Entdeckt
anonymous_lucianocastillo_fl
Mittwoch, 18. November 2015, 13:35 Uhr

Anonymous erklärt IS den Krieg

Die ersten Daten sind gehackt

Nur einen Tag nach den Anschlägen von Paris erklärten einige Hacker von "Anonymous" der Terrormiliz IS den Cyberkrieg. Jetzt sollen die Aktivisten die ersten IS-Daten gehackt haben. Aber ist das überhaupt sinnvoll?

Es ist Samstagmorgen, Paris ist noch im Schockzustand. Es ist der erste Morgen nach den Terrorangriffen. Während viele noch nach Antworten suchen, erklärt eine Gruppe des Hackerkollektivs "Anonymous" dem IS per Videobotschaft den digitalen Krieg. Im Video finden sie deutliche Worte und drohen den Terrorkämpfern mit „der größten Aktion, die Anonymous je gestartet hat“. In den Kommentaren wird später diskutiert, wie ernst das Video zu nehmen sei.



Die Antwort des IS kam sofort: Die Hacker seien „Idioten“. Die Terrorgruppe habe keine Angst.

5.500 Twitter-Konten gehackt

Ganz so harmlos, wie der IS sie einschätzt, scheint die Gruppe um "Anonymous" aber doch nicht zu sein. Sie soll nun 5.500 Twitter-Konten von aktiven IS-Anhängern oder -Interessierten gehackt haben. Zusätzlich sollen sie die richtigen Namen von IS-Rekruitern herausgefunden und veröffentlicht haben. Das wäre für die Terrorkämpfer, die häufig anonym über soziale Netzwerke Kontakt zu neuen Mitgliedern herstellen, natürlich ein Rückschlag. "Anonymous" scheint seine Drohung also wahr zu machen.
Ob allerdings weitere Aktionen durch "Anonymous" geplant sind und wie weitreichend diese sein könnten, ist bisher nicht bekannt.

Soll Anonymous sich einmischen?

Auch wenn den meisten die Aktion intuitiv gefallen dürfte, kann man sich fragen, ob der Eingriff der Hacker richtig ist. Sollen sie sich einmischen? Was hat das für Konsequenzen?
Es scheint vielleicht seltsam, eine Aktion zu hinterfragen, die mit friedlichen Mitteln versucht einer schlechten Sache die Existenz etwas schwerer zu machen. Allerdings entscheidet hier auch eine anonyme Hackergruppe eigenmächtig ein Vorgehen, das man, falls man es kritisch sehen möchte, als digitale Bürgerwehr bezeichnen könnte. Ihr Angriff mag in den Augen der meisten angesichts der aktuellen Ereignisse als richtig eingestuft werden, allerdings kann ein eigenmächtig beschlossener Eingriff auch einen unkontrollierbaren Rattenschwanz nach sich ziehen. Kann - muss nicht. Und: Cyberattacken sind zwar im engsten Sinne friedlich, bleiben aber Angriffe. 


Nachteile für uns durch die Angriffe?

Braucht es einen digitalen Zorro oder sollten die Nachrichten- und Geheimdienste einfach ihre Arbeit machen? Wie weit darf die Einmischung einer losen, unbekannten Gruppe gehen?
Einige fürchten durch die Hackerangriffe Nachteile für unsere Sicherheit. Die Geheimdienste lesen viele der Nachrichten von IS-Kämpfern mit und könnten dadurch geplante Anschläge vereiteln. Werden diese Kanäle nun gehackt und die IS-Mitglieder suchen sich neue Plattformen, dann sind die Geheimdienste zumindest kurzzeitig wieder im Nachteil, so die Einschätzung.


Bildquelle: Flickr |”Anonymous Mask” by Luciano Castillo | cc by 2.0