest nicht dastehen lassen:



Und auch die Nicht- und Wenigleser sollen Anreize haben, sich auf das Literaturfest zu wagen:



Und die Wege, auf denen front:text an das politisch brisante Thema heranführt sind ziemlich bunt gestrickt: Poetry Slams, Lesungen, Autorengespräche, Diskussionen, Partys, Workshops, Musik und ganz konkrete Informationen, wie man sich für Flüchtlinge engagieren kann. Wir haben Albert Ostermaier gefragt, ob er sich selbst schon direkt mit Flüchtlingen auseinandergesetzt hat:



Für die Veranstaltung Autorenreisen wurden Künstler in die direkte Konfrontation geschickt: Nach Lampedusa, Tirana, ins türkisch-syrische Grenzgebiet und nach Dresden. Ihre Erfahrungen und die Eindrücke, die sie an diesen Brennpunkten gemacht haben, stellen Nuran David Calis, Sandra Hoffmann, Davide Enia, Vyacheslav Kupriyanov auf dem Literaturfest vor und hinterfragen, ob und wie sich ihr Blick auf die Geschehnisse verändert hat.

Wer den Perspektivwechsel für den Hausgebrauch sucht, der kann natürlich immer auch direkt zum Buch greifen. Albert Ostermaier hat für diesen Zweck ein paar seiner Lieblingsbücher vorgeschlagen:



Und hier gibt’s die Bücher:
Rawi Hage: Als ob es kein Morgen gäbe, Dumont Buchverlage, 256 Seiten.
Alaa al-Aswani: Der Jakubijân-Bau, Lenos Verlag, 363 Seiten.
Najem Wali, Bagdad Marlboro, Hanser Verlag, 352 Seiten.

Hier gibt’s das komplette Programm des Literaturfests mit dem forum:autoren, der Münchner Bücherschau und den Veranstaltungen des Literaturhaus München.

Bildquelle Titelbild (Bild beschnitten): Plakatmotiv des 6. Literaturfestes München © Literaturfest München. Gestaltung: Büro Alba.